Dienstag, 31. März 2015

Schreiblust-Verlag: Jahrbuch 2014 ist erschienen

Im Dortmunder Schreiblust-Verlag ist eine neue Anthologie erschienen: „Best of - SL-Jahrbuch 2014“.

Das neue Buch fasst auf 290 Seiten die besten Geschichten aus dem Mitschreibprojekt auf der Website des Verlages (www.schreib-lust.de) im Jahr 2014 zusammen: Jeden Monat wird dort ein Thema vorgegeben, zu dem jeder, der will, eine Kurzgeschichte einreichen darf. Die Themenvorgaben wie etwa „Steinzeit“, „Schön sein“ oder „Verdorben“ dienen dabei nicht als Einschränkung, sondern als Anregung. Im September sollten sich die Teilnehmer durch ein Bild inspirieren lassen. 15 bis 20 Geschichten kommen auf die Weise Monat für Monat zusammen.

Ende des Monats findet ein kleiner Wettbewerb statt, in dem die besten drei Geschichten gekürt werden. Diese drei mal zwölf Siegergeschichten sind nun in der neuen Anthologie versammelt. Und weil es in einigen Monaten Doppelplatzierungen gab, enthält das Buch nicht nur 36, sondern sogar 42 Geschichten.

„Best of - SL-Jahrbuch 2014“ ist die 23. Buchveröffentlichung des Kleinverlags seit seiner Gründung im Jahre 2002.

Bestellen kann man das 9,90 Euro teure Taschenbuch am bequemsten über das Bestellformular auf der Website des Verlages.

Übrigens: Neue Autoren sind beim Mitschreibprojekt des Schreiblust-Verlags jederzeit willkommen. Im April 2015 lautet das Thema „Mord und Totschlag“.

Andreas Schröter (Hrsg.): Best of - SL-Jahrbuch 2014, 290 S., Schreiblust-Verlag, 9,90 Euro, ISBN: 978-3-9816481-2-6

Weitere Infos

Künstlerhaus: "Artist Sweethearts" läuft ab 25. April

"Artist Sweethearts" heißt die nächste Ausstellung im Künstlerhaus am Sunderweg 1. Sie läuft vom 25. April bis zum 14. Juni. Die Eröffnung erfolgt am Abend zuvor, am Freitag (24.4.) um 20 Uhr.

Kunst und Liebe, Liebe und Kunst... Was, wenn beide Partner/-innen Künstler sind? Die Ausstellung zeigt exemplarisch die Werke unterschiedlicher Künstlerpaare beieinander und versucht eine Vergleichbarkeit zwischen den Arbeiten innerhalb einer Lebens-/Liebesbeziehung und zwischen den jeweiligen individuellen Partnerschaften an sich herzustellen. Wo sind Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede in den Kunstwerken zu entdecken? Gibt es sichtbare Beeinflussungen und/oder Interessengleichheiten in den Beziehungen oder erscheinen die jeweiligen Positionen vollkommen gegensätzlich?


Eine Ausschreibung zum Thema rief Künstlerpaare auf, eigenständige jedoch untereinander vergleichbare Werke einzureichen. Gemeinschaftsarbeiten waren dezidiert nicht gewünscht, die Verbindung der Paare, die jedoch nicht zusammen leben müssen, stellten das einzige Kriterium für eine Bewerbung dar.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:

Michel Aniol + Meike Kuhnert (Berlin)
Pascal Aperdannier + Anne Paschvoß (Berlin)
Klaus Erich Dietl + Stephanie Müller (Munich)
Guda Koster + Frans van Tartwijk (Amsterdam)
Mandy Krebs + Marko Schiefelbein (Berlin)
Susanne Kutter + Markus Willeke (Berlin)
Torben Laib + Madeleine Christin Leroy (Kiel)
Katharina Maderthaner + Christian Schreckenberger (Düsseldorf)
Susanne Maurer + Marc Taschowsky (Berlin)
Kihyun Park + Florian Rosier (Leipzig)

Parallel findet im Laboratorium die Ausstellung "Grauomenta präsentiert: Jule K – Love Rules" statt. Jule K (Hamburg), die auch den Flyer für Artist Sweethearts gestaltet hat, beschäftigt sich in Malerei, Illustrationen und Comics häufig mit dem Thema „Liebe“.

Montag, 30. März 2015

domicil: Julia Hülsmann Trio feat. Theo Bleckmann: Kurt Weill and America

Das domicil-Programm am Donnerstag (2.4.), 20 Uhr: Vocal Jazz über Kurt Weill in America | ECM Album Release Tour mit Julia Hülsmann piano, Marc Müllbauer bass, Heinrich Köbberling drums, Theo Bleckmann voc

2003 gelang der aus Bonn stammenden und in Berlin lebenden Pianistin mit der CD “Scattering Poems”, das die norwegische Sängerin Rebekka Bakken featurete, der große Durchbruch. Das mit einem German Jazz Award ausgezeichnete Album enthielt vertonte Gedichte von E.E. Cummings. In den Jahren darauf folgten weitere Kooperationen mit Vokalisten wie Anna Lauvergnac (“Come Closer”, 2004) und Roger Cicero (“Good Morning Midnight”, 2006), bei denen mal dem Songwriter Randy Newman, mal der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson gehuldigt wurde.

Nun hat sich das Julia Hülsmann Trio mit einem wirklich außergewöhnlichen Sängerzusammengetan: Dem seit beinahe 25 Jahren in New York lebenden Dortmunder Theo Bleckmann, der 2010 mit dem Echo Jazz Award als “Sänger des Jahres” geehrt wurde und in den USA neben einer Grammy-Nominierung und einem Bessie Award auch ein Stipendium der ASCAP Foundation erhielt. 2014 wurde sie Improviser in Residence beim Moers Festival.

Die Pianistin wird oft als „Lyrikerin des deutschen Jazz“ (DIE ZEIT) bezeichnet. Sie liebt die Auseinandersetzung mit Worten und ihre Verstärkung durch die Musik. Ihre Arrangements verleihen Kurt Weills Liedern eine neue Eigensinnigkeit, gesungen vom „magischen“ New Yorker Stimmkünstler Theo Bleckmann - aus Selm-Bork stammend. Dieser wird von der internationalen Presse als „magical and futuristic“ (AllAboutJazz), „limitless“ (Citypaper, Philadelphia) und „transcendent“ (Village Voice) bezeichnet. Und „from another planet“ (New York Times). Er arbeitete u.a. mit Laurie Anderson, Meredith Monk, Steve Coleman, John Zorn, David Lang, Bang on a can und seiner Mentorin Sheila Jordan. Und er lieh seine Stimme den Aliens in Spielbergs "Men in Black" und in "Star Trek: Envoy"!

Zum Klingen bringen wird diese neue Formation die bisher unbeachteten Werke Kurt Weills, darunter „Little Tin God“ und „Your technique“ sowie einigen der bekannter Kompositionen wie z.B. den „Alabama Song“.

Eintritt VVK: 18 €

Literaturhaus: "Hamlet rot weiß" mit fünf Ruhrgebietsautoren

von links: Michael Meyer, Jochen Ruscheweyh,
Heike Wulf, Claudia Kociucki und Louis Jansen.
"Hamlet rot-weiß" ist der Titel einer Lesung mit fünf Ruhrgebietsautoren am 23. April um 20 Uhr im Lietraturhaus Dortmund am Neuen Graben 78.

Wenn aus Hamlet ‚Kotelett‘ wird, das Pommesbuden-Imperium der Familie auf dem Spiel steht und ein alter Opel GSI über Leben und Tod entscheidet, kommt einem glatt der Gedanke: Da ist doch was faul im Staate Bochum!

Hamlet, der als Veganer auf sein Erbe, eine Pommesbuden-Kette, verzichtet, will den Tod seines Vaters rächen. Dieser ist von seinem Bruder Claus-Dieter heimtückisch ermordet worden. Es müssen schwere Geschütze aufgefahren werden, und so geht es durch Irrtümer, Zufälle und mit vielen Lachern dem Ende entgegen.

Die fünf Ruhrgebiets-AutorInnen Claudia Kociucki, Heike Wulf, Louis Jansen, Michael Meyer und Jochen Ruscheweyh haben Shakespeares berühmte Tragödie ins Ruhrgebiet geholt und werden uns mit spannenden Intrigen rund um den veganen Thronfolger und seine royale Fast-Food-Familie fesseln. Gemeinsam haben die Autoren ihre eigene Version des Klassikers kreiert und mit dieser szenischen Lesung werden sie nicht nur Shakespeare-Fans begeistern!

Welche Rolle hierbei der Kemnader Stausee spielt, wie gefährlich ein Schaschlik-Spieß wirklich sein kann, wieso Farbenblindheit Leben retten wird und welche mysteriöse Funktion ein Behälter mit Currysauce hat, bleibt hier nicht ungeklärt. Freuen Sie sich auf ein kreatives, urkomisches und modernes Remake, das Unterhaltung in Pott-Manier für Jung und Alt verspricht!

Die mitmachenden Autoren: Heike Wulf, Claudia Kociucki, Jochen Ruscheweyh, Michael Meyer und Louis Jansen

Karten an der Abendkasse.

Eintritt: 6 € - vergünstigt 4 €

Sonntag, 29. März 2015

HMKV: Tweetup zur neuen Ausstellung "Das Mechanische Corps"

Zum Start der Ausstellung "Das Mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne" (11.04. – 12.07.2015) veranstaltet der HMKV (Hartware MedienKunstVerein) am Donnerstag, 9. April um 19 Uhr sein erstes Tweetup!



Mit dem Soundpanzer auf den Spuren von Jules Verne


Gemeinsam mit dem Kurator Christoph Tannert und der künstlerischen Leiterin Inke Arns wandeln die Twitterati noch vor Ausstellungseröffnung auf den Spuren von Jules Verne. DAS MECHANISCHE CORPS ist ein erstaunliches Sammelsurium, das aus der zeitgenössischen Kunst ebenso schöpft wie aus Populär- und Subkultur. Für ihr Ausstellungsprojekt DAS MECHANISCHE CORPS haben die Kuratoren Peter Lang (†) und Christoph Tannert eine Vielzahl von Objekten, Skulpturen und Entwürfen zusammengetragen, die sich alle eines ästhetischen Rückgriffs auf die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts bedienen. Welche Faszination übt die Ästhetik der alten Maschinen auf Künstler aus und welche Verbindungen gibt es zu Jules Verne? Diese und weitere Fragen werden auf einem Rundgang durch die Ausstellung gemeinsam diskutiert.

