Samstag, 4. März 2017

Schauspiel im Megastore: "Trump" ist ein gelungener Beitrag zur aktuellen Diskussion

Bettina Lieder und Andreas Beck in "Trump"
Foto: Hupfeld
Das Schauspiel Dortmund setzt weiter auf politische Aktualität – und das finde ich ganz hervorragend. Nach „Die Schwarze Flotte“ und „Furcht und Hoffnung in Deutschland“ ist „Trump“ nun schon das dritte Stück in dieser Spielzeit, das die Geschehnisse im Hier und Jetzt aufgreift. Damit positioniert sich das Schauspiel als wichtiger Bestandteil in der politischen Diskussion nicht nur in Dortmund und ist ganz weit weg von irgendwelchen Elfenbeinturm-Vorwürfen. Staub hatte hier noch gar keine Zeit, sich abzusetzen. Das ist topaktuelles Theater unserer Zeit, bei dem sich die Frage so vieler anderer Produktionen nach ihrer Relevanz für die Gegenwart schlicht erübrigt: Das ist die Gegenwart.

„Trump“ von Mike Daisey hatte am Freitag unter der Regie von Marcus Lobbes Premiere im Megastore in Hörde. Es war sogar eine deutsche Erstaufführung. Die Zuschauer, die beim Einlass ein kleines Namensschildchen erhalten haben, kommen in einen mit Stehtischen bestückten Raum, der mit allerlei amerikanischen Fähnchen, Tischlichtern und Girlanden so geschmückt ist, als sollte hier gleich eine Wahl-Party stattfinden. Es gibt Salzstangen, und an einem Imbiss-Stand darf man sich mit Getränken und Hot Dogs eindecken. Die beiden Schauspieler Bettina Lieder und Andreas Beck begrüßen ihre (Party-)Gäste mit Handschlag und beginnen, über den amerikanischen Präsidenten zu reden.

Im Vordergrund steht dabei Trumps Werdegang in den vergangenen Jahrzehnten: Es geht um den skrupellosen Anwalt Roy Cohn, der Trump zu dem machte, was er heute ist. Es geht um Trumps Vater Fred, der Schwarze hasste, die Nägel für seine handwerklich stümperhaften Bauwerke zweimal benutzte und wenig Neigung verspürte, die Menschen, die für ihn arbeiteten, zu bezahlen. Eine der Zuschauerinnen wird in dieser Szene unfreiwillig eine von Trump Senior – in diesem Fall Andreas Beck – niedergemachte Arbeitskraft. Und es geht um das wirklich existierende und unfassbar schlechte Trump-Game, eine Art Monopoly. Wenn man ein T für Trump würfelt, darf man sich von den Mitspielern alles kostenlos nehmen. Natürlich kommt die überaus erfolgreiche Reality-Show „The Apprentice“ vor, in der Trump wie ein Buddha in einem Sessel sitzt und „You’re fired“ schreit. Das alles ist nicht wirklich neu, aber dass hier Neuigkeiten über einen medial derart präsenten Menschen wie Donald Trump verbreitet würden, durfte man von diesem Abend wohl auch nicht erwarten.

Ab etwa der Mitte der Aufführung beginnen die gewohnt souveränen Bettina Lieder und Andreas Beck damit, den Raum aufzuräumen. Die Salzstangen verschwinden genauso wie der Imbiss-Stand, die Fahnen und Girlanden. Sogar der Teppich wird eingerollt. Am Ende stehen Zuschauer und Schauspieler in einem vollkommen kahlen, trostlosen und mit Neonlicht beschienenen Raum. Fast wirkt das so, als wäre man soeben Zeuge geworden, wie sich die USA – und alles was sie ausmacht – selbst abgeschafft hat. Ein gutes Stück, für das man sich Karten besorgen sollte, wenn es einem nichts ausmacht, eineinhalb Stunden zu stehen.

Andreas Schröter

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