Mittwoch, 12. Juli 2017

Oper: "Beethoven's Last Night" bietet rasanten Spielzeitabschluss

Szene aus "Beethoven's Last Night"
mit Beethoven und Mephistopheles
Foto: Björn Hickmann/Stage Picture
Mit der Rockoper „Beethoven’s Last Night“ von Paul O‘Neil, einem Projekt der Jungen Oper Dortmund, den Tortugas, mit dem Märkischen Gymnasium Iserlohn, schließt das Musiktheater Dortmund in drei Vorstellungen seine Spielzeit 16/17 ab. Premiere war am Dienstagabend im Opernhaus. In einer Wiener Gewitternacht im Jahre 1827 arbeitet der Künstler (Marvin Zobel) an der Vollendung seiner 10. Sinfonie. Doch seine Lebenskraft schwindet. Da erscheint Mephistopheles und bietet ihm mehr Lebenszeit an.

Die rasante Produktion (Regie: Alexander Becker, musikalische Leitung: Stefan Scheidtweiler) setzt sich inhaltlich in zahlreichen Rückblenden mit dem Leben des Musik-Genies auseinander. Wir sehen Beethoven als Kind, das unter der Strenge des Vaters leidet, als aufstrebenden Komponisten am Piano oder in verzweifelter Liebe zu einer Adeligen (wahrscheinlich ist Gräfin Giulietta Guicciardi gemeint), die er aufgrund des Standesunterschieds nicht heiraten kann. Sogar Napoleon kommt hoch zu Ross vor. Beethoven hat ihn verehrt.

Die Musik von Chris Caffery bedient sich einiger bekannter Motive aus dem Werk Beethovens, um sie mit modernen Rockelementen zu verknüpfen.

Wegen der schmissigen Musik und der schnellen Szenenwechsel – die Motoren der Drehbühne laufen heiß – ist die 90-Minuten-Vorstellung kurzweilig. Was auffällt, ist der enorme Aufwand, den das Theater Dortmund für diese drei Vorstellungen getrieben hat. Das gilt sowohl für die prachtvollen Kostüme – besonders bei dem schönen Geist Fate, der den Künstler umweht –, als auch fürs Bühnenbild (beides Annika Haller). Auch stimmlich bieten die Darsteller einiges.

Alexander Becker hat sich zudem ein paar unterhaltsame Gags einfallen lassen: So kommt eine vorgebliche Zuschauerin zu spät – der Tai Chi-Kurs habe so lange gedauert – und lässt sich lautstark erklären, was bisher geschah. Das hat für die Zuschauer den angenehmen Nebeneffekt, dass auch sie über die Handlung ins Bild gesetzt werden, denn der Gesang ist (ohne Übertitel) in englischer Sprache und auch akustisch nicht immer ganz leicht zu verstehen. Beim Einlass laufen die Akteure bewaffnet mit Regenschirm durchs Foyer, denn wir befinden uns ja in einer Wiener Gewitternacht.

Die Iserlohner Gymnasiasten haben gleich mehrere ebenfalls sehr reichhaltig ausstaffierte Auftritte. So dürfen sie einmal direkt vor der ersten Zuschauerreihe – also noch vor der Bühne – „Freude schöner Götter Funken“ schmettern. Sicherlich vor geschätzt über 800 Zuschauern ein Erlebnis, an das sie noch länger zurückdenken werden. Insgesamt ein gelungener Spielzeitabschluss.

Andreas Schröter

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