Soundpanzer-Performance: Maschine, Mensch, Sound

Ein besonderes Highlight des Abends ist die Soundpanzer-Performance des Berliner Künstlers Nik Nowak, die in der Garage des Dortmunder U stattfindet. Seine Ästhetik hat der Künstler in Richtung der technischen Gestaltung von Panzerfahrzeugen ausgerichtet. 1,5 Tonnen, 4.000 Watt, 13 Lautsprecher und 2 Kettenlaufwerke – die mobile Skulptur verwandelt sich während der Performance in einen dröhnenden, beleuchteten Soundkörper. Im Anschluss daran steht der Künstler für Fragen und Diskussion zur Verfügung.

Die Teilnehmer können sich auf einen spannenden Abend mit akustischen und visuellen Erlebnissen freuen!

Alle Daten zum Tweetup:

Tweetup im HMKV

Hashtag: #soundpanzer

Donnerstag, 09.04.15, 19:00 – 20:00 Uhr

HMKV im Dortmunder U, 3. Etage

Leonie-Reygers Terrasse 1

44137 Dortmund

Was ist ein Tweetup?

Twitter + meet up = Tweetup. Bei einem Tweetup treffen sich Twitterati und Blogger zu einem festgelegten Termin bei einer Veranstaltung und berichten online über Twitter von dem Ereignis und ihren Eindrücken.

Hashtag

Der Hashtag für den Abend lautet #soundpanzer.

Die Aktivitäten des Abends kann man über unsere Twitterwall mitlesen http://www.soundpanzer.tweetwally.com

Anmeldung zur Teilnahme:

Wir bitten um Anmeldung bis zum 07.04.2015 via presse@hmkv.de unter Angabe des Twitternamens.

Teilnehmen kann jeder mit einem Tablet, Smartphone oder Laptop und einem Twitter-Account.

Schauspiel: "Die Möglichkeit einer Insel" ist eine Weiterentwicklung des Theaters

Szene aus "Die Möglichkeit einer Insel" Foto: Birgit Hupfeld
Manchmal sitzt man im Theater und kriegt den Mund vor Staunen nicht mehr zu. So in meinem Fall geschehen am Samstag bei der Premiere von „Die Möglichkeit einer Insel“ nach Michel Houellebecq im Dortmunder Schauspiel. Es ist schier unglaublich, was das Visual-Arts-Kolletiv „sputnic“ um Nils Voges, Malte Jehmlich und Nicolai Skopalik hier auf die Beine gestellt hat. Unglaublich gut - und in seiner Machart gänzlich neu.

Die Bühne ist in dieser Produktion quasi nicht vorhanden. Dort, wo sie sonst ist, stehen dutzende von Kameras, Modelllandschaften, eine Erde im Miniaturformat, allerlei obskure Gerätschaften und hinten sogar eine ganze Häuserzeile mit Porno-Läden, Geschäften und mehrstöckigen Stadthäusern. Davor verläuft eine Schiene, auf der eine Kamera entlangfahren kann. Sie kommt im Stück zum Einsatz, um eine Autofahrt des Helden durch die Häuserschluchten einer Großstadt zu simulieren. Das Ganze mutet an wie die Hobbywerkstatt eines leicht verrückten Bastlers.

Die Akteure Bettina Lieder, Merle Wasmuth, Andreas Beck und Frank Genser sind in dieser Produktion weniger Schauspieler als vielmehr Technik-Anwender. Ihre Kunst besteht darin – und das erfordert sicherlich ein Höchstmaß an Konzentration -, die ganze Technik so punktgenau zum Einsatz bringen, dass eine fließende Geschichte entsteht. In einteiligen Science-Fiction-Kostümen stehen die vier hinter Leucht-Tischen, auf die sie abwechselnd dutzende von Folien legen, die hinter ihnen an der Wand hängen. Kameras übertragen das so gewonnene Bild auf eine Leinwand. Auf diese Weise entsteht etwas, was es bisher meines Wissens noch nie im Theater gab: ein Animationsfilm, der live vor den Augen der Zuschauer entsteht. Und da die Folien über bewegliche Teile wie Münder und Arme von Figuren verfügen, entsteht der Eindruck, sie würden sich bewegen oder sprechen. Hochinteressant! Den Sprechpart übernehmen ebenfalls die vier Schauspieler.

Weil man als Zuschauer so sehr auf die Technik konzentriert ist, tritt die eigentliche Handlung fast ein wenig in den Hintergrund. Daniel24 lebt im fünften Jahrtausend allein mit seinem Hund Fox in einem abgeschotteten Wohnkomplex inmitten einer Wüstenlandschaft. Er ist ein Neo-Mensch und ein Klon von Daniel1 aus unserer Zeit. Auch der Hund wird regelmäßig geklont. Gefühle sind abgeschafft – doch es gibt einige Individuen, die sich gegen diese sterile Art von Leben auflehnen. Sie treffen sich auf Lanzarote, um ein neues Leben zu beginnen: die Möglichkeit einer Insel. Das Stück erzählt abwechselnd die Geschichte von Daniel1 und wie er nach einer Reihe von Enttäuschungen an die Sekte (die Elohimiten) gerät, die sich auf das Klonen spezialisiert, und von Daniel24 und Daniel25 allein mit Hund in ihrer Wohnburg. Ein philosophischer Stoff über Fragen, wie man glücklich werden kann und wie nicht.

Wer sich für die Weiterentwicklung des Theaters interessiert und für die Möglichkeiten, die die heutige Technik diesem Genre bietet, der sollte sich „Die Möglichkeit einer Insel“ im Dortmunder Schauspielhaus ansehen.

Andreas Schröter

Tickets und Termine: www.theaterdo.de




Samstag, 28. März 2015

"Endless summer": Uta (Holst-Ziegler) gibt ihr erstes Album heraus

Dass Uta Holst-Ziegler nicht nur gut schauspielern, sondern auch hervorragend singen kann, wissen Theaterbesucher schon seit dem Eröffnungsabend der Ära Kay Voges am Dortmunder Schauspiel im Herbst 2010, als die heute 35-Jährige eine beeindruckende Gesangs-Vorstellung lieferte.

Gemeinsam mit ihrem Mann Axel-Holst blieb sie dem Ensemble bis 2013 treu, schied dann jedoch aus, um sich fortan ganz der Musik zu widmen. Unter dem Titel „Endless summer“ und dem schlichten Künstlernamen „u.t.a.“ ist jetzt ihr erstes Album erschienen.

Uta Holst-Ziegler betätigt sich darauf als Allrounderin. Sie hat nicht nur die 16 Songs selbst geschrieben – sie singt sie (natürlich) und begleitet sich auch selbst mit Gitarre, Percussion und Bassdrum. Das geht nur, weil die englischsprachigen Songs sparsam instrumentalisiert sind – Uta Holst-Zieglers manchmal rauchige Stimme, die für ihre gefühlvollen Singer-Songwriter-Songs im Bluesstil perfekt passt, steht ganz im Mittelpunkt. Man stellt sich unweigerlich die leicht melancholische Atmosphäre in einer verrauchten Kneipe nach Mitternacht vor.

Uta Holst-Ziegler hat sich einen Großteil ihrer Gesangskunst autodidaktisch beigebracht, im Rahmen ihrer Schauspielausbildung hat sie lediglich die obligatorische Chanson- und Stimmbildungsausbildung erhalten.

Axel Holst hat gemeinsam mit seiner Frau ein Programm entwickelt, in dem sie singt und er Gedichte von Bukowski, Brinkmann und Brecht vorträgt. Die bisher einmalige Vorstellung unter dem Titel „Songs und Gedichte vom Ende der Couch“ fand in Essen statt. Das Paar sucht nach weiteren Auftrittsmöglichkeiten.

Auch die CD hat Axel Holst produziert. Es sei einen wunderbare Erfahrung für ihn gewesen, gemeinsam mit seiner Frau etwas Derartiges auf die Beine zu stellen, sagt er. Auch das nächste Album – diesmal sollen die Songs in deutscher Sprache sein – ist bereits in Vorbereitung.

„Endless Summer“ kostet 14 Euro und ist demnächst via Amazon und sofort über die Facebookseite UTA (singer/songwriter, öffentliche Seite) oder per E-Mail axelholst@gmx.de zu bestellen.


Andreas Schröter

Schauspiel: Originelle Ideen in „Moby Dick vs. A.H.A.B. – All Heroes are Bastards“

Szene aus "Moby Dick". Foto: Birgit Hupfeld
„Moby Dick vs. A.H.A.B. – All Heroes are Bastards“ fängt an wie das gute alte Kasperletheater. Mit Handpuppen und im typischen Guckkasten wird die bekannte Geschichte von Kapitän Ahab erzählt, der durch seinen Wahn eine ganze Mannschaft ins Verderben stürzt. Schon in dieser Phase hat Regisseurin Roscha A. Säidow von der Berliner Theater- und Puppenspielgruppe „Die Retrofuturisten“ einige sehr originelle Ideen: So veranschaulichen die Akteure das Geschehen mittels mehrerer einfacher Overhead-Projektoren, deren Bild auf drei große Stellwände projiziert wird. Die Lanze, die einen Wal trifft, ist ein einfacher roter Filzstift, der dann auch noch das Blut zeigen kann, das vom Wal ausströmt und das schließlich das Meer rot einfärbt.

Nach 20 Minuten ist der bekannte Stoff erzählt, und die Geschichte beginnt von vorn – diesmal allerdings nicht mit Puppen, sondern mit Schauspielern, die auf der Bühne agieren. Die gesamte Atmosphäre wechselt vom humorvollen Kindertheater-Ambiente ins Dunkel-Düstere. Ismael – das sind nun vier Terrorristen, die ihre Comfort-Zone langweiliger Bürojob verlassen möchten, um wieder „zu sich selbst“ zu finden. Sie wollen ein Abenteuer erleben und schließen sich einem charismatischen Führer an. Nach und nach wird jedoch klar, dass der nur seine eigenen Ziele verfolgt und von einem zweifelhaften rein egoistischen Rachegedanken getrieben wird. Auch ist nicht ganz klar, worin eigentlich genau das Böse besteht, das es zu bekämpfen gilt. Szenarien, die sich 1:1 auf heutige Erscheinungen wie Islamischer Staat oder Nazi-Terror übertragen lassen.

Auch in dieser zweiten Phase des Stücks liefern die Overhead-Projektoren wieder einige ungewöhnliche Bilder. So wird das dunkle Wogen des Ozeans überraschend eindrucksvoll mittels einer kleinen Glasschüssel, ein wenig Wasser, rotem Farbstoff und ein wenig Geäst dargestellt.

