Samstag, 10. September 2016

Nordstadt-Theater im Roxy-Kino: "Jerks - die Kassierer" hatte Premiere


Schon seit einigen Jahren bilden der 2012 gegründete Verein Nordstadt-Theater und das Roxy-Kino eine Allianz. Das passt, denn die Theatermacher haben sich darauf spezialisiert, Kultfilme auf die Bühne zu bringen. „Pulp Fiction“, „Bang Boom Bang“ und „Life of Brian“ sind Beispiele dafür. Und manchmal, so Kinobetreiber Holga Rosen, wollten das so viele Menschen sehen, dass das Roxy mit seinen 250 Plätzen schier zu klein war, um alle einzulassen.



Ganz so voll war’s am Freitagabend bei der Premiere der neuesten Nordstadt-Theater Produktion „Jerks – die Kassierer“ nicht. Für viele potenziell Interessierte war’s dann wohl doch eine zu schöne Spätsommernacht, um im Kino sitzen.


Vorlage "Clerks - die Ladenhüter"

Das Stück basiert auf dem in Schwarz-Weiß gedrehten Low-Budget Kultfilm „Clerks – die Ladenhüter“ (1994): Für den unzufriedenen Kiosk-Mitarbeiter Dante Hicks 
(Moritz Schallaböck) beginnt ein gebrauchter Tag: Die Rolladen seines Ladens gehen nicht hoch, weil sie jemand mit Kaugummi verklebt hat, und so muss er mit Schuhcreme ein großes Schild malen: „Ich versichere Ihnen, dass wir geöffnet haben“. Allerlei schräge Vögel kommen in den Laden, und seine Freundin beichtet ihm, dass sie bereits 37 Männern einen Blowjob verpasst hat. Als ein betagter Kunde beim Onanieren auf der Mitarbeiter-Toilette stirbt und Dantes Ex-Freundin versehentlich Sex mit der Leiche hat, macht das die Sache um keinen Deut besser …

Es macht Spaß zu sehen, mit welchem Engagement die Laien-Truppe zu Werke geht, deren Stamm sich bereits vor Jahren in der AStA-Theatergruppe der TU Dortmund kennen gelernt hat. Und zum Beispiel Kerstin Orlowski und Jens Koller – aber nicht nur sie – zeigen, dass sie richtig gut schauspielern können. Etwas problematisch ist möglicherweise das Stück/der Film selbst, in dem es stellenweise sehr derbe zur Sache (Jemand hat sich einen Genickbruch beim Versuch zugezogen, sich selbst einen zu blasen). Eine solche Art von spätpubertärem Humor kann irgendwann auch nerven, wenn man selbst nicht genügend Alkohol dafür intus hat. Witzig dagegen die Star-Wars-Debatten: Dantes Kumpel Dennis, der nebenan in einem Videoladen arbeitet, bedauert die vielen unschuldigen Arbeiter, die bei der Vernichtung des imperialen Todessterns ums Leben kommen. Ein Aspekt, über den man nachdenken sollte!

Videokunst

Und sogar Videokunst – wie bei Kay Voges im Dortmunder Schauspiel – kommt in dieser Produktion zum Einsatz: Eine Szene, die auf der Straße spielt, haben die Akteure schon vorher gedreht und spielen sie nun ein.

„Jerks – die Kassierer“ (gut zwei Stunden Spieldauer inklusive Pause) läuft noch am 10./11./23./24. und 25. September, jeweils um 21.30 Uhr im Roxy-Kino an der Münsterstraße 95. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.

Web: www.nordstadt-theater.de/

Andreas Schröter

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