Samstag, 24. September 2016

"Die Simulanten" im Megastore: Große Spielfreude trifft auf etwas lauen Inhalt

Fünf Schauspieler mit Masken auf der
Guckkastenbühne im Megastore. Foto: Szekely
Eine Produktion, die im Juni bereits Premiere bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen hatte, ist seit Freitag auch im Megastore zu sehen: „Die Simulanten“ mit Julia Schubert, Bettina Lieder, Sebastian Kuschmann, Björn Gabriel und dem nach seinem Fußbruch wieder ohne Krücken laufenden Ekkehard Freye. Autor ist Philippe Heule, Regie führt Claudia Bauer.

Fünf Menschen, die nicht wissen, wie sie dorthin gekommen sind, finden sich plötzlich in einem Raum ohne Türen wieder. Und weil sie feststellen, dass sie alle Probleme mit ihren Fernbeziehungen haben, simulieren sie zunächst eine entsprechende Selbsthilfegruppe, später die Weltklimakonferenz. Die Aussage, die hinter diesem 100-Minüter steckt, wird bald deutlich. Alles ist nur Schein und Oberflächlichkeit. Zwar ist es passend, eine Fernbeziehung in der globalisierten Welt zu haben, aber wo bleibt da die menschliche Nähe? Und wenn sich das Paar dann doch mal trifft, um über die Beziehung zu reden, dann doch bitte in irgendeiner Fernsehshow vor laufender Kamera. Wir alle sind nur Getriebene von einem beliebigen und belanglosen Wertesystem, das uns von außen aufoktroiert wird und das nur wenig mit unseren wahren Bedürfnissen zu tun hat. Und dass die Weltklimakonferenz nur eine Farce ist, weiß ja eh jeder.

Problem ist ein wenig, dass diese Message nach einer Viertelstunde klar ist und dass danach inhaltlich nichts wesentlich Neues mehr kommt. Um das Stück trotzdem zu retten, müssen die Akteure die ganze Bandbreite ihres (bekanntermaßen großen) Könnens und der theatralen Möglichkeiten auffahren. Windmaschinen, Theaterblut und Fettanzüge kommen genauso zum Einsatz wie Masken, unter denen die Sprache lustig verfremdet klingt (oder ist das Playback?), jede Menge Schreie, nackte Haut, Übereinanderfallen, Zungenküsse (unter Männern) oder was es sonst noch so gibt, um das Publikum bei der Stange zu halten. Am Ende gelingt das nicht ganz. Zwar macht es tatsächlich weitgehend Spaß, die enorme Spielfreude der fünf Schauspieler (dickes Lob an alle fünf!) in der Guckkastenbühne zu beobachten, aber als es dann vorbei ist, reicht es auch.

www.theaterdo.de

Andreas Schröter

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