Mittwoch, 24. Februar 2016

Philharmoniker zeigten bei Rachmaninow ihr ganzes Können

Die 1. Symphonie von Sergej
Rachmaninow (Foto) stand im
Mittelpunkt des
6. Philharmonischen Konzertes.
Eine von den Dortmunder Philharmonikern wunderbar akzentuiert und transparent gespielte 1. Sinfonie von Sergej Rachmaninow war der unstrittige Höhepunkt des 6. Philharmonischen Konzerts.

Für GMD Gabriel Feltz, der das Konzert dirigierte, gibt es in der Geschichte der klassischen Musik drei Skandale: die Uraufführungen von Strawinskys „Sacre du Printemps“, von Wagners Tannhäuser – und eben von diesem Rachmaninow-Werk 1897 in St. Petersburg. Ein Kritiker schrieb anschließend: „Angenommen, es gäbe in der Hölle ein Konservatorium, und einer der dortigen Studenten würde beauftragt, eine Programmmusik in Form einer Sinfonie zu schreiben, deren literarisches Vorbild die ‚Sieben Plagen Ägyptens‘ sein sollten, und er würde dabei eine solche Sinfonie abliefern wie Herr Rachmaninow, dann hätte er seine Aufgabe in der Tat hervorragend gelöst und alle Bewohner der Hölle in geradezu köstlicher Weise erfreut.“ Das stürzte Rachmaninow in eine Schaffenskrise, obwohl eher das damalige Orchester die Schuld für das Desaster trug. Es hatte nicht genügend geprobt, und Dirigent Alexander Glasunow – kein Unbekannter in der Musikgeschichte – war gerüchteweise sogar betrunken.

Nun, in der Hölle wähnten sich die Besucher des Konzertes 119 Jahre später im fast voll besetzten Dortmunder Konzerthaus ganz gewiss nicht, wie der abschließende Riesen-Applaus bewies. Die Philharmoniker hatten es zuvor blendend verstanden, die ganze Komplexität und Vielseitigkeit dieses (bisher) weitgehend verkannten Werkes herauszuarbeiten. Es bietet im ersten Satz wild zerklüftete Musiklandschaften von ganz laut bis ganz leise, hat im zweiten Satz zeitweise Anklänge an Zigeunermusik, gönnt den Zuhörern im dritten Satz eine Verschnaufpause mit eher ruhigen Passagen, um dann im Finale in Lautstärke und Tempo noch einmal richtig anzuziehen.

Die Philharmoniker werden aus den Mitschnitten der Konzerte am Dienstag und Mittwoch eine CD produzieren, um ihren Rachmaninow-Zyklus, bestehend aus seinen drei Symphonien, zu vervollständigen. Die 2. Symphonie ist als CD im Oktober 2015 erschienen. Nummer drei folgt im nächsten Jahr.

Schöne Musik und gut aufgelegte Philharmoniker gab es beim 6. Philharmonischen Konzert aber auch schon vor dem Rachmaninow-Werk. Zu Anfangs mit „La Valse“ von Maurice Ravel, einem verkappten Walzer, der ursprünglich einmal als Hommage an den Walzer-König Johann Strauß gedacht war, dann jedoch im zweiten Teil ein wildes Eigenleben entfacht, das viel zu schnell zum Tanzen ist. Am Ende steigert es sich in ein derartiges Inferno, das man als Zuschauer den Eindruck hat – so drückte es Gabriel Feltz im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ aus –, man könne dem Treiben jetzt nur noch ein Ende setzen, indem man den Stecker zieht. Stimmt genau. Gottseidank für die begeisterten Zuhörer im Konzerthaus hat so schnell niemand den Stecker gezogen.

Es folgte das populäre und anspruchsvolle 2. Klavierkonzert von Camille Saint-Saens mit der erst 30-jährigen Klavier-Solistin Beatrice Berrut, die ihren Job ausgezeichnet erledigte. Als Zugabe spielte sie ein kurzes Stück von Johann-Sebastian Bach. Insgesamt ein sehr gelungener Konzertabend.


Andreas Schröter

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