Doch es gibt noch eine dritte Phase. Und in der hat Uwe Schmieder mit übergroßem Puppenkopf als Marcel Reich-Ranicki seinen großen Auftritt. Es ist absolut eindrucksvoll, wie authentisch er Gesten und Sprache des 2013 gestorbenen Literaturkritikers imitieren kann. Zusammen mit Reich-Ranickis Mitstreitern aus alten Literarische-Quartett-Tagen, Hellmuth Karasek und Sigrid Löffler, nimmt er Melvilles „Moby Dick“ auseinander und bekehrt die Terroristen letztlich zu der Aussage „Ich bin nicht Ismael“.

„Moby Dick vs. A.H.A.B. – All Heroes are Bastards“ ist ein kurzes (60 Minuten) und kurzweiliges Theaterstück mit vielen interessanten Bildern, das eine Moby-Dick-Lesart aufzeigt, die geradezu erschreckend aktuell ist. Reingehen!

Außer Uwe Schmieder wirken mit: Ensemblemitglied Sebastian Graf und als Gast Johannes Hubert sowie die Retrofuturisten Franziska Dittrich und Magdalena Roth, die auch für den Puppenbau zuständig ist. Bühnenbild und Kostüme stammen von Julia Plickat.

Andreas Schröter

Tickets und Termine: www.theaterdo.de

Freitag, 27. März 2015

Dortmunder Künstlerin Katja Struck feierte mit "Rosie's Revenge" gelungene Premiere in Witten

Unter dem Namen „Rosie‘s Revenge“ hat sich unter Federführung der Dortmunderin Katja Struck eine Künstlergruppe gegründet, deren Mitglieder ganz unterschiedliche künstlerische Schwerpunkte in die gemeinsame Arbeit einbringen. Bei Katja Struck, die in der Kostümabteilung des Theaters Dortmund arbeitet, ist es die Ausstattung, bei Arnd Dörfling die Regie, bei Britta Lennardt die Schauspielerei.

Nach längerer Vorbereitungszeit konnten die drei nun in der Wittener Werkstadt Premiere ihres ersten eigenen Theaterstücks feiern. Es heißt ebenfalls „Rosie‘s Revenge“ und ist eine fantasievolle und schrille Abfolge von Szenen, die nur lose durch eine Rahmenhandlung miteinander verbunden sind. Und die geht ungefähr so: Rosie kommt aus den Tiefen des Alls auf die Erde und stellt große Verderbtheit fest. Mit Hilfe eines vergifteten Puddings will sie die Menschheit ausrotten. Am Ende besinnt sie sich und rettet die Erde durch Liebe. 

Das Ein-Frau-Stück lebt von vielen überraschenden Bildern, einer tollen Ausstattung und einer gut aufgelegten Britta Lennardt. Da dampft und brodelt es aus einem überdimensionalen Kochtopf, da gibt es eine Unzahl von unheilvoll leuchtenden Pudding-Desserts und einen Kühlschrank, in dem es nicht nur Lebensmittel, sondern auch Mikrofone oder (bereits angezündete) Zigaretten gibt. Das Kostüm der ganz auf 60er-Jahre getrimmten Rosie ist eine Augenweide: Im wild bauschigen Ganzkörperkostüm führt sie zu Beginn eine Art modernen Ausdruckstanz auf, später agiert sie im an Brust und Po grotesk ausgestaffierten 60er-Jahre-Kleidchen und zitiert mit schwarzer Perücke auf dem Kopf Ehefrau-Benimmregeln aus dieser Zeit. Das ist witzig – und durchaus auch ein bisschen sexy. Es ist zu erahnen, welche Arbeit die Vorbereitung auf diese Stunde Theater gekostet haben muss, in der Britta Lennardt auch ihr Gesangstalent präsentieren kann.

„Rosie‘s Revenge, das – ganz modern – Videosequenzen integriert und die Zuschauer auffordert, Live-Mitteilungen auf Facebook zu schreiben, ist ein optisch herausragendes und äußerst kurzweiliges Theaterstück, dessen Inhalt man nicht allzu ernst nehmen muss. Am Sonntag (29.3.), 20 Uhr, gibt’s in der Wittener Werkstadt, Mannesmannstraße 6, eine weitere Gelegenheit, es zu sehen. VVK: 10, AK 12 Euro.

Andreas Schröter

Theater im Depot zeigt "Barfuß nackt Herz in der Hand" mit Matthias Hecht

"Barfuß nackt Herz in der Hand" heißt ein Theaterstück mit Matthias Hecht, das am 18. April, 20 Uhr, im Theater im Depot zu sehen ist.

Eigentlich ist Ali ein Biedermann, ein freundlicher kleiner Mann. Einer von den Unverzagten, die tagaus, tagein den Wohlstandsdreck auf deutschen Straßen zusammenfegen. Ali schert sich nicht um die provozierenden Sprüche der Spießer, er kehrt den Mist weg. Er lebte in seinem eigenen Haus, für das er 25 Jahre gearbeitet hat, bis er bei einem Brandanschlag seine Frau und seinen Sohn verliert. Das Ein-Mann-Theaterstück von Ali Jalaly thematisiert den Brandanschlag auf eine türkische Familie in Solingen im Jahr 1993. Der Protagonist Ali, der in gebrochenem Deutsch seine einfachen, teils naiven Gedanken und Erlebnisse vorträgt, verfällt nicht in Schuldzuweisungen und Hasstiraden. Er bewahrt sich seinen Humor und seine Toleranz gegenüber seinen Mitmenschen und der für ihn zum Teil noch immer fremden und unverständlichen Kultur. Das Stück strahlt anfangs eine heiter ironische Stimmung gepaart mit idyllischen Einschlägen aus. Die skurril ironische Stimmung des Stückes schlägt um, als er in einem kleinen Fläschchen das Produkt aus der Beschneidung von Gottfrieds Bruder trägt und aus seiner anderen Jackentasche die in einem Gläschen verwahrte Asche seines Sohnes Bülent zieht.

Buch & Regie Ali Jalaly
mit Matthias Hecht

Assistenz: Janine Hanke
Ausstattung: Narges Nassiri
Musik H. Alizadeh

Eine Produktion des Theater Fletch Bizzel

Donnerstag, 26. März 2015

domicil: Jean-Philippe Bordier Trio präsentiert neues Album "Morning Glory"

Jean-Philippe Bordier Trio tritt am Freitag (27.3.), 21 Uhr, im domicil an der Hansastraße auf.

In klassischer Triobesetzung mit Orgel und Schlagzeug präsentiert der Pariser Gitarrist Jean-Philippe Bordier auf seinem neuen Album "Morning Glory" ausnahmslos Eigenkompositionen, die sich stilistisch aus der Tradition eines Wes Montgomery über George Benson bis zu Rare-Grooves speisen und so einen frischen Mix aus Swing, Funk und Latin enthalten.

Jean-Philippe Bordier, dessen Karriere sich bereits über dreissig Jahre erstreckt, ist fester Bestandteil der Pariser Jazz-Szene wo er sich als sehr erfahrener Sideman mit George Brown, Butch Warren, Alain Jean-Marie u.v.a. einen Namen gemacht hat. Die vorliegenden Aufnahmen spiegeln seine Spielfreudigkeit und Selbstverwirklichung als Komponist wieder.

Guillaume Naud, Absolvent des CIM, hat in der Vergangenheit mit diversen Vokalisten wie der ACT-Künstlerin Youn Sun Nah gearbeitet und mittlerweile einige Solo-Alben produziert. Mit ihm konnte ein Musiker gewonnen werden, der äußerst feinfühlig begleitet und als Solist einiges zu bieten hat.

Andreas Neubauer aus Frankfurt, der von 2008-2012 in Paris lebte und dort seitdem regelmässig auftritt, lernte Jean-Philippe in der Band des Saxophonisten Xavier Richardeau kennen. Was ihn für dieses Trio prädestiniert, ist seine stilübergreifende Vielseitigkeit zwischen traditionellem Jazz, Latin und Funk der 60/70er Jahre. 

Jean-Philippe Bordier - git, Guillaume Naud - org, Andreas Neubauer - drs,    

Club | teilbestuhlt | domicilcard | Einlass ab 20:00
Eintritt: 14 €
Eintritt VVK: 10 €

Dietrich-Keuning-Haus: 6. Afro Ruhr Festival mit Culcha Candela

'Wir von Culcha Candela denken
und leben international, unsere Musik ist Ausdruck
 der Vielfalt und ein Bekenntnis zu Toleranz und Respekt'. 

Bild: Katja Kuhl
Culcha Candela übernimmt die Schirmherrschaft für das 6. AFRO RUHR FESTIVAL vom 29. bis zum 31. Mai im DKH. Die Berliner Band mit internationalen Wurzeln wirbt damit für Vielfalt und Toleranz.

Das 6. AFRO RUHR FESTIVAL im Dortmunder Dietrich-Keuning-Haus (DKH steht unter dem Motto steht: "Gemeinsam für mehr Vielfalt und Toleranz". Live-Musik, ein bunter Basar, Workshops. Lesungen und Club-Abende mit DJs laden dazu ein, die Vielfalt afrikanischer Kultur zu entdecken.

Das Live-Musik-Programm wird zusammen mit dem WDR-Funkhaus Europa präsentiert und verspricht wieder eine hochkarätige Besetzung. Culcha Candela werden anlässlich der Eröffnung des Festivals am 29. Mai persönlich anwesend sein und ihren Fans für eine Autogrammstunde zur Verfügung stehen.

Der Dortmunder Verein Africa Positive freut sich, gemeinsam mit seinen Aktionspartnern die bunte Vielfalt des afrikanischen Kontinents präsentieren zu können. Zusammen mit den lokalen Kulturpartnern, darunter dem Kulturbüro der Stadt Dortmund, dem Dietrich-Keuning-Haus, der Auslandsgesellschaft NRW e.V., der DEW21, dem Netzwerk Afrikaner in Dortmund (AFRIDO), dem Verein Kino im U, sowie in Kooperation mit dem WDR Funkhaus Europa, präsentiert das Festival bereits zum sechsten Mal ein Programm für die ganze Familie, das afrikanische und europäische Tradition zusammenführt.

Die ersten bestätigten Live-Acts sind Damily (Madagaskar), die Congotronics Band Mbongwana Star (Kongo-Kinshasa) und die Steven Ouma Band (Köln).

