Donnerstag, 6. Oktober 2016

Amtshaus Lütgendortmund ist Denkmal des Monats im Oktober

Amtshaus Lütgendortmund
Bild: Bruno Wittke, Denkmalbehörde, Stadt Dortmund
Im Oktober starten in Lütgendortmund die Vorbereitungen für den Martinsmarkt. Und wenn dann St. Martin am 6. November hoch zu Ross seinen Mantel teilt, wird er dies vor der Bezirksverwaltungsstelle Lütgendortmund tun.

Nach fast zweijähriger Sanierung, die von der Städtischen Immobilienwirtschaft und der Denkmalbehörde intensiv begleitet wurde, ist das Gebäude in der Limbecker Straße wieder ein geschätzter Anblick bei den Einwohnern.

Gleichzeitig ist dies ein Anlass für die Denkmalbehörde, das so genannte Amtshaus Lütgendortmund als Denkmal des Monats Oktober 2016 vorzustellen.

Gebietsreform und neue Aufgaben

Als die Lütgendortmunder vor 121 Jahren ihr neues Amtshaus einweihten, waren sie mit Recht stolz auf das neue Gebäude. Erst 1886 war das Amt Lütgendortmund in neuer Form mit den Gemeinden Lütgendortmund, Bövinghausen, Dellwig, Kirchlinde, Kley, Oespel und Westrich gegründet worden. Das zunächst für die Geschäfte des neuen Amtes genutzte Gemeindehaus in Lütgendortmund war schnell zu klein, zumal sich – bedingt durch die Industrialisierung – die Bevölkerungszahl innerhalb eines Jahrzehnts von rund 10 000 auf 17 000 Einwohner fast verdoppelte. 1893 beauftragte deshalb die Amtsverwaltung die Architekten Schmidtmann und Klemp, ein neues Amtshaus zu entwerfen, das 1895 bezogen werden konnte.

Solide und modern

Das aus Backstein solide errichtete Gebäude wirkt auf uns heute in seiner äußeren Erscheinung modern, wenn man es mit anderen Rat- und Amtshäusern aus der Wilhelminischen Zeit vergleicht. Zwar muss der Besucher auch hier eine große Treppe zum Haupteingang hinaufsteigen, die Architekten verzichteten aber auf bombastische Bauzier. Sie orientierten sich an der 1892 in neoromanischen Formen ebenfalls in Backstein erbauten katholischen Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft und statteten das Amtshaus mit gefassten Rundbogenfenstern und wenigen Zierfriesen aus. So ergab sich schon damals ein städtebaulich interessantes Ensemble am Lütgendortmunder Marktplatz.

Veränderte Aufgaben – veränderter Raumbedarf

Gebaut war das Amtshaus zunächst auf Vorrat. Deshalb diente zunächst nur das Erdgeschoss den Amtsgeschäften. Ober- und Dachgeschoss wurden als Wohnungen genutzt. Rund zehn Jahre später hatte die Verwaltung das Haus von oben bis unten – von der Aktenkammer im Dachgeschoss bis zu den Arrestzellen der Polizei im Keller – komplett belegt. Nur der Amtsdiener behielt seine Wohnung unter dem Dach. Mit der Eingemeindung nach Dortmund 1928 wurde das Gebäude Sitz der Bezirksverwaltung, die nur noch einen Teil der bisherigen Aufgaben übernehmen musste. Vorübergehend war der Bedarf an Büroräumen deshalb geringer. In den letzten Jahren hätte man mehr Platz gebraucht, aber die baulichen Mängel ließen dies nicht zu. Vor allem das Dachgeschoss musste ungenutzt bleiben.

Das ganze Haus ist schief

Der Besucher bemerkt es zunächst gar nicht, aber durch Bergbausenkungen ist das Amtshaus in eine leichte Schieflage geraten. Besonders neue Mitarbeiter sind davon irritiert – etwa wenn die Bleistifte ungewollt über den Schreibtisch rollen. Störender waren laut Birgit Durrei, Leiterin der Bezirksverwaltungsstelle, andere Dinge: „Am Montag empfing einen immer ein muffiger feuchter Geruch, an den man sich im Laufe der Woche gewöhnte.“ Schuld daran waren neben dem schadhaften Dach vor allem die in den 1970er Jahren eingebauten Kunststoff-Fenster, die inzwischen so undicht waren, dass Mitarbeiter bei Starkregen mit Handtüchern vor den Fenstern standen, um die Regenfluten aufzuhalten. Hinderlich war auch, dass bei größeren Veranstaltungen das Obergeschoss nicht genutzt werden durfte. Im Notfall hätte die Feuerwehr keine Möglichkeit gehabt, an das Gebäude anzuleitern.

Brandschutz und Barrierefreiheit

Durch das Sanierungskonzept konnte Abhilfe geschaffen werden. Ein als moderner Zusatz leicht erkennbarer filigraner Metallturm an der Nordseite enthält nun eine Fluchttreppe, über die man sich aus den oberen Geschossen notfalls in Sicherheit bringen kann. Im ersten Stock führt der Fluchtweg durch das Trauzimmer. Dort wurde ein ehemals vermauertes Fenster wieder geöffnet und bis zum Boden erweitert. Erfreulicher Nebeneffekt: Das Trauzimmer wirkt bedeutend freundlicher und heller als vorher. „Wir haben jetzt viel mehr Trauungen als früher. Nächsten Freitag haben wir Hochbetrieb, wir erwarten fünf Paare. Es ist schön, dass sich wieder mehr Lütgendortmunder hier trauen lassen. Durch die barrierefreie Einrichtung, auf die wir ganz stolz sind, kann nun auch die gehbehinderte Großmutter mit zur Trauung kommen“, sagt Birgit Durrei. Gewöhnen müssen sich einige Besucher allerdings noch daran, dass sie den Nordeingang mit einer Rampe und selbstöffnender Tür benutzen müssen, um ohne Hindernisse zum neuen Aufzug zu gelangen, der alle Stockwerke miteinander verbindet.
Neues Zuhause

Insgesamt hat die Sanierung dem Amtshaus, wie es noch immer bei den Bürgern heißt, gut getan. Auch die Mitarbeiter sind zufrieden, vor allem mit den neuen Toiletten und den endlich dichten Fenstern, diesmal nach Beratung durch die Denkmalpflege wieder aus Holz und zweiflügelig mit Oberlicht, wie schon zur Erbauungszeit. Skeptisch war man erst gegenüber der denkmalgerechte Farbgebung der Flure mit dunkelgrünem Sockel. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt – wie auch an die in Holz nachgebauten Türen mit Maserung in Ölmalerei (siehe Denkmal des Monats März 2016). Der Ersatz der zwischenzeitlich eingebauten blickdichten Feuerschutzbarrieren durch Glastüren gibt den Fluren ihre Großzügigkeit zurück. Besonders ein Team von Mitarbeitern, die bereits seit 17 Jahren in Lütgendortmund zusammen arbeiten, freut sich über das frisch restaurierte Amtshaus, das nun vom Erd- bis zum Dachgeschoss genutzt wird.

Denkmal des Monats


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