Mittwoch, 11. Januar 2017

4. Philharmonisches Konzert: Oboist Albrecht Mayer verzaubert das Konzerthaus

Albrecht Mayer. Foto: Ralph Mecke
Solist Albrecht Mayer (Oboe) war Star des 4. Philharmonischen Konzerts am Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus. Wunderbar gefühlvoll spielte er das Oboenkonzert Nr. 1 von Frigyes Hidas aus dem Jahre 1951. Es könne sein, sagte er im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ mit Orchestermanager Michael Dühn, dass dieses Werk nun erstmals seit den 50er-Jahren in Europa zu hören sei.

Sogar er selbst – obwohl Oboist – habe es lange nicht gekannt. Erst bei einem Konzert in Peking sei er darauf aufmerksam gemacht worden. Es sei ein Werk, dass genauso Bezüge zur Romantik wie zu modernerer Musik oder sogar zur Filmmusik der 50er-Jahre habe. Stimmt! In einigen Sequenzen konnte man sich hervorragend zum Beispiel Stewart Granger und Katherine Hepburn in einem Schmachtfetzen vorstellen, für den man viele Taschentücher braucht. Herrlich!

Mayer lobte das Konzerthaus über alle Maßen. Es sei eines der schönsten Häuser in Europa. Auch gegenüber der neuen Elbphilharmonie müsse es sich nicht verstecken. Die Bühne verließ er erst nach zwei Zugaben von Johann Sebastian Bach.

Bei diesem Konzert, das unter dem Motto „heimat_klänge“ einen ungarischen Schwerpunkt hatte, war aber nicht nur der Solist gut drauf – auch das Orchester zeigte sich in hervorragender Verfassung. Unter dem Dirigat des sympathischen Amerikaners John Axelrod spielten die Philharmoniker extrem akzentuiert und präzise. Die Dortmunder seien das 161. Orchester, mit dem er zusammenarbeite, sagte Axelrod im Vorgespräch. Wichtig für den Beruf des Dirigenten sei ein Interesse an Menschen, so Axelrod weiter, nicht nur an der Musik. Und so laufe die Arbeit mit einem neuen Orchester im Prinzip genauso ab wie das Kennenlernen eines fremden Menschen. Man brauche drei oder vier Minuten zum Abtasten, danach laufe es immer besser. Für das ungarische Konzert in Dortmund, bei dem ein Wechsel aus schnellen und langsamen Passagen bezeichnend war, sei es wichtig, eine gute Balance zwischen technischer Sicherheit und Emotionalität zu finden. Ein Drahtseilakt, der am Dienstag gelang.

Neben dem bereits erwähnten unbekannten Hidas-Werk standen Zoltan Kodálys „Tänze aus Galanta“ mit vielen Einflüssen aus der Musik der Sinti und Roma, Franz Liszts berühmte und viel karikierte 2. Ungarische Rhapsodie sowie Béla Bártoks Konzert für Orchester SZ 116 auf dem Programm. Interessant: Letzteres weist ein Zitat von Schostakowitsch auf – eine Musikstelle, die der allerdings ebenfalls aus einer anderen Musik entnommen hatte: Lehars „Heut geh ich ins Maxim“.

Insgesamt ein abwechslungsreiches, interessantes und gelungenes Konzert.

Andreas Schröter

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