Freitag, 17. März 2017

Kinder- und Jugendtheater: "Strafraumszenen" setzt sich kritisch mit dem Fußball auseinander

Szene aus "Strafraumszenen".
Foto: Theater Dortmund
Auf sehr kritische Weise setzt sich ein neues Theaterstück unter dem Titel „Strafraumszenen“ mit Borussia Dortmund und der Fanszene auseinander. Uraufführung war am Donnerstag im Kinder- und Jugendtheater (KJT) an der Sckellstraße. Das Stück, das für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen ist, stammt aus der Feder von Jörg Menke-Peitzmeyer im Auftrag des KJT. Regie führte KJT-Chef Andreas Gruhn.

Auf der Bühne, die ein kleines Fußballfeld mit Toren und (Kunst-)Rasen ist (Bühne und Kostüme: Sandra Linde), arten die Gesänge der Fans zu Beginn des Stücks schnell in etwas aus, das in den vergangenen Jahren – nicht nur in Dortmund – immer wieder für Entsetzen gesorgt hat: die Liedzeile nach der Melodie eines bekannten Lummerland-Songs „Eine U-Bahn, eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir, von Gelsenkirchen bis nach Auschwitz, eine U-Bahn bauen wir.“ Ab dieser (Schock-) Stelle wenige Minuten nach Beginn haben die Zuschauer spätestens begriffen, dass der Abend alles andere als ein fröhlicher Fußballabend werden wird.
Im Gegenteil: Collagenartig geht‘s weiter mit gewaltbereiten Ultras oder – sehr breit angelegt – den Neonazis und ihren Verflechtungen zum Fußball.

Auch die Spieler, die vermeintlich nur ans Geld denken und angeblich schwerst homophob sind, bekommen ihr Fett weg. Ist beispielsweise die viel propagierte „Echte Liebe“ nicht arg einseitig? Wenn ein Aubameyang, so wird gemutmaßt, zu einem anderen Verein wechselt, erinnert er sich schon wenige Wochen später nicht mehr auch nur an einen einzigen BVB-Fan.
Ebenfalls sehr breiten Raum nimmt eine Szene ein, die sich auf den in Dortmund – beziehungsweise in seinem damaligen Wohnort Unna – so unglücklichen ehemaligen BVB-Spieler Ciro Immobile bezieht.

Man kann an dieser Inszenierung einiges kritisieren: Sie setzt viel BVB-Insiderwissen voraus. Wer die Details zum Beispiel um Immobile nicht kennt, wird einige Szenen schlicht nicht verstehen.

Der Abend malt ein arg düsteres Bild um den Profifußball, verkennt dabei aber komplett die positiven Aspekte wie den (unschuldigen) Freizeit-Unterhaltungswert, den er für viele nette Menschen hat. Und die denken mit Sicherheit nicht ununterbrochen an Schlägereien oder Nazi-Gedankengut.

Auch unterstellt das Stück einigen Spielern Dinge, von denen ich nicht sicher bin, ob sie einem Abgleich mit den tatsächlichen Gegebenheiten standhalten würden. Das ist zumindest etwas heikel.

Andererseits kann man dem Kinder- und Jugendtheater auch positiv eine gehörige Portion Mut attestieren, sich in einer derart fußballverrückten Stadt so kritisch mit dem Profifußball und dem BVB auseinanderzusetzen. Und einige Aspekte des Abends treffen sicherlich auch ins Schwarze.

Etwas verwunderlich ist dann aber doch, dass die Zuschauer sich am Ende beim Schlussapplaus nicht genieren, lauthals die Fußball-Hymne „You‘ll never walk alone“ mitzusingen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon lange einen dicken Kloß im Hals, der mich am Mitsingen gehindert hat.

Mitwirkende an dieser Produktion sind Bianka Lammert, Talisa Lara, Johanna Weißert, Philip Pelzer, Thorsten Schmidt und Jubril Sulaimon.

www.theaterdo.de

Andreas Schröter

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