Mittwoch, 4. November 2015

Watt'n Hallas geht in die nächste Runde

Dieter Kottnik: 'Spass anne Backen seit 1995'
Bild: Dortmund-Agentur / Thomas Kampmann
400 Events, 100.000 Besucher: Das ist die stolze Bilanz von 21 Jahren Watt'n Hallas. Vom 5. November bis 19. Dezember erwartet die Besucher im Fritz-Henßler-Haus wieder Spaß an trüben Novembertagen.

Es war irgendwann Anfang 1995. Comedy war dabei, dem altehrwürdigen Kabarett Konkurrenz zu machen. "Wenige Jahre zuvor gab es nur das Rocktheater Nachtschicht, Till & Obel und die Missfits, dazu noch im Süden Badesalz und noch weiter südlich Die Kleine Tierschau. Erst Anfang der 90er kamen immer mehr Spaßvögel dazu", erinnert sich Dieter Kottnik.


Politisch, satirisch, blödsinnig

Mal politisch, mal satirisch oder schlichtweg herrlich blödsinnig sei es zugegangen auf den Bühnen im Fritz-Henßler-Haus (FHH). "Immer mit liebevoller Unterstützung von Haus aus", ergänzt der Chefprogrammplaner. "Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann wir die Künstler zu einem Festival - übrigens dem ersten seiner Art - zusammen auf die Bühne stellen würden. Wir wurden damals für die Idee sehr belächelt; besonders von denen, die heute Zelte aufstellen, um gleiches zu tun", erinnert sich Kottnik. Im trüben November 1995 wurde Comedy-Festival-Premiere gefeiert: Zehn Auftritte in einem Monat begeisterten Organisatoren, Kritiker und Publikum.

Das Kind hatte noch keinen Namen. "Ich telefonierte immer mal wieder mit Uwe Lyko, den viele besser unter seinen Pseudonym Herbert Knebel kennen. Uwe erzählte mir von den Problemen mit dem Titel für sein neues Affentheater-Programm. Zu den Vorschlägen gehörte auch 'Watt’n Hallas'. Knebels neues Programm hieß aber 'Getz aber in echt'. Uwe genehmigte mir 'Watt’n Hallas' als Titel für das Festival. Und er ist damit Namensgeber und Taufpate", erzählt Kottnik.

"Who is who" der Comedy- und Kabarettszene

Lang, lang ist es her: Die Liste der Künstler von Watt’n Hallas 1 liest sich heute wie das "who is who" der Comedy- und Kabarettszene: Dieter Nuhr, Herbert Knebels Affentheater, Piet Klocke, Queen B. (mit Ina Müller), Atze Schröder (noch mit The Proll), Till & Obel, 3Gestirn Köln1 (mit Wilfried Schmickler), Michael Mittermaier u.a. "Das war alles so herrlich bekloppt, hemmungslos und anarchistisch, unberechenbar und spannend", schwärmt der Mann vom FFH. Dann kam irgendwann das Fernsehen, Comedy wurde Popkultur und unterwarf sich den Mechanismen der Unterhaltungsindustrie. Das Henßler-Haus blieb am Ball. Die Festival-Macher besuchten jährlich die Kulturbörse in Freiburg, Kottnik flog nach Edinburgh zum Fringe-Festival. „Wenn wir keine eigenen Veranstaltungen hatten, fuhren wir abends durch die Städte und sahen uns potenzielle Künstler an, die auch für das Hallas-Format geeignet waren."

Einige Entdeckungen waren darunter: Kaya Yanar, Mario Barth, Markus Krebs, Cindy aus Marzahn, Carolin Kebekus, Torsten Sträter, Als Poier, Sebastian Pufpaff, Rene Marik, u.v.a. „Wir holten das Team des Frühstyxradios 1996 mit Dietmar Wischmeyer, Oliver Kalkofe und Oliver Welke erstmals überhaupt nach NRW. Wir waren Austragungsort der 1. Weltmeisterschaft im Theatersport 2006 und Spielstätte des 1. Satirischen Sportjahresrückblicks 'Klopp kommt nicht' 2012 mit Fritz Eckenga, Peter Großmann und Gästen wie Manni Breuckmann, Werner Hansch und David Odonkor", zählt Dieter Kottnik auf.

Der Event-Wahn hat Einzug gehalten

Viel hat sich in den 20 Jahren verändert. Comedians proben nicht mehr den Klassenkampf, sondern erzählen von ihren Beziehungen, Haustieren und Verwandten. Das Publikum ist nicht mehr so mutig und hat sich auf einige große Namen festgelegt. Viele gehen heute lieber in Stadien und große Hallen mit Videowänden als in atmosphärisch dichte Spielstätten mit Körperkontakt. Gerade die junge Generation sieht heute ganze Shows durch einen 3,5-Zoll-Bildschirm. "Der Event-Wahn hat Einzug gehalten", formuliert es Kottnik trocken.

Das FFH hat dem Rechnung grtragen und "Watt’n Hallas" runderneuert. Die Festival-Macher präsentieren auch im 21. Jahr ein handverlesenes Programm mit aktuellen Stars der Spaßgesellschaft. Der Vorverkauf ist sehr gut gelaufen, es gibt nur noch wenige Restkarten für den Theatersaal, den Mundstuhl 2010 zum schönsten in ganz Deutschland erklärten.

Festivalübersicht (Stand 4. November)

05.11. Heinz Gröning: ausverkauft
06.11. Chris Tall: ausverkauft
10.11. Dietmar Wischmeyer: ausverkauft
12.11. Pawel Popolski: ausverkauft
13.11. Ralph Ruthe: ausverkauft
14.11. Sebastian Pufpaff: Premiere, ausverkauft, Vorstellung im FHH
15.11. Sebastian Pufpaff (Zusatzvorstellung): Restkarten
19.11. The Cat Pack: Restkarten
20.+21.11. Caveman: Restkarten
24.11. Carolin Kebekus: Premiere, ausverkauft
27.11. Die Feisten: Restkarten
10.-13.12. Sportjahresrückblick „Klopp kommt nicht“: 11.12. ausverkauft, 10. + 13. Restkarten
18.12. Akte X-Mas: ausverkauft
19.12. Akte X-Mas (Zusatzvorstellung): Restkarten
20.12. Frank Goosen: Restkarten

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