Montag, 27. März 2017

Oper: Emily Newton und Sangmin Lee überzeugen bei Otello

Emily Newton und Lance Ryan in "Otello".
Foto: Thomas Jauk / Stage Picture
Standing Ovations gab‘s am Ende der Otello-Premiere (Regie Jens-Daniel Herzog) am Sonntag im nahezu ausverkauften Opernhaus. Mit einer stringenten Inszenierung, die sich ganz auf die gesanglichen und schauspielerischen Qualitäten ihrer Sänger sowie die Dramatik dieser Geschichte verlässt, hatten die Akteure die Opern-Fans begeistert.

Die ganz in Weiß gehaltene Bühne (Mathis Neidhardt) ist ein Guckkasten, wie man ihn sonst nur vom Schauspiel kennt. Es gibt einen Tisch und ein paar Stühle, und das war‘s schon fast. Bewegliche Raumteiler verwandeln die Bühne später in eine Wohnung mit mehreren Zimmern.

Besonders (einmal mehr) Desdemona-Darstellerin Emily Newton und ein herrlich diabolischer Sangmin Lee zeigen sich der Herausforderung bestens gewachsen und überzeugen stimmlich und darstellerisch auf der ganzen Linie. Tenor Lance Ryan als Otello fällt gegenüber der künstlerischen Wucht und Bühnenpräsenz der beiden Vorgenannten etwas ab.

Besonders beeindruckend sind der Anfang und der Schluss dieser Inszenierung. Zu Beginn, als Admiral Otello nach Zypern kommt, steht der Opernchor seitlich zum Publikum in den Aufgängen, was für einen fulminanten Stereo-Sound sorgt. Otello zerlegt einen überdimensionierten Wolf als Sinnbild für die Türken, die er soeben besiegt hat, und zugleich als Hinweis auf seinen aggressiven und schon fast psychopathischen Charakter. Fortan agiert er folgerichtig mit blutüberströmten Händen und Gesicht – ein früher und steter Verweis auf das, was am Ende unweigerlich kommt. Der Wolfskopf hängt während des ganzen Abends düster drohend an der Wand.

Und am hochdramatischen Ende gelingt es allen drei Hauptdarstellern, das Publikum mit intensivem Spiel in ihren Bann zu ziehen.

Im Orchestergraben wirken die Dortmunder Philharmoniker unter dem Dirigat von GMD Gabriel Feltz gewohnt souverän und setzen Verdis teils dramatische Musik akzentuiert um.

„Otello“, das bei Verdi im Gegensatz zum Shakespearschen Original tatsächlich ohne h geschrieben wird, ist ein großer Opernabend, den sich die Liebhaber dieses Genres nicht entgehen lassen sollten.

Weiter wirken mit:

Cassio: Marc Horus
Rodrigo: Fritz Steinbacher
Ludovico: Karl-Heinz Lehner
Montano: Luke Stoker
Desdemona: Emily Newton
Emilia: Almerija Delic
Herold: Youngbin Park


Andreas Schröter

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