Zum Thema

Mittwoch, 25. März 2015

Stadt- und Landesbibliothek: Kinder werden beim “Lesezauber 2015” aktiv

Das Theater Kreuz & Quer aus Duisburg
 zeigt „Gränsel und Hetel verwirrten sich im Wald“.
 Ein Theaterstück mit zwei Clowns, einem Kreuzworträtsel,
einem Lesebuch, einem Mausespeckhaus
 und vielen Drehverwortungen äh, Wortverdrehungen.
Vom 20. bis 24. April startet in der Stadt- und Landesbibliothek die jährliche Veranstaltungsreihe "Lesezauber". Eine bunte Mischung aus Liedermachern und Theateraufführungen zum Zuhören und Mitmachen erwartet die Kinder ab fünf Jahren.

In der Zentralbibliothek und den neun Stadtteilbibliotheken, sowie im Kinder- und Jugendliteraturzentrum, finden Veranstaltungen statt. Seit einundzwanzig Jahren besteht die Veranstaltungsreihe schon und in diesem Jahr findet zum ersten Mal der Lesezauber zweimal statt. Einmal im April, Anlass ist der Welttag des Buches (23. April), und Teil zwei im November. In der Woche um den bundsweiten Vorlesetag am 20. November sollen die Kinder dann aktiv werden.

Die Bibliothek hat für den April ein attraktives Angebot zusammengestellt. Eine bunte Mischung aus Liedermachern und Theateraufführungen. Zum Zuhören und zum Mitmachen.Leinen los für das spannende Piratenabenteuer "Käpt’n Knall und der Schatz von Samossa" vom Mathom Theater. Piratenkapitän Knall ist unterwegs zur Insel Samossa, um den Schatz von Billy Bläck zu heben. Eine echte Herausforderung für den Käpt´n, denn die Mannschaft besteht aus wilden Haudegen. Beim Mitmach-Programm vom Musiker Klaus Foitzik werden die kleinen und die großen Zuhörer mit auf eine Reise in den "Dschungel der Gefühle" genommen. Gemeinsam besuchen sie das kleine Städtchen Spaß an der Freud schleichen sich an einer gruseligen Zitterburg vorbei, statten dem Jammertal einen Besuch ab und erleben einen Wutausbruch im Sauerland.

Spannend wird es bei den "Tiermärchen aus aller Welt" vom Theater Wilde Hummel und das Touché Erzähl Theater kommt mit Djembe, Balaphon und Kalimba. Weitere Programminformationen online.

Kulturstiftung Dortmund: Alexander Krichel erhielt Förderpreis

Seine bisherige Laufbahn führte Krichel 
in renommierte Konzertsäle und zu
verschiedenen Festivals in Deutschland.
Bild: Uwe Arens / Sony Classical
Der Pianist Alexander Krichel hat den von der Kulturstiftung Dortmund zum zweiten Mal vergebenen Förderpreis für Musik erhalten.

Die mit 5.000 € dotierte Auszeichnung wurde dem 25jährigen Musiker im Rahmen eines Solokonzerts im Amphisaal des HCC Dortmund übergeben.

"Was Alexander Krichel in seinen noch jungen Lebensjahren bereits geleistet und erreicht hat, ist erstaunlich und lässt für die Zukunft Großes erwarten", stellte Hans-Dieter Michalski, Vorsitzender der Kulturstiftung Dortmund, bei der Übergabe des Preises fest. Die Kulturstiftung hätte keinen würdigeren Träger für den Preis finden können, der alle zwei Jahre alternierend für Musik und Bildende Kunst vergeben wird und mit dem jungen Künstlern eine Anerkennung für ihre bisherige Leistung ausgesprochen und ein Ansporn für ihre weitere Arbeit gegeben werden soll.

"Freude am Können, Lust am Gestalten, Mut zum Risiko – das sind die wichtigsten Stichworte, mit denen die Jury ihr Urteil über die Preiswürdigkeit Alexander Krichels begründet hat", hob Prof. Dr. Franz Willnauer, Mitglied der Jury, in seiner Laudatio auf den Preisträger hervor. Alexander Krichel spiele selbst das Internet schwindlig. Wer ihn google, habe Mühe, mit den Neuigkeiten nachzukommen: Debüt in London. Triumph in Hamburg. Supersonic Music Award in Luxemburg. Live-Mitschnitt für Sony in Dresden. Debüt im Wiener Konzerthaus – die Liste lasse sich noch lange fortsetzen. Dabei sei Krichel von einer jungenhaften Natürlichkeit geblieben, die seine ungewöhnliche Mehrfach-, Früh- und Hochbegabung nur umso bewundernswerter mache.

Seit ihm 2013 der ECHO-Klassik-Preis als "Nachwuchskünstler des Jahres" verliehen wurde, sei aus dem Geheimtipp Krichel der Jungstar Krichel geworden. Selbst in einer an Blitzkarrieren und Blitzabstürzen reichen Zeit sei sein kometenhafter Aufstieg etwas Besonderes. "Aber Krichel will damit nicht aufs Treppchen, er sieht sich selbst nicht als Weltmeister der Tastenlöwen. Er ist ein junger Ausnahmekünstler, der sich seines Könnens bewusst ist, ‚Spaß an der Sache‘ hat und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt", so Willnauer.

Die Auswahl von Alexander Krichel als Träger des Förderpreises erfolgte durch Experten von Rang. Als Fachjuroren gehörten ihr Prof. Dr. Franz Willnauer, Andreas Mölich-Zebhauser und Jürgen Kesting an.

Im Rahmen des Preisträgerkonzerts spielte Alexander Krichel Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven und Sergei Rachmaninow.

Dienstag, 24. März 2015

Schauspiel: "Moby Dick vs. A.H.A.B – All Heroes Are Bastards" hat Freitag Premiere

Szene aus "Moby Dick". Foto: Birgit Hupfeld
Ein Schiffskapitän, der einen weißen Wal jagt. Was klingt wie eine romantische Seefahrergeschichte, weist weit darüber hinaus: Was hält eine Gruppe – eine Schiffsmannschaft – zusammen, verschworen und einem einzigen Ziel verpflichtet? Was sind ihre Dynamiken? Roscha A. Säidow entwickelt anhand der Vorlage von Herman Melville – einem Klassiker der englischsprachigen Prosaliteratur – einen Theaterabend rund um die Themen Rache, Wahn, Fanatismus und Terrorismus: Schon die RAF erkannte sich in Moby Dick wieder und wählte daraus ihre Decknamen – Andreas Baader war Ahab. Gemeinsam mit ihrem Kollektiv Die Retrofuturisten und dem Ensemble des Schauspiel Dortmund bringt Säidow eine fantastische Welt zwischen Puppen und Menschen auf der Dortmunder Bühne.

Regisseurin Roscha A. Säidow erschafft mit ihrem seit 2011 bestehenden Cross-Over-Puppenkollektiv Die Retrofuturisten hollywoodeske Steampunk-Dystopien zwischen Tim Burton, Sin City und Comic: analog meets hightech! Säidow studierte Regie an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sie inszenierte u. a. in Marburg, Frankfurt und am Maxim Gorki Theater Berlin. MOBY DICK versus A.H.A.B - All Heroes are Bastards ist ihre erste Arbeit am Schauspiel Dortmund.

Mit: Sebastian Graf, Uwe Schmieder, Franziska Dittrich (Retrofuturisten), Magdalena Roth (Retrofuturisten), Johannes Hubert

Regie: Roscha A. Säidow (Retrofuturisten)
Bühne/Kostüme: Julia Plickat
Puppenbau: Magdalena Roth (Retrofuturisten)
Dramaturgie: Dirk Baumann

Premiere: 27.3.2015, Studio des Schauspiel Dortmund
Weitere Termine: 4., 16. April 2015

Leiden in Stein – Vortrag zum Bittermark-Mahnmal

Das Mahnmal in der Bittermark gehört zu den bedeutendsten Bauwerken in Europa, die an die Opfer der Zwangsdeportation und Nazizeit erinnern. In einem Vortrag am Mittwoch, 25. März in der VHS befasst sich Wolfgang Asshoff mit der politischen Vorgeschichte des Mahnmals und seiner Reliefs. Der 90-minütige Vortrag „Leiden in Stein – das Mahnmal in der Bittermark“ beginnt um 19 Uhr in der Hansastraße 2-4 (Löwenhof). Der Eintritt ist frei.

Wolfgang Asshoff ist Autor mehrerer Dokumentationen über die Bittermark, er begleitet seit mehr als 50 Jahren vor allem französisch sprechende Delegationen am Mahnmal. Geschaffen wurde es vom Dortmunder Architekten Will Schwarz und dem Hagener Künstler und Bildhauer Karel Niestrath. Seit 1958 ist das Mahnmal am Karfreitag Schauplatz einer internationalen Gedenkfeier. In der Krypta des Mahnmals ist ein unbekanntes Opfer der Morde des Jahres 1945 beigesetzt – sie gilt als „französisches Land auf deutschem Gebiet“.

Der Vortrag findet statt in Kooperation mit der Stabsstelle „Kunst im öffentlichen Raum“.

kunst-im-oeffentlichen-raum.dortmund.de

facebook.com/kunstimoeffentlichenraumdortmund

nrw-skulptur.de

Montag, 23. März 2015

Schauspiel: "Die Möglichkeit einer Insel" hat Samstag Premiere

Szene aus "Möglichkeit einer Insel"
Foto: Hupfeld
Planet Erde, im fünften Jahrtausend. Das ewige Ringen um sexuelle Attraktivität hat die Menschheit solange erschöpft, bis sie praktisch ausgestorben ist – nur noch ein paar verwilderte Exemplare hausen in postapokalyptischen Zivilisations-Trümmern. Nun dominiert der genetisch veränderte Neo-Mensch, der alleine lebt, sich durch Photosynthese ernährt und weder Liebe noch Hass kennt. Und auch nicht das Trauma des körperlichen Alterns, denn jeder Neo-Mensch wird regelmäßig neu geklont. Gefühle sind längst wegoptimiert.

Die berührende Geschichte der beiden Neo-Menschen Daniel24 und Daniel25 und ihres genetischen Urahns Daniel, der unser Zeitgenosse im frühen 21. Jahrhundert ist: Michel Houellebecq, berühmtester französischer Schriftsteller der Gegenwart, wirft in seinem 2005 erschienenen Bestseller einen Blick durch die Jahrtausende, auf die Sehnsüchten unserer Jetztzeit und in einer möglichen Zukunft – und denkt weiter, wovon viele Menschen heute träumen.

