Mittwoch, 9. November 2016

3. Philharmonisches Konzert mit Weltklasse-Pianist und einem alten Bekannten

Dirk Kaftan. Foto: Irene Zandel
Er habe seit zehn Jahren keinen Fuß mehr in diese Stadt gesetzt, sagte der Dirigent des 3. Philharmonischen Konzertes, Dirk Kaftan, im Einführungsgespräch „Wir stimmen ein“ mit Orchestermanager Michael Dühn. Was im ersten Moment negativ klang, war offenbar anders gemeint. Kaftan, der früher 1. Kapellmeister in Dortmund war, führte weiter aus, dass er sich freue, in den Pommesbuden der Stadt noch dieselben Bedienungen vorzufinden wie damals – und natürlich, dass er viele nette Musiker wiedergetroffen habe, die auch vor zehn Jahren schon zu den Philharmonikern gehört hatten.



Sein Konzert, das mit „märchen_reigen“ überschrieben war, begann mit dem „Prélude auf den Nachmittag eines Fauns“ von Debussy, ein zehnminütiges Stück Musik von 1894, das auf ein Gedicht von Stéphane Mallarmé zurückgeht, das damals als hocherotisch empfunden wurde. Mein Eindruck war, dass das Orchester zumindest beim Konzert am Dienstag mit diesem Stück noch nicht ganz die (Hoch-)Form erreichte, die es bei den anderen beiden Werken des Abends zeigte. Manche Stellen klangen etwas verwaschen.

Das änderte sich spätestens beim wunderschönen Klavierkonzert „Für die linke Hand“ von Maurice Ravel von 1931. Ravel hatte es damals für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein komponiert. Unglaublich, welche Klangfülle der Solist des Abends, der Pianist Alexandre Tharaud, mit nur einer Hand aus dem Flügel zauberte. Die Zusammenarbeit mit Tharaud habe von Anfang an hervorragend geklappt, sagte Kaftan im Vorgespräch, obwohl sich beide zuvor nicht gekannt hatten. Man hörte es. Tharaud bewies großes Gespür für Rhythmus und Timing in der abwechslungsreichen und teilweise Richtung Jazz tendierenden Ravel-Musik. Folge: Die Zuhörer im nahezu ausverkauften Konzerthaus entließen Tharaud nicht ohne Zugabe. Er spielte – ebenfalls nur mit der linken Hand – ein Prélude von Alexander Nikolajewitsch Skrjabin.

Höhepunkt des Abends aber war die gesamte Ballettmusik des Feuervogels von Strawinsky (1910), die auf zwei russische Märchen zurückgeht. Hier liefen Kaftan und die sehr opulent besetzten Dortmunder Philharmoniker zu ganz großer Form auf und wurden mit Standing Ovations belohnt. Besonderheit: Kaftan, der alle drei Werke des Abends zum ersten Mal dirigierte, positionierte vier Wagnertuben und andere Instrumente wie Trompeten verteilt im gesamten Konzerthaus. Das schuf Raumklang (Wobei: Alles ist relativ: Bei der Uraufführung waren sogar Pferde auf der Bühne – etwas, womit die Philharmoniker nun nicht dienen konnten).

Kaftan vertrat im Vorgespräch die Meinung, man brauche kein Ballett, um diese temporeiche, abwechslungsreiche Musik genießen zu können, so viel passiere da und so gut sei auch die Handlung nachzuvollziehen, in der neben dem Feuervogel ein böser Zauberer und 13 verzauberte Prinzessinen vorkommen. Das mag zwar denn doch nicht so ganz stimmen, aber ein Genuss war‘s in jedem Fall.

Andreas Schröter

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