Freitag, 18. November 2016

Das Schulmuseum künstlerisch betrachtet: Bilder, Skulpturen und Rauminstallationen von Jürgen Mans

Bilder, Skulpturen und Rauminstallationen
von Jürgen Mans sind im Schulmuseum zu sehen
Bild: Karlheinz Steinmann
Was geschieht, wenn die Präsentation historischer Themen im Westfälischen Schulmuseum Dortmund auf zeitgenössische Kunst trifft? Wenn die Objektivität kulturgeschichtlicher Vermittlung plötzlich auf die Subjektivität eines Künstlers trifft? Davon können sich Besucherinnen und Besucher bis 29. Januar 2017 ein Bild machen: In der Ausstellung „Das Schulmuseum – künstlerisch betrachtet“ integriert der Künstler Jürgen Mans seine Bilder, Skulpturen und Rauminstallationen in die Dauerausstellung des Schulmuseums zur Schul- und Kindheitsgeschichte des späten Mittelalters, der Zeit Kaiser Wilhelms II. und der NS-Zeit.

Je nach Raum ergibt sich eine ergänzende, illustrierende oder auch kommentierende Wirkung – auf jeden Fall aber eine neue Seh-Weise auf das Bestehende. In der Ausstellung zur Schule im Ersten Weltkrieg im Erdgeschoss des Museums hat Jürgen Mans eine 2 Meter große Stahlkonstruktion mit einem Wassertrichter installiert. Wasser tropft auf eine heiße Eisenplatte, um dort mit einem kleinen Geräusch zu verdampfen – ein Sinnbild für Vergänglichkeit, vielleicht eine Mahnung.

Ausgestellte Anzeigen aus einem Amtlichen Schulblatt, in denen der „Heldentod“ gefallener Lehrer bekannt gemacht wurde, kommentiert der Künstler mit dem künstlerisch bearbeiteten Panoramafoto eines Schlachtfelds.

In der ersten Etage geht es um Kindheit und Schule im Mittelalter. Zwischen den ausgestellten historischen Spielzeugen können Besucherinnen und Besucher nun mehrere Skulpturen entdecken, die eine heitere, dadaistisch kommentierende Wirkung entfalten. Eine Wand mit Fotos von Karlheinz Steinmann dokumentiert das Ausstellungsprojekt im Schulmuseum und macht regt dazu an, die abgebildeten Exponate und die gewählten Blickwinkel beim Rundgang durchs Museum wiederzufinden.

Im Herzstück des Museums, dem alten Klassenzimmer aus der Kaiserzeit ist gegenüber der Schultafel eine Kunsttafel an der Wand platziert: ein Stahlrahmen, bespannt mit Pergamentpapier und bestückt mit einigen Fragmenten, die auf Kunst verweisen - z.B. ein Stück Goldrahmen. Das Pergamentpapier verdeckt teilweise das historische Großfoto einer alten Martener Schule und wird so zu einem Hinweis auf das Vergehen im „Nebel der Geschichte“. Zwei sitzende Hochskulpturen auf der Fensterbank bilden einen heiteren Kommentar zum strengen Sitzen in den alten Schulbänken.

Vor dem Raum zur Mädchenbildung um 1900 reihen sich auf Sockeln an der Wand abstrakte figürliche Frauen- und Mädchenskulpturen. Auch in den folgenden Bereichen – zur Schule in der Weimarer Republik und im NS-Staat – werden jeweils ausgewählte Bilder und Skulpturen mit dem Ausgestellten konfrontiert. Im Fall des Nationalsozialismus versucht die darstellende moderne Kunst – von den Nazis als „entartet“ verboten – nun ihrerseits den Nazismus als eine Entartung vorzuführen.

Der Dortmunder Jürgen Mans (Jahrgang 1959) studierte an der Fachhochschule Dortmund. Er stellte in Kirchen, Galerien und auf Messen aus.

Weitere Infos: www.juergen-mans.de

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr zu sehen. Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro, ermäßigt 1,25 Euro, bis 18 Jahre frei.

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