Ist es möglich, glücklich zu werden? Wenn ja – wo kann man das Glück finden? Und wie? Mit Die Möglichkeit einer Insel schreibt das Schauspiel Dortmund nach DAS FEST (nominiert für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2013) und MINORITY REPORT oder MÖRDER DER ZUKUNFT erneut Theater- und Filmgeschichte – im Geiste des Dortmunder Manifests DOGMA 20_13: Eine große Reise durch Zeit und Raum, live gespielt, animiert und geschnitten von vier Schauspielern, direkt vor den Augen der Zuschauer, mit zahlreichen handgemachten Zeichnungen und liebevoll gestalteten Miniaturen – der allererste Theaterabend, in dem ein Trickfilm live auf der Theaterbühne erschaffen wird.

Regie führt das Krefelder Design- und Künstlerkollektiv sputnic (Malte Jehmlich, Nicolai Skopalik, Nils Voges), das bereits 2008 für ihren Stop-Motion-Trickfilm SÜDSTADT den renommierten European Grand Off-Award für die Beste Animation gewann. Am Schauspiel Dortmund entwickelte sputnic zuletzt Animationen und Visual Effects für EINIGE NACHRICHTEN AN DAS ALL und erfand (zusammen mit kainkollektiv) die Reihe STADT OHNE GELD.

Mit: Andreas Beck, Frank Genser, Bettina Lieder, Merle Wasmuth

Regie: Nils Voges (sputnic)

Bühne/Kostüme: Malte Jehmlich (sputnic)

Dramaturgie: Anne-Kathrin Schulz

Premiere: 28.3.2015, Schauspielhaus

Weitere Termine: 4., 16. April; 10., 20. Mai; 05., 19. Juni 2015

Mittelalterspektakel auf der Hohensyburg: Osterspaziergang mit einem Drachen

Drachen füttern erlaubt auf der Hohensyburg
Bild: bibow communications
Das Mittelalterspektakel zu Ostern entführt die Besucher auf der Hohensyburg in eine Zeit längst verloren geglaubter Sagen und Mythen, zurück in das Mittelalter und in das Reich der Fantasie.

Für drei Tage vom 4. bis 6. April wird auf der Hohensyburg in Dortmund die Uhr zurückgedreht. Die großen Wiesen rings um die Hohensyburg beherbergen ein mittelalterliches Dorf mit Ritterlagern, Handwerker- Hütten, Krämerständen, Tavernen, Garbrätereien und Backstuben, zwei Bühnen und einer Kampfarena.

Drei Tage lang, von Ostersamstag bis Montag, herrscht ein mystisches Fabelwesen - der Drachen "Fangdorn" - über die Wiesen an der Burgruine Hohensyburg. Schon seit nunmehr vier Jahren trifft sich auf dem Plateau hoch über Ruhr und Hengsteysee die Mittelalterszene, um mit einem zünftigen Osterfest in die Saison zu starten. In diesem Jahr haben die Veranstalter als Stargast einen "echten" Drachen eingeladen.

Er heißt Fangdorn, ist zwölf Meter lang und knapp vier Meter hoch, kann sich in alle Richtungen bewegen, den Kopf drehen und mit dem Schwanz wedeln. Er kann mit den Augen blinzeln, furchtbar brüllen und Feuer spucken. Das eindrucksvolle Tier "steckt voller technischer Raffinessen und Elektronik", erklärt Drachenerbauer Guido Peters. Der Drachen wird hauptsächlich mit einem Joystick bewegt, ein bisschen Muskelkraft gehöre aber auch dazu. "Fangdorn ist der kinderfreundlichste Drachen, den es gibt. Er frisst am liebsten Gänseblümchen" erklärt Drachenvater Peters. In Wirklichkeit braucht das Ungetüm weit mehr. Propangas für die gespuckten Flammen, Kohlensäure für die Nüstern, Batteriestrom für Augen, Flügel, Ton und Steuerung. "Außerdem muss die dreiköpfige Besatzung im Inneren des Drachen immer was zu Trinken haben, denn bei sommerlichen Temperaturen wird es im Drachenbauch sehr, sehr warm."

Das kann man vermutlich zum Osterspektakel auf der Hohensyburg ausschließen, da hochsommerliche Temperaturen Anfang April kaum zu erwarten sind. Fangdorn zeigt sich gleich vier Mal täglich von seiner besten Seite, so dass die Besucher ihn sogar streicheln können.

Aber auch das weitere Programm lohnt einen Besuch. Im Rund der etwa 60 Handwerker- und Krämerbuden und weiterer zirka fünfzig Ritterzelte stehen auch zwei Bühnen, auf denen bekannte Künstler aus der mittelalterlichen Zeit musizieren, jonglieren, Possen reißen oder kleine Theaterstücke zeigen. Mit dabei sind die Lokalmatadoren der Gruppe "Die Streuner". Die vier Musiker stammen aus der Gegend und kennen viele der Sagen und Legenden, die sich um die Burgruine ranken.

Die zweite Band namens "Skalden" ist bekannt für ursprüngliche und gewaltige Musik, gespielt auf großen Dudelsäcken und Trommeln. Gaukler Lupus wird seine witzigen Tricks zeigen und die Spielleute "Luscinia" führen eine lebendige Marionette vor, die sogar jonglieren und Feuer spucken kann.

Die Öffnungszeiten:Samstag und Sonntag jeweils von 11:00 bis 20:00 Uhr, Montag von 11:00 bis 19:00 Uhr

Eintrittspreise Erwachsene 10 Euro, Kinder 5 Euro, Historisch gewandete Besucher: 8 Euro, Kinder unter Schwertmaß haben freien Eintritt und Familien zahlen nur für das erste Kind.

Sonntag, 22. März 2015

Schauspiel: Türkisches Gastspiel mit deutschen Übertiteln

Das Theaterstück "Savas" (Krieg) von Lars Norén, ein Gastspiel von „Pürtelaş Tiyatro“ aus Istanbul, ist am 12. April, 18.30 Uhr im Schauspielstudio zu sehen - in türkischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Als der erblindete Soldat nach zwei Jahren aus dem Krieg zurückkehrt, rechnet niemand mehr mit ihm. Seine Frau ist längst mit seinem Bruder zusammen, die ältere Tochter prostituiert sich, die jüngere ist ihm fremd geworden. Aggressiv besteht der Blinde darauf, dass alles so sein soll wie früher - doch die Familie schweigt und weicht ihm aus...

Der Autor Lars Norén beschreibt einen universellen Krieg, in dem die Opfer nicht die Soldaten, sondern die Zivilisten sind. „Pürtelaş Tiyatro“ aus Istanbul bringt dieses hochaktuelle Theaterstück über Kriegsheimkehrer und ihre Familien auf die Bühne.

"Szene Istanbul" heißt eine türkische Gastspielreihe am Schauspiel Dortmund, die in Kooperation mit dem Mülheimer Theater an der Ruhr realisiert wird. Zu Gast sind jedes Jahr Theater aus Istanbuls vielfältigstem Viertel - Beyoglu, unterhalb des Taksim-Platzes gelegen und Partnerstadt(teil) von Dortmund.

12. April 2015, 18.30 Uhr im Studio / Schauspiel Dortmund (Hiltropwall 15)
Infos und Karten: 0231.50-27222 / http://www.theaterdo.de/detail/event/15930/
Preise: 15,- und 10,-€ (ermäßigt)

"Zwei Waagerecht": Theater im Depot zeigt eine "rätselhafte" Liebesromanze

Zwei äußerlich solide, aber innerlich vereinsamte Menschen, ein Mann und eine Frau, begegnen sich im leeren Zugabteil. Beide haben genug Schutzwälle um sich herum errichtet, doch die Vorliebe beider für Kreuzworträtsel bringt sie zaghaft miteinander ins Gespräch. Je mehr Rätsel gelöst werden, umso flüssiger wird das Gespräch und umso mehr Einblicke hinter die Fassaden werden gestattet - mit ungeahnten Folgen.

Vorstellung:
FR 27.03.2015 um 20 Uhr
Eintritt: VVK 13 € / 8 € erm.
AK 15 € / 10 € erm.
Ort: Theater im Depot
Regie: Jan Burdinski
Mit: Markus Veith, Laura Mann

Samstag, 21. März 2015

3. Kammerkonzert: Mit Kammermusik in den Frühling

Quintett. Foto: Magnus Heier
Das Johannes-Quintett musiziert seit 2006 gemeinsam. Neben der Musik verbindet die fünf Musiker auch eine enge Freundschaft – die beste Grundlage für ein langes, gemeinsames Musizieren. Zum 3. Kammerkonzert am 23.03. begrüßen sie musikalisch den Frühling mit Schubert und Brahms.

Es ist Brahms, Johannes Brahms, der Namenspatron des Johannes-Quintetts ist. Und das ist durchaus erstaunlich. Denn für die Besetzung des Johannes-Quintetts mit zwei Violinen, einer Viola und zwei Violoncelli gibt es kein Werk von Brahms. Das einzige so geartete Werk vernichtete der Komponist nach Kritik seiner Freunde Joseph Joachim und Clara Schumann. Es gibt allerdings mehrere Rekonstruktionen der Urversion dieses op. 34. Doch davon liegt beim 3. Kammerkonzert keine auf den Pulten des Quintetts. Sie haben sich für sein Streichquintett op.88 entschieden, das Brahms selbst „ein Frühlingsprodukt“ nannte. Dabei wird ein Violoncello den Part der zweiten Viola übernehmen.


Das andere Kammermusik-Werk des Abends ist wohl das berühmteste Streichquintett für die Besetzung mit 2 Violoncelli: Franz Schuberts Streichquintett C-Dur op. 163. In der Kammerkonzert-Reihe präsentieren sich Musiker der Dortmunder Philharmoniker und Gäste auf eine musikalisch sehr intime Art. Gerade das Mit- und Füreinander, das Kammermusik von den Spielern fordert, wird beim Johannes-Quintett hörbar zur Freude.

Johannes-Quintett:
Branca Weller, Violine
Maurice Maurer, Violine
Armin Behr, Viola
Hauke Hack, Violoncello
Christiane Schröder, Violoncello

TERMIN: 23.03.2015, 20 Uhr, Orchesterzentrum NRW

Karten unter 0231-50 27222 oder philharmoniker.theaterdo.de

Weitere Infos: www.doklassik.de

Ausstellung: "Angenehmer Aufenthalt" im Museum Ostwall

Andy Warhol und Ketty La Rocca widmen
 sich mit ganz verschiedenen Absichten
 der Arbeit am Mythos Marilyn Monroes

Bild: Jürgen Spiler
Unter dem Motto "Angenehmer Aufenthalt. Sammlung in Bewegung " werden vom 21. März bis zum 30. August Schätze aus den 1950er bis 1970er Jahren aus der Sammlung des Museums Ostwall präsentiert.

