Dienstag, 5. Juli 2016

Neuer Leiter für das Dortmunder U: Edwin Jacobs kommt aus Utrecht – Rat entscheidet im Herbst

Edwin Jacobs
Der Niederländer Edwin Jacobs soll neuer Leiter des Dortmunder U werden. Die Findungskommission entschied sich für den 56-Jährigen, der derzeit als Generaldirektor das Centraal Museum in Utrecht leitet. Wenn der Rat der Stadt Dortmund nach den Sommerferien seine Zustimmung gibt, wird Jacobs Anfang 2017 seine Aufgabe als Leiter des Dortmunder U aufnehmen. Er wird gleichzeitig Direktor des Museums Ostwall im Dortmunder U.

Der Kunstwissenschaftler (Universität Tilburg) hat sowohl Erfahrung in der kaufmännischen als auch der künstlerischen Leitung von Museen und ist in der internationalen Kunst-, Kultur- und Stiftungsszene bestens vernetzt. Vor sieben Jahren wurde er Generaldirektor des Centraal Museums Utrecht, zu dem neuerdings auch ein Kindermuseum und die UNESCO-Weltkulturerbestätte Rietveld-Schröder-Haus gehören. Zuvor leitete er das städtische Museum De Lakenhal in Leiden, das Museum Jan Cunen in Oss und das Kunstinstitut Utrecht. Außerdem arbeitete er als kuratorischer Assistent am Medienkunstinstitut INIVA in London.

Jacobs leitete und kuratierte diverse Kunstausstellungen und hat sich in der Vergangenheit vor allem als Entwickler und Vermittler neuer, experimenteller Ausstellungskonzepte profiliert, bei denen er verschiedene Zielgruppen und Interessen einband. In mehreren internationalen Forschungsprojekten beschäftigte er sich unter anderem mit der interkulturellen Praxis und der Partizipation im Museum – eines seiner Hauptthemen, das er auch in Dortmund fortführen wird.

„Wir haben mit Edwin Jacobs einen ausgewiesenen Museumsreformer für Dortmund gewinnen können. Er wird die Vernetzung des Dortmunder U mit dem Viertel und mit der Stadt und Region fortsetzen und auch die internationalen Verbindungen und Kooperationen vertiefen“, sagt Kurt Eichler. Der Geschäftsführer der Dortmunder Kulturbetriebe hatte die fachliche Leitung des Dortmunder U übernommen, nachdem Gründungsdirektor Dr. Andreas Broeckmann 2011 an die Universität Lüneburg gewechselt war.

„Das Dortmunder U hat sich in kurzer Zeit zur markanten Landmarke für die Region entwickelt. Edwin Jacobs wird diesen Prozess mit qualitätvollen Ausstellungen konsequent fortsetzen“, so Kulturdezernent Jörg Stüdemann.

Sein eigenes Selbstverständnis beschreibt Edwin Jacobs so:

„Ein Museum ist eine ,Persönlichkeit’. Es ist die Verbindung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Zugangsmöglichkeiten, um interdisziplinär und transkulturell zusammen zu arbeiten. Mein persönliches Ziel ist die Ermöglichung kollektiver Kreativität auf der Basis individueller Kennerschaft. Mein berufliches Ziel ist die Entwicklung einer neuen Museumspolitik, die die Sammlungsbestände und die kuratorische Praxis im und außerhalb des Museums zusammenführt.“

Das Dortmunder U

Das Kunstzentrum Dortmunder U hat sich im sechsten Jahr seines Bestehens als offenes Haus mit weiterhin steigenden Besuchszahlen und einem besonders jungen Publikum etabliert. 42 Prozent der Besucherinnen und Besucher im U sind unter 30 Jahre alt, 63 Prozent sind jünger als 50.

Zum U gehören Ausstellungen und Theatervorführungen, Workshops, Kurse und Medienprojekte für Kinder und Jugendliche, Kino und Clubbetrieb, Werkvorträge internationaler Künstler und Kongresse, Familiensonntage und Filmwerkstätten, Fliegende Bilder und Filminstallationen, Kita-Angebote, die Klangskulptur im Eingang und der unvergleichliche Blick auf Dortmund.

Das U steht konzeptionell für die

· Entwicklung neuer künstlerischer Formate mit einem Bezug zur digitalen Welt,

· die konsequente Erprobung partizipativer Modelle für den Kunst- und Kulturbetrieb,

· die Verzahnung zwischen Kunst und Alltagswelt,

· die Verzahnung mit der Stadtgesellschaft und mit dem Kreativ.Quartier Unionviertel sowie

· für die Verknüpfung mit europäischen Netzwerken.

Seit Mai 2016 hat das Dortmunder U die Federführung für das bis 2020 laufende EU-Projekt „smARTplaces“, bei dem zehn Museen und Hochschulen in acht Ländern gemeinsam Konzepte und Strategien für neue Wege der Publikumsentwicklung in der digitalen Gesellschaft entwickeln. Die EU unterstützt das Projekt mit zwei Millionen Euro.

Im Juni 2016 gewann das Dortmunder U den German Brand Award für herausragende Markenführung. In der Begründung des Rats für Formgebung heißt es, das U habe sich „als Kulturmarke neuen Typs in Europa etabliert. Es ist Plattform, Labor und Möglichkeitsraum zugleich.“

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