Sonntag, 31. Januar 2016

"Letzte Lockerung": Abwechslungsreiche Annäherung an Dada

Die Dadainen Katrin Osbelt, Anette Struck, Birgit Rumpel
und Regine Anacker (v.l.)
ACHTUNG: Wegen technischer Probleme im Schauspielhaus ist die Premiere von „Letzte Lockerung“ auf den 20. Februar, 22 Uhr, verschoben worden.
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Vier Mitglieder des Dortmunder Sprechchors, der bekanntlich Teil des Schauspiels ist, haben nun ein eigenes Stück auf die Beine gestellt. „Letzte Lockerung“ heißt es und widmet sich dem Aufkommen der Dada-Bewegung vor ziemlich exakt 100 Jahren. Der Dortmunder Kulturblog hatte Gelegenheit, die Generalprobe mit Katrin Osbelt, Regine Anacker, Birgit Rumpel und Anette Struck im Guitar Hospital von Matthias Schulze in Hörde zu sehen.

In eine Art Sack gehüllt, sitzen die vier Akteurinnen an einem mit allerlei Krimskrams bedeckten Tisch, der zwischen ihnen und dem Publikum steht, darunter allerlei Lämpchen, ein uraltes Telefon und kleine Tröten. Das etwa einstündige Programm ist eine Art Collage rund um Dada. Die Akteurinnen zitieren Theoretisches zum Thema – etwa von Hugo Ball, der mit der Eröffnung seines „Cabaret Voltaire“ im Februar 1916 als Dada-Urvater gilt, von Hans Arp oder Kurt Schwitters. Sie sagen auswendig – sicherlich eine besonders hervorzuhebende Leistung 
 die typischen lautmalerischen und sinnfreien Gedichte auf, die man wohl am ehesten mit Dada assoziiert. Christian Morgenstern ist Autor eines solchen Werkes.

Witzig: Auch der Bewerbungstext einer russischen Frau um einen deutschen Ehepartner, wie man ihn heute gelegentlich im Internet findet, findet Eingang ins Programm. Das passt: „Anastasyas“ Text ist mindestens so sinnfrei wie die lautmalerischen Gedichte.

„Letzte Lockerung“ ist weit davon entfernt, eine bloße Lesung oder ein Rezitationsabend zu sein. Die vier „Dadainen“, wie sie sich selbst nennen, kriechen auf dem Boden herum, essen eine Wurst, spielen Banjo oder – sehr zur Freude des Publikums 
 auf einem zuvor für 15 Euro bei E-Bay gekauften und heute sehr antiquiert wirkenden 40 Jahre alten elektrischen Harmonium. Sie haben kleine Choreographien eingeübt und zeigen, dass sie – in Anlehnung an ihre gemeinsame Herkunft  auch das Sprechen im Chor beherrschen. Zwischendurch schenken sie dem Publikum sogar Hochprozentiges ein.

Fazit: Auch wenn Katrin Osbelt, Regine Anacker, Birgit Rumpel und Anette Struck ein paar Tipps vom Profi bekommen haben – dem Dramaturgen Thorsten Bihegue am Dortmunder Schauspiel – ist es absolut erstaunlich und bewundernswert, was ein solche Hobbygruppe mit sprachlichem Talent und ganz viel Lust und Engagement auf die Beine stellen kann.

„Letzte Lockerung“ hat Premiere am Freitag (20.2.) um 22 Uhr im Schauspiel-Institut. Die Vorstellung ist ausverkauft. Eine weitere Vorstellung findet am Freitag, 8. April, 19.30 Uhr, im Bodo-Buchladen, Schwanenwall 36-38, statt. Die Dadainen sind auf der Suche nach weiteren Aufführungs-Möglichkeiten.

Mehr Infos über das Projekt gibt’s hier

Andreas Schröter

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