In diesem Sommer wird im Museum Ostwall Außergewöhnliches geboten: Da die Meisterwerke der Klassischen Moderne als Leihgabe auf der Ebene 6 des Dortmunder U zu sehen sind, eröffnet sich für einen kurzen Zeitraum die Möglichkeit, Schätze aus den 1950er bis 1970er Jahren großflächig zu präsentieren.

"Licht und Bewegung" ist das Motto eines gänzlich neu gestalteten Raumes, der (Licht-)kunst der Gruppe Zero und verwandter Künstler mit optischen Phänomenen vereint: der "Lichtgeist" Otto Pienes bringt das "Lichtrelief" Heinz Macks zum Strahlen; Adolf Luthers "Lichtschleuse" und "Spiegelobjekt" ermöglichen eine sich immer wieder verändernde Raumwahrnehmung. Nach längerer Abwesenheit ist Raimund Girkes "Weiß-Raum" wieder zu sehen, und Bernard Aubertins "Tableau Feu" ist im wörtlichen Sinne ein "Feuer-Bild".

"Knallbunt" wird es in der Abteilung "Form und Raum": Die für die 1960er und 1970er Jahre typischen Siebdrucke von Roland Altmann und Viktor Vasarely erzeugen komplexe Illusionen von Dreidimensionalität, während sich die "Satzzeichen" ("ponctuation") Pol Burys im wahrsten Sinne des Wortes in den Raum "hineintasten". Erstmals im Dortmunder U ist eine Arbeit Alfonso Hüppis zu sehen, der irritierende Wechselwirkungen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität erzielt. Hartmut Böhm entwickelte aus weißen Lamellen eine "Struktur im Kubus", während Piero Manzoni mit seiner weißen Stoffarbeit "Achrome" den Schritt von der Leinwand in den Raum hinein vollzieht.

Portraits der besonderen Art sind im folgenden Raum zu sehen: Andy Warhol und Ketty La Rocca widmen sich mit ganz verschiedenen Absichten der Arbeit am Mythos Marilyn Monroes, während Milan Knizak und HA Schult Inszenierungen des eigenen "Künstler-Ichs" präsentieren. Konrad Klaphecks "Egozentriker" hat alles Menschliche verloren; Renate Goebels "Freundin Inge am Wannsee" sucht in unmittelbarer Nachbarschaft – allzu menschlich – nach Entspannung.

Parallel hierzu zeigt das MO im Grafik-Kabinett die Ausstellung "Menschenbilder" mit Werken sowjetischer Künstler aus den 1960er Jahren. Zu sehen gibt es dabei höchst unterschiedliches: Neben humorvoll bis skurril anmutenden Collagen Anatol Brusilowskijs hängen phantasievolle Zeichnungen von Ilja Kabakow und Ülo Sooster, das expressive "Porträt eines Dichters" von Wladimir Jakowlew, menschliche "Planzeichnungen" von Wladimir Jankilewskij und futuristische Mensch-Maschinenwesen von Ernst Neiswestny. Bei aller Verschiedenheit ist ihnen die Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksmitteln abseits des vom Staat propagierten Sozialistischen Realismus gemein.

An der Schwelle von bildender Kunst und Theater sind die Werke Dick Higgins’ einzuordnen. Als "Erfinder" des Konzepts "Intermedia", d.h. der Verbindung verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen und der Überwindung ihre jeweiligen Grenzen, entwickelte er aus Text, Bildern und Improvisation komplexe Performances, bei denen das Publikum Teil des Geschehens wurde. Seine Stücke "Saint Joan at Beaurevoir – A Ceremony through the Flames” und "Staecked Deck” werden mit Texten, Fotografien und anderen Exponaten dokumentiert, die Bühnensituation durch Projektionen handbemalter Dias inszeniert. Auch seine "Graphis" genannten Zeichnungen, die auf den ersten Blick wie geometrische Muster wirken, den Schauspielern jedoch als Bewegungsskizzen dienten, sind zu sehen.

Ein besonderer Raum wird zum 20. Todestag des Fluxus-Künstlers Al Hansen eingerichtet, der das Material für seine Arbeiten aus den Überresten der Wegwerfgesellschaft bezog. Werke aus der Sammlung des MO – darunter einige seiner berühmten "Hershey-Collagen" – werden durch Leihgaben aus der Sammlung Braun/Lieff sowie Leihgaben von Wegbegleitern des Künstlers - Hannah und Hari Hoffmann und Hans-Hermann T. - ergänzt. Zentral ist die Figur der Venus, die Hansen aus Streichhölzern, Pralinenpapier oder Plakatabrissen gestaltete.

Weiterhin sind zu sehen: Werke von Künstlerinnen und Künstlern der Fluxus-Bewegung und verwandter Kunstformen wie z.B. Allan Kaprow, Alison Knowles, Wolf Vostell, Joseph Beuys oder Dieter Roth; eine Auswahl von Werken des Nouveau Réalisme; Plastiken von Agostino Bonalumi, Thomas Rentmeister und Susanne Thiemann im Dialog mit Videoarbeiten Erwin Wurms; Fotografien von Anna und Bernhard Blume, Matthias Koch und Bernd und Hilla Becher, zwei Klangkunstarbeiten von Christina Kubisch, Farbmalerei von Ricardo Saro, eine Rauminstallation von Mark Dion und Foto- und Videoarbeiten von Freya Hattenberger, Tobias Zielony, Adrian Paci und Martin Brand.


Offene Angebote für Kinder und Jugendliche:

Ergänzend zum Kunst-Set für Kinder erscheint als weiteres offenes und kostenfreies Angebot ein Fluxus-Kartenset für Jugendliche. Handlungsanweisungen auf Fluxus-Werkkarten und -Jokern laden interessierte Jugendliche ein, die Kunstrichtung Fluxus durch eigenes Handeln kennenzulernen.

Ermöglicht wird das Fluxus-Kartenset durch die großzügige Unterstützung der Freunde des Museums Ostwall, der DEW21 und der Sparkasse Dortmund.

Museum Ostwall im Dortmunder U

Freitag, 20. März 2015

Themenabende für Pädagogen im Schauspiel Dortmund

Szene aus "Die Möglichkeit einer Insel"
Das Schauspiel Dortmund bietet zu den kommenden Premieren interessierten Pädagoginnen und Pädagogen Themenabende an. Die Veranstaltung zur Inszenierung „MOBY DICK vs. A.H.A.B. All Heroes Are Bastards“ findet am Mittwoch, 25. März, statt, der Themenabend zu „Die Möglichkeit einer Insel“ am Donnerstag, 26. März, jeweils um 18 Uhr im Institut des Schauspiel Dortmund (Hiltropwall). Beide Themenabende werden von der Theaterpädagogin Svenja Riechmann geleitet mit anschließendem Probenbesuch und Nachgespräch. Interessierte melden sich bitte an unter: junges-schauspiel@theaterdo.de. Informationen und Karten für beide Premieren (27. und 28. März) gibt es unter www.theaterdo.de.

Theater im Depot: Rolf Dennemanns "Unterwegs mit meinem Körper" hat Premiere

Eine Lese-Performance aus Text und Musik, eine Kombination aus Melancholie, warmen Worten und inspirierendem Humor – Kunst und Entertainment.

Im Jahr 2014 war der Autor in sechs verschiedenen Krankenhäusern zu Gast – als Patient und – in eigener Bestimmung - als Beobachter. Es zeigte sich das ganze Dilemma des „Systems Krankenhaus“. Er schildert ebenso tragische wie komische Momente und nennt dies Krankenhausreport. Vom Buchen eines Einzelzimmers über die monströsen Gänge in den Fluren, Kunst im Hospital, bis hin zu verwirrenden Erkenntnissen des Personals und die Ernährung für Kranke führen seine Streifzüge durch das Labyrinth der Gesundung. Das Programm ist nicht für Liegendkranke konzipiert, sondern setzt auf die menschlichen, alltäglichen, teils absurden Dilemmata, die uns allen begegnen.

Es ist das vierte Halbsolo-Programm, das auf die Bühne gelangt. Bei allen Programmen wurde er bisher begleitet. So auch dieses Mal, aber die Instrumentierung steht noch nicht fest. Das Programm ist in Arbeit.

Der Film- und Fernsehschauspieler, Theaterregisseur und Autor Rolf Dennemann präsentiert seine literarisch-satirischen Programme für kleine Bühnen mit Hilfe anderer Medien und einigen „Verrenkungen“. Er schreibt über seine Alltagsbeobachtungen und „Erkundungen der Heimat“. Ob als Ermittler in Sachen Selbsterkundung, über das Verschwinden von Briefkästen, über Laubbläser oder Arztbesuche, ob aus dem Leben eines Schauspielers, Erlebnisse in der Fremde oder die Frage „Kann man von Rosinenbrot Alpträume bekommen?“ – das sind Themen, die ihn an die Tat- und Denkorte führt und seine Ermittlungen vorantreiben - und die als „Soloprogramme mit Gästen“ auf Tournee gehen.

MI 25.03.2015 um 20 Uhr
FR 17.04.2015 um 20 Uhr

Eintritt: VVK 13 € / 8 € erm.
AK 15 € / 10 € erm.
Ort: Theater im Depot
Texte von Rolf Dennemann
Musiker: NN

Donnerstag, 19. März 2015

7. Philharmonisches Konzert beginnt und endet furios

Dirigent Marcus Bosch.
Von lauten und wuchtigen Klängen war das 7. Philharmonische Konzert eingerahmt, denn Rolf Liebermanns „Furioso für Orchester“ zu Beginn korrespondiert ganz hervorragend mit dem Finale von Beethovens Eroica ganz am Ende.

Star des Abends war aber die aus Israel stammende Klarinettistin Sharon Kam. Aus einer Musikerfamilie stammend, habe sie bereits mit vier Jahren angefangen, verschiedene Instrumente auszuprobieren, jedoch lange gebraucht um das eine zu finden, für das sie heute bekannt ist: die Klarinette. Als es dann soweit war, merkten sowohl sie selbst als auch ihr Umfeld, dass sie sich ganz vorne am Bühnenrand am wohlsten fühlt. Sie war für etwas geboren, das es damals in Israel noch gar nicht gab: eine Soloklarinettistin.


