Donnerstag, 18. Februar 2016

Schauspiel: "Rambo plusminus Zement" ist ein technischer Spaß mit inhaltlichen Schwächen

Szene aus "Rambo plusminus Zement"
Foto: Hupfeld
Wer „Minority Report“ im vorigen Jahr gemocht hat, der wird auch an dem neuesten „Live-Film“ im Schauspielstudio viel Spaß haben: „Rambo plusminus Zement“ – wieder unter der Regie von Klaus Gehre. Die wegen technischer Probleme im Schauspielhaus Anfang Februar abgesagte Premiere wurde am Mittwoch nachgeholt.

Es macht Spaß, die Schauspieler dabei zu beobachten, wie sie mit Kameras und winzigen Hubschrauber-Modellen oder Spielzeugautos spannende Szenen auf die Leinwand zaubern, die so aussehen, als seien sie viel aufwändiger produziert worden. Oder wenn sich Sebastian Kuschmann alias Rambo vor einer kleinen Attrappe aus Steinen räkelt, und auf der Leinwand sieht es so aus, kämpfe er in einer verschneiten Berglandschaft über einem Abgrund hängend ums Überleben. Verblüffend auch, wie einfach man den Zuschauer glauben machen kann, ein (großes) Motorrad rase über eine sandige Piste.

Dennoch ist diese Produktion nicht ganz so mitreißend wie „Minority Report“. Das hat weniger mit der Technik, als vielmehr mit dem Inhalt zu tun. „Minority Report“ war ein kurzweiliger und spannender Science-Fiction-Action-Thriller, das neue Stück ist inhaltsschwerer und hat einige Längen: Gehre hat den Inhalt der Rambo-Filme mit Sylvester Stallone mit einem Theaterstück von Heiner Müller namens „Zement“ zusammengerührt. Ob das funktioniert, sei dahingestellt. Der Zusammenhang zwischen einem Blockbuster-Unterhaltungsfilm in den 70er-Jahren und einem hochtrabenden Heiner-Müller-Text über die Zeit Anfang der 20er-Jahre in Sowjetrussland wirkt doch etwas bemüht, auch wenn es in beiden Fällen um die ernüchternden Erlebnisse zweier Kriegsheimkehrer geht. Es erfordert stellenweise viel Konzentration, dem Inhalt zu folgen.

Mit von der Partie sind als Schauspieler Caroline Hanke, Marlena Keil, Ekkehard Freye, Andreas Beck und Sebastian Kuschmann. Jan Voges ist für die Video-Technik zuständig, Joscha Richard ist Video-Operator, Anne-Kathrin Schulz Dramaturgin und Mai Gogishvilli ist für Bühne und Kostüme zuständig.

Andreas Schröter


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