Montag, 27. Juni 2016

Stadtarchiv erkundet Dortmunder Migrationsgeschichte

Fünf Jungen essen Döner Kebab, eines der
 bekanntesten Gerichte der türkischen Küche,
 das in Deutschland im Zuge der türkischen
 Einwanderung zu einem beliebten Imbissgericht geworden ist.
 Quelle: Stadtarchiv
Einwanderung und Abwanderung haben europäische Städte zu dem gemacht, was sie heute sind, ob kulturell, politisch und gesellschaftlich. Auch für die Geschichte Dortmunds ist Migration zentral – heute leben rund 200.000 Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Stadt. Die Hälfte der Dortmunder Kinder hat Wurzeln in anderen Ländern. Das Stadtarchiv als zentrale Erinnerungsinstitution und „Gedächtnis der Stadt“ und das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) wollen die Migrationsgeschichte(n) der Stadt künftig stärker berücksichtigen. Deshalb startete das Stadtarchiv ein zunächst auf zwei Jahre angelegtes Dokumentationsprojekt zur Dortmunder Migrationsgeschichte seit 1945.

Ziel des Vorhabens ist es, die Zuwanderung nach Dortmund und die Lebensumstände zugewanderter Menschen abzubilden und als Teil der modernen interkulturellen Stadtgesellschaft erfahrbar zu machen. Dabei geht es um Vertriebene und Spätaussiedler, um zugewanderte Arbeitnehmer seit den 1950er Jahren und um Flüchtlinge heute. „Wir wollen die Geschichte der Stadt um das wichtige Kapitel der Migration in Archiv und Museum fortschreiben“, so Kulturdezernent Jörg Stüdemann.

Das Dokumentationsprojekt ruht auf mehreren Säulen. Zunächst werden die Quellen zur lokalen Migrationsgeschichte befragt. Anschließend sollen vorhandene und noch zu bildende Bestände nach den Erfordernissen von Forschung und Lehre aufbereitet werden. Dafür wird das Stadtarchiv Dokumente migrantischer Vereine, Organisationen, Institutionen, aber auch von Privatpersonen sammeln und zu bewahren.

Migrantinnen und Migranten haben in Dortmund mehr als 200 Vereine gegründet, etwa 50 sind im „Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine in Dortmund“ (VMDO) organisiert. Auf ihre Mithilfe sowie auf die Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte sind das Stadtarchiv und MKK beim Aufbau des Bestands angewiesen. Die Sammlung, für deren dauerhafte Sicherung das Stadtarchiv als „Ewigkeitsinstitution“ mit gesetzlichem Auftrag garantieren kann, soll die Perspektive von Verwaltung und Institutionen um die Sicht der Betroffenen ergänzen.

Dies geschieht auch u.a. mit dem Instrument der „Oral History“: Zeitzeugen erzählen im freien Gespräch von ihren Erfahrungen und Erlebnissen mit dem Thema Migration.

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