Sonntag, 4. September 2016

Schauspiel: Theaterfest am Megastore war gelungener Start in die Spielzeit

Theaterfest am Megastore. Foto: Schröter
Das war ein gelungener Start in die Spielzeit 16/17. Das Theaterfest im und am Megastore in Hörde am Samstag fiel nicht nur auf einen herrlich lauen Spätsommerabend, sondern lockte Schauspielinteressierte gleich in Scharen an. Ergebnis war eine fröhliche und entspannte Feier mit gut gelaunten Theaterleuten und Gästen, die den Abend allesamt augenscheinlich genossen.

Man sei vorher nicht sicher gewesen, wie viele Menschen wirklich den Weg nach Hörde auf sich nehmen würden, sagte Schauspiel-Sprecherin Djamak Homayoun – schließlich stellte die Feier am Megastore eine Premiere dar. Alle Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Der Andrang war so groß, dass die Platzkarten für die beiden öffentlichen Proben für zwei der zukünftigen Stücke im Nu vergriffen waren. 


Zwei öffentliche Proben

Öffentliche Proben stellen für Theaterleute immer einen Drahtseilakt dar. Einerseits will man vor der Premiere nicht zu viel preisgeben (kann es auch zum Teil noch gar nicht, weil die Schauspieler in Text und Ablauf noch nicht sicher genug sind), andererseits soll den Zuschauern etwas geboten werden. Im Fall „Triumph der Freiheit #1“ (Premiere ist am 16. September) löste das Schauspiel das, indem Dramaturg Alexander Kerlin zunächst eine längere Einführung gab. Er sei auf das Stück aufmerksam geworden, weil er den Autor Joël Pommerat für sehr interessant halte. Außerdem sorge das französische Original gerade für Furore. Er sei selbst nach Paris gereist, berichtete er weiter, um sich das Stück anzusehen. Es sei ein Fünf-Stunden-Brocken, der ihm auch aufgrund der Sprachbarriere zu schaffen gemacht habe. Aber dennoch habe das Stück auch auf ihn eine eigenartige Faszination ausgeübt. Keiner der Zuschauer sei vorzeitig gegangen. Also habe sich das Schauspiel Dortmund die Rechte gesichert und es übersetzen lassen. So könne das Haus nun dieses Stück als erstes in Deutschland zeigen, auch wenn es wohl in Dortmund keine fünf Stunden dauern werde.

Es folgten einige gelesene, nicht gespielte, Passagen am Rande einer Bühne, die seltsam wackelig und beweglich ist. Laut Regisseur Ed Hauswirth symbolisiert das die wechselnden und unsicheren Macht-Verhältnisse und -Verschiebungen während der französischen Revolution, um die es in diesem Stück geht. Ein Thema sei auch die Einfachheit der Antworten kontra eine langwierige Diskussion. Und das zumindest weist weg von der französischen Revolution hin in unsere unmittelbare Gegenwart in Deutschland, in der die AfD mit ihrem Populismus und ihren Hau-Ruck-Thesen bei all jenen punktet, die sich nicht die Mühe machen wollen oder können, etwas genauer über die Dinge nachzudenken.

Meine Prognose: Das wird ein langer und anstrengender, aber vermutlich spannender Theaterabend.

Aus gänzlich anderem Holz geschnitzt ist die Adaption von Ödön von Horvaths „Kasimir und Karoline“ (Regie: Gordon Kämmerer, Premiere am 18. September). Hier zeigten die Schauspieler schon etwas mehr Szenisches. Auffällig ist hier das riesige Bühnenbild, bestehend aus einem Festzelt und drei riesigen Würsten. Es stellt das Münchner Oktoberfest dar, auf dem ein Teil des Stücks spielt. So etwas geht nur auf den großen Flächen im Megastore. Dem Umbau in der City sei Dank.

Meine Prognose ist eine Befürchtung: Hoffentlich gehen Inhalt und Aussage des herrlichen Horvath-Stücks, das vollkommen zeitlos ist, weil es zeigt, wie Menschen eben sind – egal ob bei der Entstehung des Stücks 1932 oder 2016 -, nicht im Klamauk unter. Aber warten wir die Premiere ab.

Tommy Finke rockt Open Air

Unterdessen ging draußen das Fest an Bierstand, Pommesbude und mit diversen Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder (Schminkstand z.B.) unvermindert weiter. Einer der viel beklatschten Höhepunkte war der Auftritt von Tommy Finke (Musikdirektor am Schauspiel) und seiner Band auf der Open-Air-Bühne. Toll, welche unterschiedlichen musikalischen Genres dieser Musiker drauf hat: von ganz sanft bis rockig hart.

Eine neue Hoffnung

Unterdessen mehren sich die Stimmen derjenigen, die sich das Megastore auch nach dem Umbau in der City als dauerhaften Ergänzungsspielort für das Schauspiel vorstellen könnten, weil es durch seine Größe so viele Möglichkeiten eröffnet. Man wird abwarten müssen, ob das finanziell machbar ist. Schön wär’s – nicht nur für Theaterfreunde aus Hörde.

Auf dem Theaterfest wurden auch die Gewinner des Publikumspreises bekanntgegeben: Der Dortmunder Sprechchor gewinnt den Schauspielerpreis, bestes Stück ist die Borderline-Prozession.

Andreas Schröter

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