Sonntag, 3. September 2017

Nominierte für DEW21 Kunstpreis 2017 präsentieren sich im Dortmunder U

Gleich sieben Dortmunder Künstlerinnen und Künstler sind in diesem Jahr für den DEW21 Kunstpreis nominiert und haben damit erneut das kreative Potenzial unserer Stadt verdeutlicht. Sie werden im Rahmen der Wettbewerbsausstellung ihre Arbeiten vom 23. September bis 22. Oktober in der sechsten Etage des Dortmunder U präsentieren.

Evelyn Bracklow


Unter dem Pseudonym LA PHILIE schafft Evelyn Bracklow Werke, die ein Wechselbad der Gefühle auslösen. Betrachter reagieren oft erstmal mit einer Mischung von Faszination und Ekel, wenn sie die Heerscharen von kleinen Ameisen sehen, die über die Porzellantassen und -teller zu laufen und in Vasen und Karaffen einzutauchen scheinen. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, die Tiere sind filigran und lebensecht auf das Porzellan gemalt worden.

Bracklow hat LA PHILIE 2012 gegründet und betreibt seit 2017 ein eigenes Atelier in Dortmund

Anja Bohnhof


Bereits zum zweiten Mal für den DEW21 Kunstpreis nominiert ist Anja Bohnhof. Schwer-punkt ihrer Arbeiten der vergangenen Jahre sind die gesellschaftlichen Spannungen in Indien.

Eine ihrer Arbeiten dreht sich um die auch in Indien sehr beliebten Daily Soaps. Häufig handelt es sich bei den Handlungsschauplätzen der Fernsehserien um vermeintlich private Wohnräume, die als dauerhafte Kulissen im Studio aufgebaut werden. Bohnhof dokumentiert die Sets von zwei in Indien äußerst beliebten Soaps, die nach Meinung der Künstlerin das Spannungsfeld aufzeigen, in dem sich die indische Gesellschaft mit fortschreitender Globalisierung befindet: traditionell-wertkonservativ auf der einen Seite, zunehmend orientiert an Westlicher Moderne auf der anderen. Die vermeintliche Realität der Wohnräu-me löst Bohnhof in ihren Arbeiten durch die Verwendung größerer Bildausschnitte als im Film angewendet auf: Die offenen Decken, Verschattungs- und Aufhellelemente, Scheinwerfer, Stative und der eindimensionale Hintergrund lassen die Kulissenarchitektur offenkundig werden.

Marc Bühren


Die Werke des aus Gevelsberg stammenden Künstlers Marc Bühren wollen sich nicht auf einen Blick erfassen lassen, sondern zwingen den Betrachter zu einer genaueren Auseinandersetzung. „Ens reale“ – das wirkliche Wesen: Der Künstler Bühren nähert sich in seiner ersten Rauminstallation der Frage nach dem realen Sein mit einem philosophischen Bezug zur frühen Scholastik und der Verwendung moderner Gestaltungsmitteln: Eine auf wesentliche Elemente reduzierte Zeichnung eines kopflosen männlichen Akts in manueller 3D-Technik vielfach reproduziert und als multiple Zeichnung hintereinander im Raum installiert. Die verschiedenen Blickwinkel sollen dem Betrachter mehrfache Interpretationsebenen ermöglichen. Im Kern beschäftigt sich Bühren allerdings in seinem Werk mit der Frage, wie heute authentische Selbstdarstellung gelingen soll, wenn man sich dem virtuellen Wahn der sozialen Medien entzieht.

Bühren ist seit 2008 als freiberuflicher Künstler in Dortmund tätig und unterrichtet seither nicht nur in seinem eigenen Atelier, sondern auch als Dozent in verschiedenen Einrichtungen. Zuvor hat er in Wuppertal Kommunikationsdesign studiert. Seit 2014 ist er Mitglied im KulturQuartier Hörde sowie seit diesem Jahr im Vorstand des BBK Ruhrgebiet e.V., dem er seit 2015 angehört.

