Montag, 17. Oktober 2016

Theater im depot zeigt "Zeit der Kannibalen"

Szene aus "Zeit der Kannibalen"
"Zeit der Kannibalen", eine Produktion des Glassbooth-Theaters, ist am Samstag (22.10.), 20 Uhr, im Theater im depot zu sehen.

Zeit der Kannibalen, basierend auf dem gleichnamigen Film von 2014 mit Devid Striesow, konfrontiert sein Publikum auf schonungslose Art und Weise mit den eiskalten Strukturen ökonomischer Dog-Eat-Dog Mentalitäten. Im Zentrum der Handlung stehen drei Unternehmensberater, deren Schwächen, Ängste, Hoffnungen und Ideale ein Spiegelbild unserer Gesellschaft darstellen.


Frank Öllers und Kai Niederländer sind Unternehmensberater. Aus Luxushotels in Drittwelt- und Schwellenländern heraus wickeln sie Produktionsstandorte ab und verpflanzen sie an lukrativere Orte. Sie hantieren im Auftrag ihrer Kunden mit Milliardenbudgets und machen in 10-minütigen Meetings Abertausende arbeits- und existenzlos - und das alles, ohne die ewig gleichen Konferenzräume in den ewig gleichen Hotels je zu verlassen. Da Draußen ist schließlich sowieso nur Gefahr - Smog, Müll, Armut, gelegentliche Terroranschläge und Erschießungskommandos. Für Öllers und Niederländer aber zählen nur die Zahlen. Und der gewisse, dem Kunden gut verkäufliche, Abenteuergeist. So begegnen sie ihren Businesspartnern mit sandgestrahltem Haifischlächeln und gnadenlosem Sarkasmus, denn sie wissen, dass das, was sie tun, "nicht schön" ist. Aber einer muss es ja machen. In ihrem mit mathematischer Präzision ablaufenden Arbeitsalltag - Telefonate mit der Travel Agency und dem Back Office, Continental Breakfast, Meeting, Flieger, Rollkoffer-Rollen über dezent sounddesignte Hotelflure, Massage - haben beide so ihre Neurosen entwickelt. Aber dann brechen beiden die beruflichen Gewissheiten und ihr mit dem Herrscherhabitus des männlichen Alphatiers ausgelebtes Selbstverständnis Stück für Stück weg. Bianca März, eine junge, ehrgeizige Frau, die das Spiel mit den beiden "Affen", wie sie selbst sagt, recht souverän beherrscht kommt ins Spiel. Und die hat noch ein Ass im Ärmel, mit dem sie die beiden in ihren Karriereplänen schon leicht Düpierten strategisch gegeneinander ausspielt. Alle drei haben ihre Abgründe, ihre Empfindsamkeiten, ihre Vergangenheiten und ihre ursprünglich idealistischen Motive zwischen NGO, Krötensammeln und Grünen-Mitgliedschaft. Alle tun das, was sie tun, weil sie "etwas tun" wollten. Doch die grenzenlose Gier der Raubtierkapitalisten findet ein unvorhersehbares Ende.

In einer Zeit in der steigender Zynismus emotionale Wärme zunehmend verdrängt, ist smart das neue sexy und nett die kleine Schwester von scheiße. Dies gilt und galt schon seit eh her ebenso für Wirtschaft. Doch wie passt ein solcher Trend in ein und dieselbe Epoche, die sich auch durch rekordverdächtige Teilnehmerzahlen bei Events und Bewegungen wie Occupy oder Earth Day auszeichnet. Quasi parallel werden neue Flüchtlingsheime und neue Grenzzäune aus dem Boden gehauen. Kann der moderne Mensch wirklich derart gespalten sein? Oder sind letztendlich alle diese Bestrebungen einfache Heuchelei? Dies und andere Themen werden in Zeit der Kannibalen tiefgehend behandelt, wenn das Publikum sich mit drei Unternehmensberatern auf die Reise von Entwicklungsland zu Entwicklungsland macht. Hierbei finden sich die Zuschauer in einer Prämisse wieder, in der sie sich so leicht nichtorientieren können. Zu leicht ist es, die über Leichen gehenden „Heuschrecken" als düstere Erzfeinde abzustempeln. Zeit der Kannibalen geht einen anderen Weg und kontrastiert die üblen Praktiken der Businessleute mit ihren Sorgen und Träumen – in diesen Momenten ist die Menschlichkeit und unsere Sympathie für die Protagonisten groß. Oder ist doch wieder alles Heuchelei?

Trailer: Zeit der Kannibalen

Vorstellung:
SA 22.10.2016 um 20 Uhr
Eintritt: VVK 14 € / 8 € erm.
AK 16 € / 10 € erm.
Ort: Theater im Depot
Regie: Julie Stearns
Produktionsleitung: Alexandra Schlösser
Mit: Jens Dornheim, Dietmar Meinel, Alexandra Schlösser
Assistenz: Lisa Merle Gier, Michael Skodda
www.glassbooth.de

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