Mittwoch, 28. September 2016

Philharmoniker: Gelungener Start in "Zaubermärchenwelten"-Spielzeit

Gabriel Feltz (Mitte) hat jetzt auch offiziell seinen
Vertrag als Dortmunder Generalmusikdirektor
verlängert. Links: Oberbürgermeister Ullrich Sierau,
rechts: Kulturdezernent Jörg Stüdemann.
Foto: Dortmund-Agentur/Roland Gorecki
Zwar gab‘s vor gut vier Wochen schon die Cityring-Konzerte auf dem Friedensplatz, aber ihren regulären Konzertbetrieb haben die Philharmoniker erst in dieser Woche mit dem 1. Philharmonischen Konzert wieder aufgenommen und damit eine Spielzeit eröffnet, die unter dem Motto „Zaubermärchenwelten“ steht.

Als Auftakt dafür drängt sich „Der Zauberlehrling“ von „One-Hit-Wonder“ (Originalton Orchestermanager Michael Dühn im Vorgespräch) Paul Dukas geradezu auf.


Sehr plastisch hat der Franzose 1897 Goethes Geschichte um einen Zauberlehrling vertont, der dem verzauberten Besen nicht mehr Herr wird und versehentlich ein ganzes Haus flutet. Später gab’s davon einen Trickfilm von Walt Disney. Dukas‘ 15-Minüter ist ein witziges Stück Musik, bei dem die Zuhörer ganz genau die Handlung nachvollziehen können – und das ist selten in der Musikgeschichte. Handwerklich sehr gekonnte Programmmusik sei das, sagte GMD Gabriel Feltz im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ – wobei wir heute froh sein können, dass uns diese Musik überhaupt erhalten ist, denn der Komponist (1865-1935) war enorm selbstkritisch und hat viele seiner Werke vernichtet.

In dem von Gabriel Feltz dirigierten Konzert im Konzerthaus ging‘s weiter mit einem anderen Franzosen: Claude Debussy. Der hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts in seinem Zyklus „Images“ mit der Atmosphäre anderer Länder beschäftigt. Die Philharmoniker spielten daraus „Ibéria“, das mit Kastagnetten und Bolero-Anklängen sehr spanisch daherkommt – und das, obwohl das Gerücht geht, Debussy sei nur ein einziges Mal – zu einem Stierkampf – in Spanien gewesen. Macht nichts, meinen Michael Dühn und Gabriel Feltz. Die beste Musik über Paris stamme ja schließlich auch nicht von einem Franzosen (sondern von dem Italiener Puccini).

Nach der Pause folgte Tschaikowskys berühmte 5. Sinfonie, ein musikalischer Rausch, den die Philharmoniker brillant, rasant und akzentuiert über die Bühne brachten. Dank war ein frenetischer Applaus und viele Bravo-Rufe.

Er wolle solche Stücke nicht so spielen, wie sie immer gespielt werden, sagte Feltz im Vorgespräch. Das Live-Erlebnis müsse sich schließlich in irgendeiner Weise von dem Hören zum Beispiel einer CD abheben. Die Arbeit eines Orchesters dürfe nicht nur rein museal sein, sondern müsse ein frisches und kreatives Element haben. Anders sei das auch vor dem Hintergrund nicht zu rechtfertigen, dass die Orchester mit Steuergeldern subventioniert werden.

Die 45 Minuten Tschaikowsky dirigierte Feltz übrigens ganz ohne Noten und mit viel Körpereinsatz. Passend dazu sah man ihn später verschwitzt mit Handtuch um den Hals im Foyer beim Signieren einer neuen Rachmaninow-CD.

Den Philharmonikern hat die lange Pause jedenfalls überhaupt nicht geschadet. Gut erholt und voller Spielfreude präsentierten sie sich beim 1. Philharmonischen Konzert.

Mir gefällt, dass die Philharmoniker in ihren Konzerten immer sehr bekannte Klassiker mit Stücken kombinieren, die seltener gespielt werden. Auf diese Weise kommen alle auf ihre Kosten: Musikfachleute, die nicht immer dasselbe hören und auch mal überrascht werden möchten, und Klassikfans, die nicht genug von den großen Hits bekommen können. Letzteres ist hier keinesfalls als Vorwurf gemeint.

Andreas Schröter

www.theaterdo.de

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