Lea Clara Diestelhorst


Linien reihen sich aneinander, Muster und Strukturen flankieren farbige Flächen mit unterschiedlicher Tiefenwirkung. Die von feinen Nuancen und starken Kontrasten bestimmten Gemälde von Lea Carla Diestelhorst sind so vielfältig, dass jeder Betrachter etwas anderes zu erkennen glaubt, bis es sich jeder Eindruck auch schon wieder im Abstrakten auflöst. Ihre großformatigen Bilder sollen zur freien Assoziation anregen – Diestelhorst selbst beschreibt das Erleben ihrer Bilder als permanenten Perspektivenwechsel beispielsweise zwischen Nähe und Ferne, Gefangenheit und Geborgenheit.


Nico Jarmuth


Unter dem Motto „Malen heißt sehen lernen“ stehen die Arbeiten des Dortmunder Künstlers Nico Jarmuth. Er arbeitet mit einem visuellen Vokabular, das er entweder makroskopisch auf Porträts, Landschaften oder Fotos oder aber mikroskopisch als ungegenständliches Bild anwendet. In seinen farbenstarken Gemälden geht es ihm sowohl um die innere Beschaffenheit dieses visuellen Vokabulars sowie dessen Anwendung.

Jarmuth hat sein Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf absolviert und studiert darüber hinaus Kunst und Germanistik an der TU Dortmund. Seit 2011 ist er Mitglied des Salon Ateliers in Dortmund und seit 2013 in der Künstlergruppe Neuer Graben.

Eisenhart Keimeyer


Eisenhart Keimeyer gehört seit 2013 zu den Betreibern des im Unionviertel ansässigen „Projektraums Fotografie“ und greift in vielen seiner Arbeiten die Veränderungen rund um das Quartier auf.

Mit »Den Betrieb einstellen?« hat Keimeyer seine Fotoserie betitelt, mit der er die Veränderungen im 45 Hektar großen Areal der inzwischen abgewickelten Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) im Unionviertel dokumentiert hat. Bilder, die durch den festgehaltenen Verfall atmosphärisch an eine Umbruchsphase erinnern, die damals mit politischen und sozialen Turbulenzen verbunden waren.

In vielen seiner fotografischen Arbeiten greift Keimeyer die Veränderungen im Quartier auf. Den Wandel vom Industriestandort zum kreativen Szeneviertel dokumentiert er in der Serie „Unionviertel“; in der Arbeit „Übermalung“ zeigt Keimeyer Fotografien von übermalten Tags und Grafitti, die durch diese Veränderungen eine eigene Ästhetik entwickeln.

Silke Schönfeld


Identitätsbildung, Stereotypen, Diskriminierung und die Verantwortung des Einzelnen sind die Themen der Arbeiten von Silke Schönfeld.

Ausgangspunkt ihrer Kurzfilme sind oftmals Texte aus der Pop- und Internetkultur, die sie mit Blick auf Sozialisationsprozesse betrachtet. In ihrer Arbeit „Nur wer die Arbeit kennt, der wird sie schätzen“ hat Schönfeld Anwohner des Dortmunder Unionviertels in alltägli-chen Situationen begleitet. Das Ergebnis ist ein Kurzfilm aus mehreren Kapiteln und Szenen, die sich zwischen Fiktion und Dokumentation bewegen.

Der DEW21 Kunstpreis richtet sich an Kunstschaffende, die entweder im Ruhrgebiet geboren sind, hier leben oder ihren Hochschulabschluss in der Region erworben haben. In diesem Jahr wird er von der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) zum zwölften Mal vergeben. Ziel des DEW21 Kunstpreises ist es, Künstlerinnen und Künstlern aus dem Ruhrgebiet ein Ausstellungsforum zu bieten, ihre Arbeit zu fördern und einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Auch in diesem Jahr ist der Ausstellungsort die 6. Etage des Dortmunder U. Die Vernissage der Ausstellung am 22. September ist zugleich auch der Abend der Preisverleihung. Der DEW21 Kunstpreis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. Er setzt sich zusammen aus 2.500 Euro Preisgeld und 7.500 Euro für eine Einzelausstellung mit Katalog. Besonders gefördert wird der kreative Nachwuchs: Dazu wird ein Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler bis zum Alter von einschließlich 30 Jahren vergeben, der mit 2.500 Euro ausgestattet ist. Die Ausstellung zum DEW21 Kunstpreis ist noch bis zum 22. Oktober in den Räumen des Dortmunder U zu sehen.

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