Mittwoch, 20. April 2016

8. Philharmonisches Konzert: Cellist Johannes Moser liefert große Show

Johannes Moser. Foto: Uwe Arens
Cellist Johannes Moser, zum ersten Mal Solist bei den Dortmunder Philharmonikern, war der uneingeschränkte Star beim von GMD Gabriel Feltz dirigierten 8. Philharmonischen Konzert im Konzerthaus. Es machte am Dienstag einfach Spaß, Moser dabei zu beobachten, wie leidenschaftlich er die Musik lebte – in diesem Fall Antonín Dvořáks Cellokonzert – und wie eng er während des Konzertes den Blickkontakt mit der 1. Violinistin Shinkyung Kim hielt – alles für eine perfekte Abstimmung mit dem Orchester. Sicher, manche Geste mag dabei reine Show gewesen sein, aber wen stört‘s ?! Bei einem Auftritt auf der Konzerthausbühne vor fast vollem Haus geht‘s eben nicht nur um den perfekten Klang, sondern auch um eine gute Show.

Ob ihm nicht langweilig werde, immer dasselbe zu spielen – das Repertoire für einen Cello-Solisten ist begrenzt – fragte ihn Orchestermanager Michael Dühn im Vorgespräch. „Ganz und gar nicht“, antwortete Moser, jedes Orchester und jedes Publikum sei anders, da gerate auch die Musik jedes Mal ein bisschen anders, auch wenn es sich um dasselbe Stück handele. So habe er den 
Dvořák im Januar mit dem Boston Symphony Orchestra gespielt. Die Besonderheit dort sei eine sehr langgezogene Halle, in der der Klang verzögert ankomme. Man dürfe deswegen dort nicht zu schnell spielen, sonst gebe es einen Klangbrei.

Moser, der auf einem Instrument von Andrea Guarneri aus dem Jahre 1694 spielt, ist ständig auf Tour. An 300 Tagen im Jahr sei er irgendwo in den Hotels rund um den Globus, sagte er. Den Rest der Zeit verbringe er in einer 30-qm-Wohnung in Köln. Das reiche ihm, um irgendwo einen Ort zu haben, wo er eine Hemden wechseln könne. Aber auch in Berlin habe er noch einen Koffer stehen.

Das Publikum in Dortmund dürfte Moser in guter Erinnerung bleiben. Es feierte ihn und ließ ihn erst nach einer Zugabe mit Musik von Johann-Sebastian Bach von der Bühne.

Übrigens, und auch das sagte Johannes Moser im Vorgespräch und gab damit zugleich eine politische Stellungnahme ab: 
Dvořák hat sein zeitloses Werk 1895 in New York komponiert. Man möge doch Herrn Trump mal erklären, dass vieles, was in Amerika entstanden sei, von Ausländern komme.

Vor dem 
Dvořák spielten die Philharmoniker die kurze Sequenz „Der Beherrscher der Geister“ von Carl Maria von Weber, das ursprünglich einmal als Ouvertüre zu einer inzwischen verschollenen oder nie fertiggestellten Rübezahl-Oper gedacht war – ein sehr anspruchsvolles und spannendes Stück Musik mit vielen Tempuswechseln, das die Philharmoniker gut meisterten. Es ist lobenswert, dass Dirigent Gabriel Feltz auch immer mal wieder solche interessanten „Ausgrabungen“ ins Programm nimmt.

Nach der Pause gab‘s 42 Minuten eingängige und melodiöse Musik von César Franck: die Sinfonie d-Moll.

Insgesamt ein sehr gelungenes 8. Philharmonisches Konzert.

Andreas Schröter

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