Dieses gute Gefühl ganz vorne auf der Bühne hat sie sich bis heute bewahrt. Bei ihrem Auftritt in Carl Maria von Webers erstem Klarinettenkonzert merkte man ihr die Freunde und die Begeisterung für die Musik an. Mit dem ganzen Körper ging sie mit, fast erinnerte ihr Auftritt an Tanzen. Sie versuche, weder dieses noch das Klarinettenkonzert von Mozart mehr als zehn Mal pro Jahr zu spielen, um sich diese Begeisterung zu bewahren, sagte sie im Vorgespräch, in dem sie sympathisch und erfrischend rüberkam. Ihre Lieblingsstelle in Webers Konzert sei eine Stelle im zweiten Satz, in dem die Musik nach dem Erklingen von drei Hörnern zum Thema zurückkehrt, verriet sie. Sharon Kam gönnte den Zuhörern noch eine schöne Zugabe von Béla Kovács.

Dirigent - und das erstmals in Dortmund - war Marcus Bosch, der im Gegensatz zu seinen Musikern auf den üblichen Frack verzichtete und im normalen Anzug kam. Bosch ist seit 2011 Generalmusikdirektor des Bayrischen Staatstheaters in Nürnberg. Zuvor war er lange GMD in Aachen gewesen.

Er möge sowohl die Arbeit mit einem festen Orchester, als auch das Schlafen in fremden Betten, sagte er im Vorgespräch mit Orchestermanager Michael Dühn. Dieses Bild nutzte er ganz nebenbei zu einem kleinen Seitenhieb auf die Dortmunder Hotelszene, die wohl nicht seinen Ansprüchen genügte. Allerdings erklärte er nicht, was er genau damit meinte.

Manchmal sei es bei der Arbeit auswärts schön zu wissen, dass man ein eigenes Orchester zu Hause habe, sagte er auch. Ob das auch in Dortmund galt, behielt er für sich.


Bosch versprach den Zuschauern, dass sie an diesem Abend schnell wieder zu Hause sein würden. Dafür fege aber ein Tsunami durch die Reihen. Er hielt in beiderlei Hinsicht Wort. Bosch spielte den Beethoven furios und schnell, ohne es an Feinheit und Detailreichtum missen zu lassen.

Andreas Schröter

Museum Ostwall: Ausstellung für Tiere eröffnet

Die Kinder bastelten zum Thema
"Schlaraffenland" verlockende Bilder aus Hundeleckerlis.
Bild: Mila
Das Museum Ostwall im Dortmunder U zeigt auf dem Vorplatz des Dortmunder U bis 19. April die "Ausstellung für Tiere".

Die beiden Künstler Dieter Roth (1930 – 1998) und Richard Hamilton (1922 – 2011) malten im Sommer 1976 Bilder für Hunde und stellten sie in ihrer Ausstellung "collaborations" in der Galeria Cadaqués in Cadaqués/Spanien aus. Auf Augenhöhe von Hund und Mensch hängten die Künstler Bilder von Würsten, Laternenpfählen oder Gummiknochen. Dabei stellten sie fest, dass die Hunde eher Gerüchen als Objekten Interesse entgegenbrachten.

In drei Kunstkursen mit Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen vier und 14 Jahren greift das Museum Ostwall im Rahmen seiner Wechselausstellung "Arche Noah. Über Tier und Mensch in der Kunst" die grundlegende Idee einer Ausstellung für Tiere auf.

Welche Erfahrungen die Kursteilnehmer bei der Wiederaufnahme der Idee der Künstler Roth und Hamilton machten und welche "Kunstwerke" sie sich für Hunde, Katzen, Vögel, Eichhörnchen, Füchse oder andere Tiere in der Stadt haben einfallen lassen, können die Besucherinnen und Besucher auch mit ihren Haustieren in der "Ausstellung für Tiere" auf dem Vorplatz des Dortmunder U selbst entdecken.

Besucherinnen und Besucher haben zu jeder Tageszeit die Gelegenheit, die "Ausstellung für Tiere" auf dem Vorplatz des Dortmunder U zu besuchen.

Mittwoch, 18. März 2015

Sissikingkong: Sascha Bisley liest aus seiner Autobiographie "Zurück aus der Hölle"

In und um Dortmund herum wird Sascha Bisley seit Jahren gefeiert, doch spätestens Mit Erscheinen seiner Autobiographie "Zurück aus der Hölle" kennt man ihn deutschlandweit. Am Donnerstag (26.3.), 20 Uhr, liest er am elektrischen Kamin im Sissikingkong an der Landwehrstraße 17.

Sascha Bisley ist dortmunder Schriftsteller mit sauerländischem Migrationshintergrund. 1973 geboren, in einer Arbeiterfamilie als Jüngstes von sieben Kindern groß geworden arbeitet er seit 2004 als Autor, Fotograf, Filmemacher und Künstler in der Bierstadt im Herzen des Ruhrgebietes. Bisley schreibt Prosa, Kurzgeschichten und Lyrik. 

Die rissige Vergangenheit des "Currywurst-Bukowskis", wie er in der taz genannt wurde, kommt in seinen Texten immer wieder durch. Bisley will nicht unbedingt gefallen, das wird einem schnell klar. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ist er direkt, ehrlich und unbarmherzig. Am meisten zu sich selbst.
Diese Haltung findet man auch in seiner Internetpräsenz wieder, sein Blog www.dortmund-diary.de enstand aus einer Laune und ist innerhalb kürzester Zeit zu einem stark frequentierten Lesespaß für sämtliche Bevölkerungsschichten geworden. Seit 2011 bloggt er zusätzlich auf der Internetseite der Ruhrbarone, einem Journalistenblog mit über 200.000 Clicks im Monat und somit einer der meistaufgerufenen Newsblogs Deutschlands.
Die Texte, die durchaus zwischen total asozial und erschreckend eloquent angesiedelt werden können, begeistern seit Anfang 2013 auch die Leser des Correct!v-Magazins, bei dem Bisley redaktionell tätig ist und veröffentlicht. Mit den Ruhrpott-Lokalheroes Wattenscheider Schule und dem Herausgeber David Schraven gründete Bisley 2013 die neue Schreibschule und Guerillaliteratengang SQuAT.

44309streetartgallery: Ausstellung mit Siebdrucken verschiedener europäischer Künstler

In der 44309streetartgallery an der Rheinischen Straße 16 zeigt "Urban Pott" vom 6. bis 20. April Siebdrucke der europäischen Street-Künstler Pure Evil (GB), Blek le Rat (Frankreich), Mad C (Deutschland), Doppeldenk (Deutschland), Telmo & Miel (Netherlands), Emess (Deutschland), M-City (Polen) und Alice (Italien). Die Gemeinschaftsausstellung vereint Künstler verschiedener Generationen und unterschiedlicher künstlerischer Stile -von Stencils zu Graffitiart,- wobei das weite kreative Spektrum moderner europäischer Street Art offenbart wird. 

Zur Eröffnung am 6. April wird der französische Stencilkünstler Blek le Rat eine seiner lebensgroßen Schablonenbilder live sprühen.

Dienstag, 17. März 2015

Künstlerhaus: Freitag läuft das Konzert "nyak 3"

Im Künstlerhaus am Sunderweg 1 läuft am Freitag (20.3.), 20 Uhr, das mex-Konzert "nyak 3". Hier die beteligten Künstler:
  • Ralf Schreiber [GER] // Overheadprojektor, Motoren, Kontaktmikrofone: Schwingende Gummisaiten, rotierende Flächen und vibrierende geometrische Muster: Ralf Schreiber schiebt solarbetriebene, kinetische Roboter und Kleinstmotoren, die mit Kontaktmikrofonen versehen sind, über den Overheadprojektor und kreiert damit zeitgleich einen Schattenfilm nebst dem dazugehörigen Soundtrack. Selbstgebaute, eigensinnige Apparate in ständigem Versuch, Performer und Publikum zu überraschen!
  • Junya Oikawa [JAP] // Computer, Voice, Recordings: Eine andere Überraschung war wohl der französische Quarz Music Award für Junya Oikawa, den zuvor Pierre Henry oder auch Björk empfangen haben. Der Japaner arbeitet momentan für das ZKM in Karlsruhe und entwickelt neben Klanginstallationen in der Natur seine Konzertperformances auf Basis von Stimmen und täglichen Geräuschen.
  • Richard Lerman [USA] // Piezo-Disks, Gegenstände: Als Pionier der Piezo-Disks verblüfft Richard Lerman seit 1961 kontinuierlich mit vermeintlich unhörbaren Klängen von mikrofonierten Kakteen, Dornzweigen oder dem Laufen von Ameisen. Zusammengetragen zwischen Arktik und den Galapagos Inseln, führen uns seine Klangsouvenirs durch seinen geschärften Entdeckergeist in die auditive Mikroskopie der Welt.
Für alle, die vor dem Konzert die Ausstellung "wirklich.wirklich." sehen möchten: sie ist an diesem Abend bis 20 Uhr geöffnet.

Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei,
der Konzerteintritt am Freitag beträgt 6 EUR.

Veranstaltet von mex e.V. mit freundlicher Unterstützung durch das Künstlerhaus Dortmund, sowie Pro Jazz e.V. und das Kulturbüro der Stadt Dortmund. mex wird kuratiert von Achim Kämper. www.mexappeal.de

Neue Broschüre zu Denkmälern in der Innenstadt-Ost erschienen

Thomas Renzel (Geschäftsführer
 des Stadtbezirksmarketings Innenstadt-Ost),
 Udo Dammer (Bezirksbürgermeister Innenstadt-Ost),
 Frank Groening (Redakteur der Heftreihe)
 präsentieren das Heft "Erinnerungsorte" 

Bild: Rüdiger Beck
Das sechste Heft aus der Reihe "Geschichten aus dem Stadtbezirk" liegt nun vor und beschäftigt sich mit den Denkmälern in der östlichen Innenstadt.

Was haben der Wasserturm am Heiligen Weg, die alte Platane auf dem Ostfriedhof und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Westfalenpark gemeinsam? Alle drei sind Denkmäler. Dennoch bestehen deutliche Unterschiede zwischen ihnen - ein Umstand, der die Wahl des Hefttitels der vorliegenden Ausgabe verdeutlicht. Bewusst lautet er nicht "Denkmäler", sondern "Erinnerungsorte". Der Wasserturm ist ein Baudenkmal, die Platane ein Naturdenkmal - und das Kaiser-Wilhelm-Standbild einfach nur ein Denkmal?

Wie mündliche und schriftliche Tradition, künstlerische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und jedwede andere denkbare Form des Erinnerns sollen auch Erinnerungsorte die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten. Aber wozu? Erinnerung ist unentbehrlich, weil sich Erinnerungs- und Erzählgemeinschaften verändern, altern und mit der Zeit auflösen. Zeitzeugen sterben und die Frage, wie das damals denn genau gewesen sei, kann irgendwann nicht mehr aus erster Hand beantwortet werden. An die Stelle der (sich) Erinnernden treten in manchen Fällen besondere Orte der Erinnerung. Anders als Bau- und Naturdenkmäler sollen sie auf Gedanken, Gefühle und Verhalten ihrer Rezipienten abzielen. Erinnerungsorte sollen nicht um ihrer selbst willen bestehen, sondern über sich selbst hinaus auf etwas Drittes verweisen.

Das Heft ist in fünf große Themenblöcke aufgeteilt: Kult(ur), Arbeitswelt, Politik, Kirche, Krieg und Völkermord. Ein weiteres Kapitel umfasst Orte, die weder an Personen noch Ereignisse erinnern, sondern dem Erhalt eines bestimmten historischen Wissens dienen und auf diese Weise aus dem Rahmen fallen. Ein breites Spektrum, das hoffentlich neugierig auf die Geschichten macht, die die ausgewählten Erinnerungsorte im Stadtbezirk Innenstadt-Ost erzählen.

Das Heft ist sowohl in gedruckter Form als auch in einer Online-Ausgabe verfügbar

Montag, 16. März 2015

Theater im Depot: André Wülfing erzählt Geschichten aus Irland

André Wülfing erzählt wieder live im Theater im Depot: Diesmal alte und neue Geschichten, Anekdoten und Legendenhaftes aus Irland - am Sonntag (22.3.) um 18 Uhr.

Wer Wülfing kennt, weiß um seinen tiefsinnigen Schalk. Skurril sind sie, seine Geschichten, mit immer wieder neuen, überraschenden Wendungen, und sie erwecken eine wilde Schar original irischer Typen zum Leben. Mit feinem Gespür für Pointen, mit unterschiedlichsten Sprachfacetten, Gestik und Mimik weiß Wülfing sein Publikum in den Bann zu ziehen. Nicht nur für Irland-Fans ein stimmungsreiches Programm, das einen kurzweiligen Abend garantiert.

SO 22.03.2015 um 18 Uhr
Eintritt: VVK 13 € / 8 € erm.
AK 15 € / 10 € erm.
Kinder bis 14 J. VVK + AK 5 €

Kartentelefon (AB): 0231 / 98 22 336
Ort: Theater im Depot, Immermannstr. 29

www.depotdortmund.de

Atelier Anschnitt: Foto-Künstlerin Kathryn Baingo zeigt ihre Arbeiten

Nach zwei eher malerisch-grafischen Ausstellungen geht das Ausstellungsjahr 2015 im Atelier Anschnitt an der Hombrucher Straße 59 mit einer reinen Foto-Ausstellung weiter.

Die Foto-Künstlerin Kathryn Baingo aus Unna zeigt bis zum 21. April eine Auswahl ihrer Projekte in der Hombrucher Str. 59.

Unter dem Titel "Familienbanden" zeigt sie zwei Projektzyklen, die wahre Geschichten aus dem "Wohnzimmer" zeigen. Der erste Zyklus heißt "Unsterblich", hierin inszeniert Kathryn Baingo Portraits von Menschen, die sich auch nach dem Tod ihres Haustieres von diesem nicht trennen konnten. Im zweiten Projektzyklus mit dem Titel "Die zweite Generation" werden Familien gezeigt, die sich aus den flippigen Teenagern der 80er und 90er Jahre entwickelt haben. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel lassen Sie sich als Betrachter irritieren.

Im Anschluss ist die Ausstellung bis zum 21. April zu besuchen.

Öffnungszeiten:
Dienstags 15-20 Uhr,
Sonntags 11-13 Uhr (außer an Feiertagen)
und nach Vereinbarung

www.anschnitt.de

Sonntag, 15. März 2015

Blackbox Flucht: Zwei Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea erzählen

Mit der Blackbox-Reihe unternimmt das Schauspiel Dortmund in Kooperation mit bodo e.V. und European Homecare den Versuch, dem unüberschaubaren Komplex der Zuwanderung nach Deutschland Bilder, Geschichten und Haltungen abzuringen - auf der Suche nach diskursiven Waffen gegen jede Form der Radikalisierung - das nächste Mal am 26. März um 19.30 Uhr in der Jungen Oper.

Amir (Name geändert) ist Anfang vierzig und kommt aus Syrien. Dort arbeitete er als Anwalt und engagierte sich politisch. 2014 musste er aus dem Inferno des syrischen Bürgerkriegs fliehen. Schlepper brachten ihn über die Grenze in die Türkei. Von dort aus sollte es mit einem kleinen Flugzeug nach Libyen gehen. Doch der Pilot musste in Algerien notlanden – und ein vierwöchiger Marsch durch die Wüste bis an die libysche Küste begann.

Täglich starben Flüchtlinge in der Gruppe: Vor Hunger, Durst und Erschöpfung. Amir schaffte es bis auf ein Boot, das ihn nach Palermo brachte. Er lebt in einer Dortmunder Flüchtlingseinrichtung, immer noch in Angst vor dem langen Arm des Assad-Regimes. Und jetzt?

Tafari (Name ebenfalls geändert) war Soldat in der eritreischen Armee und desertierte. Er floh vor Folter und Morddrohungen durch den Sudan, durchquerte die Wüste Sahara zu Fuß, überlebte die Flucht über das Mittelmeer, schaffte es bis nach Europa, Deutschland, Dortmund. Und jetzt?

In Kooperation mit bodo e.V. und European Homecare lädt das Schauspiel Dortmund dazu ein, Amir und Tafari kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören – in deutscher und arabischer Sprache. Mit Bastian Pütter (Moderation) und Said Arab (Übersetzung)

Der Eintritt ist frei.

Die Blackbox-Reihe unternimmt den Versuch, dem unüberschaubaren Komplex der Zuwanderung nach Deutschland Bilder, Geschichten und Haltungen abzuringen - auf der Suche nach diskursiven Waffen gegen jede Form der Radikalisierung. Schon in der ersten Folge BLACKBOX ABSCHIEBUNG wurde über zwei Stunden kontrovers diskutiert: zwischen Fachleuten, Asylbewerbern aus Syrien und Dortmunder Bürgern. Der zweite Teil stellt diesmal ganz die Geschichten von Geflüchteten in den Fokus: Auf welcher Route gelangt man von Eritrea oder Syrien nach Dortmund? Wieso ausgerechnet hierhin? Wie überwindet man unüberwindbare Hindernisse? Und – was erwartet einen, wenn man es endlich geschafft hat?

Westfälisches Schulmuseum: Ausstellung über Schule im Ersten Weltkrieg

Museumsleiter Rüdiger Wulf im
Westfälischen Schulmuseum.
"... und stricken fürs liebe Vaterland" heißt eine neue Ausstellung im Westfälischen Schulmuseum, An der Wasserburg 1 in Marten, in der es um Schule im Ersten Weltkrieg geht. Sie eröffnet am Sonntag (22.3.), 14.30-17 Uhr, mit kurzen Führungen und Gelegenheit zu Gesprächen bei Kaffee oder Tee.

Benachrichtigungen, Rundschreiben, Angebote aller Art flattern Schulen tagtäglich ins Haus. Das war in den Jahren 1914-1918 nicht anders, nur – was damals alltägliche Mitteilung war, kann für uns heute zum spannenden Zeitdokument werden. Die Ausstellung hebt sie – im wörtlichen Sinne – aufs Podest: die „Zettel“ mit maschinenschriftlichem Text zur Frage, wer Siegesfeiern anordnen darf, zur Brotmarken-Ausgabe in den Schulräumen, zur Werbung fürs Tragen von Holzschuhen, zum Rückgang von Zucht und Ordnung, zum Umgang mit flüchtigen Kriegsgefangenen, zum Sammeln von Gold, Gummi, Eicheln, Brennesseln, Obstkernen, zum Kriegsfilm, den der Dorfwirt und Kinematographenbesitzer Schulklassen bei ermäßigtem Eintritt vorführt.

Handschriftliche Schulchroniken aus der Kriegszeit geben zusätzliche Einblicke ins Alltagsleben, und dann gibt es auch noch das Klassenfoto mit den kleinen, Soldatensocken strickenden Mädchen und dem Spruch: „Wir regen fleißig unsere Kinderhand und stricken fürs liebe Vaterland.“

Samstag, 14. März 2015

Gereon Klug liest im Literaturhaus am Neuen Graben

Gereon Klug.
Gereon Klug liest am Mittwoch (18.3.), 20 Uhr im Literaturhaus Dortmund am Neuen Graben 78 aus seinem Buch "LOW FIDELITY. Hans E. Plattes Briefe gegen den Mainstream."

Gereon Klug (*1969 in Siegen) gilt als einer der originellsten Schreiber Deutschlands und ist Kreateur von Song-Ideen wie "Leider Geil" (Deichkind) oder Claims wie "Vom Austrinken bedroht". Er ist Erfinder des ersten essbaren Kochbuchs, das mit allen Preisen der Werbewelt - von Cannes bis New York - ausgezeichnet wurde. Zudem kennt man ihn als ewigen Tourmanager von Rocko Schamoni und Studio Braun und als Gründer der Hanseplatte, einem der besten Plattenläden Hamburgs.

Sein aktuelles Buch trägt den Titel "LOW FIDELITY. Hans E. Plattes Briefe gegen den Mainstream."
Wie verkauft man heute noch Schallplatten und CDs? Ohne Witz und doppelte Ironie ist der Sache nicht beizukommen. Dieses Buch enthält die Newsletter, mit denen Gereon Klug bzw. Hans E. Platte das Unmögliche versucht. Mitten in der nicht enden wollenden Krise der Musikwirtschaft gründete er einen Plattenladen im Hamburger Schanzenviertel und beweist mit seinen Texten, wozu modernes Anti-Marketing in der Lage sein kann: nämlich dem Kunden nonchalant Produkte unterzujubeln und das bereits steinzeitliche Medium der Rundmail vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren. Seine Briefe gegen den Mainstream berichten zudem davon, wie wichtig es ist, der Liebe und dem Hass auf Leben, Menschen und Musik eine ordentliche Portion Witz beizupacken.
Ein von Hans E. Platte kompilierter gleichnamiger Sampler macht die Briefe hörbar. Mit ausschließlich unveröffentlichten Tracks von u.a.: Adolf Noise, Die Sterne, Erobique, Rocko Schamoni, Kid Kopphausen, Heinz Strunk, Felix Kubin, Schorsch Kamerun, Lambert, Tocotronic, und Deichkind.