Sonntag, 26. Februar 2017

Ballett: "Kontraste" zeigt Weiterentwicklungen des Tanzes

Szene aus Unitxt
Wow, was für ein beeindruckender Ballettabend! Tanzfans, die nach Schwanensee, Carmen und Nussknacker bereit sind, sich für die Weiterentwicklung des Genres zu öffnen, müssen einen Besuch der Produktion „Kontraste“ im Opernhaus einplanen, die Samstag Premiere hatte. Sie besteht aus drei Teilen und zeigt sehr unterschiedliche Arbeiten von Richard Siegal, Johan Inger und Edward Clug.

Richard Siegal steckt in „Unitxt“ die Tänzer in Jeans und T-Shirts und lässt sie auf leerer Bühne und vor einem größtenteils in Schwarz-Weiß-Grau-Schattierungen gehaltenen Hintergrund zu den harten Techno-Klängen von Carsten Nicolai tanzen. Man fühlt sich mal in eine düstere Underground-Disko nachts um halb drei
versetzt, mal in eine Gang-Situation auf offener Straße, bei der nur noch die wärmende brennende Mülltonne fehlt. Von dieser Choreographie geht enorm viel Power aus, und sie strömt direkt von der Bühne ins Publikum. Tänzerisch mixt Siegal verschiedene Stile – von klassisch bis hin zu Bewegungen, wie man sie eher aus Afrika kennt.

Der zweite Teil – „Rain Dogs“ von Johan Inger – setzt zur mitreißenden Musik von Tom Waits vor allem auf Humor. In einer Szene traut sich Inger, einen Plüsch-Pudel gefühlt mehrere Minuten lang allein auf der Bühne stehen und von mehreren Spots anstrahlen zu lassen. Es tanzt – niemand. Witzig! Es ist der
Szene aus "Rain Dogs"
titelgebende Hund, der im Regen seine Spur verliert und sich verirrt. Mit den Accessoires Radiorekorder und Musikschrank im Bühnenhintergrund verströmt diese Produktion einen leicht nostalgischen Retro-Charme. Die Tanz-Bewegungen haben hier nur noch wenig mit klassischem Ballett zu tun. Es sind ins Groteske überzogene Bewegungen aus dem (Beziehungs-) Alltag der Menschen.

Ganz anders Choreographie Nummer drei – „Hora“ heißt sie – von Edward Clug, die zur ruhigen Musik vom Balanescu Ensemble fast meditativ daherkommt. Sie beginnt mit Kreistänzen, bei denen es für die Tänzer vor allem darauf ankommt, die Bewegungen gleichzeitig auszuführen. Auf diese Weise entsteht ein sich ständig
Szene aus "Hora"
verändernder Gesamtkörper. Später dominiert ein Element die Bühne, das man vielleicht als die Hälfte einer liegenden Acht beschreiben könnte. Die Tänzer benutzen es mal als Rutsche, mal als erhöhten Sitzplatz. Am Ende drehen sie dieses Element um sich selbst. Für die Zuschauer verstärkt sich dadurch der meditative Charakter dieser Produktion.

Dass die Tänzer in allen drei Produktionen auf höchstem tänzerischen Niveau agieren, braucht fast nicht gesagt zu werden. Das ist normal in der Dortmunder Ballett-Compagnie.

Andreas Schröter

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