Sonntag, 21. Mai 2017

"Gullivers Reise" in der Oper: Tolles Bühnenbild, fade Musik

Da senkt sie sich nieder: Gullivers Riesenhand
im Reich der Zwerge. Foto: Thomas Jauk/Stage Picture
Star in Gerald Reschs Familienoper „Gullivers Reise“, die am Sonntag Uraufführung im Opernhaus hatte, sind das Bühnenbild und die Kostüme (beides Tatjana Ivschina). Mit dem am Boden liegenden Riesengesicht und der übergroßen mit leuchtendem Zauberring bestückten Hand, die sich bedrohlich vom Bühnenhimmel senkt, schafft diese Inszenierung Bilder, die noch lange im Kopf vor allem der jungen Zuschauer haften bleiben dürften. 

Weniger erbaulich dagegen ist die spröde Musik. Da findet sich so rein gar nichts, an dem sich das Herz erwärmen, geschweige denn, an das man sich auch nur fünf Minuten nach Ende der Aufführung erinnern könnte.

Am Beginn steht eine wilde Schifffahrt, die sehr gelungen mittels wild hin und her schaukelnder Riesenkiste, in der sich die Akteure befinden, dargestellt wird. Seekrank wird man dabei schon vom Hinsehen. Gulliver (Joshua Whitener) überlebt den späteren Untergang des Schiffes, weil er im Besitz eines leuchtenden Zauberringes ist. Er bringt ihn an den Strand von Lilliput. Hier bedient sich Regisseur Marcelo Diaz eines Tricks, um sowohl Gulliver als auch die Lilliputaner trotz ihres eklatanten Größenunterschieds gleichzeitig zeigen zu können: Gulliver kommt auf der Bühne quasi doppelt vor: einmal als Riesen-Gesicht und -Hand aus Pappmaché, einmal in echt vor einer Miniatur-Stadtkulisse. Ob Kinder, für die diese Inszenierung in erster Linie gemacht ist, das verstehen, sei dahingestellt.

Die Handlung nimmt ihren Lauf: König (Oliver Weidinger), seine nervige Tochter Rosalia (Tamara Weimerich), die kluge Vaniliput (Almerija Delic) und der böse kriegstreiberische Admiral (Luke Stoker) haben genauso ihre Auftritte wie der Chor des Theaters Dortmund (die Frauen in lustigen Hühner-Kostümen). Ein Sonderlob gebührt Ian Sidden, der die Rollen von Besuffliput und einem Maat innerhalb von zwei Tagen einstudiert hat, nachdem Sangmin Lee bei der Generalprobe gestürzt war und mit schwerem Hexenschuss ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Dargestellt wird übrigens nur Gullivers Reise zu den Zwergen, nicht die zu den Riesen, weswegen die Inszenierung „Gullivers Reise“ heißt und nicht wie im Original von Jonathan Swift „Gullivers Reisen“. Insgesamt sicherlich nicht so überzeugend und magisch wie beispielsweise „Hänsel und Gretel“ mit seiner herrlichen Musik – um hier einmal den Vergleich mit einer anderen Familienoper zu wagen, die immer wieder so erfolgreich an der Dortmunder Oper läuft. Auch sollten die Kinder, mit denen man in dieses Stück geht, wohl doch schon mindestens zehn Jahre alt sein – und nicht acht, wie von der Oper empfohlen.

Die Philharmoniker liefern im Orchestergraben unter dem Dirigat von Ingo Martin Stadtmüller eine gewohnt souveräne Leistung ab. Das Libretto zu dieser Oper hat John von Düffel geschrieben.

www.theaterdo.de

Andreas Schröter

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