Samstag, 21. Mai 2016

Kinder- und Jugendtheater: "Tschick" ist ein Riesenspaß

Szene aus "Tschick".   Foto: Hupfeld
Was für ein Spaß! Die neueste Produktion im Kinder- und Jugendtheater, „Tschick“, ist nichts anderes als auf ganzer Linie gelungen. Das liegt natürlich schon an der grandiosen Roman-Vorlage von Wolfgang Herrndorf aus dem Jahre 2010. Aber nicht nur. Es ist bewundernswert, wie das KJT-Team unter der Regie von Andreas Gruhn dieses Stück für Zuschauer ab 14 Jahren auf die Bühne bringt. Die Bühnenfassung stammt von Robert Koall. Freitag war Premiere im KJT an der Sckellstraße.

Maik (Philip Pelzer) hat Probleme. Sein Vater ist Choleriker, seine Mutter Alkoholikerin und die angebetete Klassen-Schönheit Tatjana hat ihn nicht zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Da taucht Tschick (Thorsten Schmidt) auf, ein Russland-Deutscher aus prekären Verhältnissen, der eigentlich Andrej Tschichatschow heißt. Er bittet Maik, ihn auf einen Trip mit einem geklauten Lada in die Walachei zu begleiten, ohne zu wissen, wo genau das sein könnte. Gesagt, getan.

Unterwegs treffen sie beiden gleich eine ganze Reihe von illustren Zeitgenossen. Das (zunächst) stinkende Müllkippen-Mädchen Isa, in das sich Maik mal gleich verliebt, eine Öko-Familie, die nichts von Supermärkten hält, einen durchgeknallten Ex-Kommunisten und eine Matrone, die Tschick einen Feuerlöscher auf den Fuß fallen lässt und ihn damit schwer verletzt.

Ein theatrales Roadmovie, bei dem Spaß und die Anarchie im Mittelpunkt stehen. „Carpe Diem – nutze den Tag“ ist die fröhliche Message dieses Stücks, das einfach gute Laune macht. Am Ende packt sich die alkoholkranke Mutter ein Ölgemälde von der Wohnzimmerwand, um es als Segel zu benutzen und damit in den hauseigenen Pool zu fliegen. Maik sitzt danach ein wenig mit seiner Mutter auf dem Grund des Pools, hält die Luft an und findet, dass es Schlimmeres gibt, als eine betrunkene Mutter zu haben. Herrlich!

Hervorzuheben sind nicht nur Philip Pelzer und Thorsten Schmidt, sondern auch Bettina Zobel, Rainer Kleinespel und Talisa Lara, die allesamt durch extreme Vielseitigkeit glänzen. Rainer Kleinespel gibt genauso glaubwürdig einen strengen Lehrer mit Bierbauch wie den irren langhaarigen Ex-Kommunisten oder den cholerischen Vater. Talisa Lara ist mal anbetungswürdige Schul-Schönheit, mal rotzfreche Müllkippen-Göre, und Bettina Zobel spielt die Betrunkene genauso gut wie die Öko-Mutti oder das Brachial-Weib mit Feuerlöscher.

Um die Fahrt der beiden Loser zu zeigen, bedient sich das KJT nicht nur einem echten Lada, sondern auch einer Video-Technik, wie man sie aus dem Schauspiel von „Minority Report“ oder „Rambo plusminus Zement“ kennt: Kleine Landschaftsmodelle werden abgefilmt und auf eine Leinwand projiziert, sodass der Eindruck entsteht, die Akteure würden tatsächlich durch irgendwelche Landschaften gondeln. Für die Video-Technik ist Peter Kirschke zuständig, für die Ausstattung Oliver Kostecka.


Am Ende gibt's den verdienten Mega-Applaus.

Falls Sie kein Jugendlicher mehr sind: Egal, gehen Sie in dieses Stück! Aber falls Sie doch ein Jugendlicher sind: Gehen Sie in dieses Stück!

Andreas Schröter


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