Samstag, 22. Oktober 2016

Schauspiel: "Das Interview" setzt auf schauspielerisches Können

Szene aus "Das Interview" mit Merle Wasmuth
und Carlos Lobo. Foto: Hupfeld
Teil eins der Schauspiel-Doppelpremiere am Freitag im Megastore war „Das Interview“ als erste Regiearbeit von Maximilian Lindemann, der als Regieassistent am Schauspiel Dortmund tätig ist. Theodor Holman hat das Bühnenstück nach dem Film von Theo van Gogh geschrieben.

Weil in der Redaktion eine Krankheitswelle ausgebrochen ist, muss der profilierte Politik-Redakteur Pierre (Carlos Lobo) das Filmsternchen Katja (Merle Wasmuth) interviewen.

Der erste Versuch eines Gesprächs geht schief. Die beiden können sich nicht ausstehen. Pierre fühlt sich fehl am Platz, und Katja mag es nicht, dass der Journalist sich offenbar schlecht vorbereitet hat und sie überhaupt nicht kennt. Pierre hat schon seine Sachen gepackt und ist auf dem Weg zur Tür, als es doch noch zu einem zweiten Versuch kommt. Was folgt, ist eine Schlacht aus Annäherung und Ablehnung, aus (Selbst-)betrug, den Gegensätzen von Schein und Sein – und am Ende zu zwei bitteren Geständnissen.

Diese Produktion verzichtet sowohl auf ein bombastisches Bühnenbild (es gibt nur zwei Sessel, eine Liege und einen Glitzervorhang), als auch auf sonstige Ausschmückungen. Sie setzt ganz auf die schauspielerischen Stärken der beiden Akteure und bringt sie damit voll zur Geltung. Und was die erst jüngst mit dem Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler ausgezeichnete Merle Wasmuth sowie Carlos Lobo in dieser Hinsicht zu bieten haben, ist nicht erst seit diesem Stück bekannt. Es ist einmal mehr beeindruckend, wie sich die beiden kopfüber und ohne Scheu vor Körperkontakt jeglicher Art in ihre Rollen stürzen. Auf diese Weise entstehen intensive 70 Minuten, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen – und das, obwohl die eigentliche Stückvorlage vielleicht gar nicht zu den allerstärksten gehört. Die Erkenntnis, dass Schein und Sein nicht immer übereinstimmen, kommt schließlich nicht gänzlich überraschend.

Dennoch: Reingehen lohnt wegen der tollen Schauspieler-Leistung in jedem Fall.

Andreas Schröter

www.theaterdo.de

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