Mittwoch, 25. Mai 2016

Dortmunder Philharmoniker spielen bei Beethoven ganz groß auf

Axel Kober.  Foto: Susanne Diesner
Arnold Schönberg und seinen Schüler Anton Webern verbinden die meisten Musikkenner wohl mit atonaler- und Zwölftonmusik. Dass die beiden aber ihre Wurzeln in der (Spät-)Romantik haben, bewiesen die Dortmunder Philharmoniker bei ihrem 9. Philharmonischen Konzert im Konzerthaus. Von Webern spielten sie sein Frühwerk „Im Sommerwind“ von 1904, das einen Komponisten zeigt, der noch in der Entwicklung steckt. Der Dirigent des Abends, Axel Kober, findet aber gerade dieses Experimentieren mit den musikalischen Formen spannend, wie er im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ mit Orchestermanager Michael Dühn erklärte. Gleichwohl lässt sich auch an diesem Werk ein (späteres) Charakteristikum Weberns, die Knappheit und Ökonomie der Mittel, erkennen.

Überhaupt Axel Kober, der heute GMD in Düsseldorf ist: Früher arbeitete er am Theater Dortmund: von 1998 bis 2003 war das - zuletzt als 1. Kapellmeister. Er erinnert sich an einen Himmelfahrtsabend, an dem ihn der damalige Generalintendant John Dew mit der Bitte anrief, doch bitte sofort in die Oper zu kommen, um den dritten Satz von „Tristan und Isolde“ zu dirigieren, weil der dafür eigentlich vorgesehene Dirigent einen Schwächeanfall erlitten hatte. Kober raste in die Oper … So etwas schweißt zusammen, und so beschrieb Kober seine Rückkehr nach Dortmund und die Zusammenarbeit mit dem Orchester als sehr emotional.

Nach Webern folgte Musik von Schönberg, die in eine ähnliche (spätromantische) Richtung geht: „Verklärte Nacht“, ein Werk, das 1902 uraufgeführt wurde und sich an ein Gedicht von Richard Dehmel anlehnt. Darin gesteht eine Frau ihrem Geliebten, dass sie schwanger von einem anderen Mann ist. Der Geliebte reagiert ungewöhnlich: Er akzeptiert das Kind und ist der Frau weiter in Liebe zugetan.

Der Höhepunkt des Abends aber folgte nach der Pause mit dem virtuosen Auftritt der Solo-Violinistin Sophia Jaffé bei Beethovens 1. Violinkonzert. Man möge sich doch bitte zurücklehnen und diese herrliche Musik einfach nur genießen, wünschte sie sich im Vorgespräch vom Publikum. Das hat den Rat offenbar beherzigt, wie die völlig verdienten Standig Ovations am Ende zeigten. Jaffé verzichtete auf eine Zugabe. Die könne nach dem Beethoven ohnehin nur verblassen, meinte sie.

Die Zuhörer des 9. Philharmonischen Konzerts sahen und hörten Dortmunder Philharmoniker, die besonders bei Beethoven zu großer Form aufliefen und für ein wunderschönes Musikerlebnis sorgten.

Das 10. und für diese Spielzeit letzte Philharmonische Konzert findet am 5. und 6. Juli im Konzerthaus statt, dann wieder mit GMD Gabriel Feltz am Dirigentenpult und Musik von Mozart, Respighi und Ravel.

Andreas Schröter

www.theaterdo.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen