Donnerstag, 17. Dezember 2015

Oper in James-Bond-Manier: Premiere von Georg Friedrich Händels Rinaldo

Ileana Mateescu. Foto Philip Lethen
Jens-Daniel Herzogs Inszenierung der Oper RINALDO, die bereits große Erfolge am Opernhaus Zürich und Theater Bonn feierte, kommt endlich auf die Bühne des Dortmunder Opernhauses. In der Premiere am Samstag, 9. Januar 2016, um 19.30 Uhr werden Ileana Mateescu in der Rolle des christlichen Kreuzfahrers Rinaldo und Eleonore Marguerre als Zauberin Armida zu sehen sein.

Händels erste Londoner Oper Rinaldo schöpft aus den Legenden über die Helden des Ersten Kreuzzugs, den Heerführer Gottfried von Bouillon und seinem Ritter Rinaldo, die der Ferrareser Dichter Torquato Tasso in Verse gefasst hat. Im Heiligen Land sehen sich die christlichen Kreuzfahrer nichtnur den Sarazenen gegenüber, sondern auch einer Schar von Wesen mitübernatürlichen Fähigkeiten. Die Gefährlichste unter ihnen ist die ZauberinArmida. Sie hat sich in Rinaldo verliebt, und lässt deshalb dessen FreundinAlmirena verschwinden. Dasselbe hat sie mit Rinaldo vor. Doch ohne Rinaldokann Gottfried die Schlacht gegen den Sarazenenführer Argante nichtgewinnen. Rinaldo aber ist blind vor Liebe. Was interessiert ihn der Siegüber die Heiden, wenn seine Geliebte nicht bei ihm ist? Appelle an die Vernunft fruchten nichts, und so begibt auch er sich in Armidas schöne,aber fatale Fänge.

Herzogs RINALDO-Inszenierung bietet alle Zutaten für einen Politthriller und ein opulentes Bühnenspektakel. Die Handlung spielt in einen globalenKrieg um finanzielle und natürliche Ressourcen. In einem Flughafen und einer Hotellobby treffen die feindlichen Parteien zu Waffenstillstandsverhandlungen aufeinander. Festgesetzt in Transiträumen,in der es keine Heimat geben kann, gilt es, das Beste für sichherauszuholen und die eigene Verhandlungsposition zu stärken. InJames-Bond-Manier werden die Schwächen des Gegners offengelegt, um diese schonungslos auszunutzen. Rinaldo, durch jahrelange Kämpfe ermüdet undausgebrannt, muss stets aufs Neue durch seine Vorgesetzten für dieübergeordneten Kriegsziele motiviert werden. Goffredo, in dessen Diensten Rinaldo steht, überredet diesen zum Kampf durch die in Aussicht gestellte Heirat mit seiner Tochter Almirena. Almirena ist zwar hübsch aber auch sehr einfältig und ob der prognostizierte Blümchensex Rinaldo auf die Dauer befriedigen kann, ist höchst zweifelhaft. Dieser Zweifel entgeht der Sarazenin Armida nicht, die sich die emotionale Instabilität Rinaldos zunutze macht. Als Meisterin der psychologischen Kriegsführung ist es Armida gewohnt, Sex als Manipulationsmittel erfolgreich einzusetzen. Auf diese Weise plant sie, Rinaldo für das christliche Heer auszuschalten, so dass es zum Zusammenstoß der Gefühle kommt. Mit Rinaldo und Armida treffen zwei radikale Individualisten aufeinander, die sich nur so weit für politische und militärische Zwecke einspannen lassen, so lange diese sich mit ihren eigenen Zielen decken.

Mit seiner Oper RINALDO, einem Feuerwerk an verblüffenden Theatereffekten und einer Fundgrube unwiderstehlicher barocker Melodien, gewann Händel die Londoner so für seine Musik, dass sie ihn nicht mehr gehen ließen und der Hallenser zum größten englischen Komponisten seiner Zeit wurde. An Frische, Witz und Rasanz hat das Stück in den über 300 Jahren seit seiner Uraufführung nichts verloren.

Eine Koproduktion der Oper Dortmund mit dem Opernhaus Zürich und dem Theater Bonn.

Karten gibt es an der Tageskasse im Opernhaus, telefonisch unter 0231/50 27 222 oder auf www.theaterdo.de

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