Samstag, 24. Oktober 2015

Humorvoll und blutig: "Besessen" im Schauspielstudio

Blutige Szene mit Sarah Sandeh und Ekkehard Freye
Foto: Hupfeld
Horrorspezialist Jörg Buttgereit hat wieder zugeschlagen. Nach dem großen Erfolg solcher Stücke wie zuletzt „Nosferatu lebt!“ hatte seine neueste Produktion „Besessen“ Freitag Premiere im Schauspielstudio – ein Werk, das Motive und Handlungsstränge aus bekannten Horrorstreifen wie „Der Exorzist“ oder „Rosmaries Baby“ aufgreift.

Zwei Freunde (Ekkehard Freye und Björn Gabriel) treffen sich bei Bier und Pizza zu einem Videoabend. Doch dann erwacht das Grauen in Gestalt des Mädchens Linda (Sarah Sandeh) nicht nur auf dem Bildschirm zum Leben ... Es ist herrlich, wie die Maske Ekkehard Freye mit Jogginghose, bedrucktem T-Shirt, langen Haaren und weißen Socken in einen typischen Video-Freak der 80er-Jahre verwandelt hat.

Linda (in Anlehnung an Exorzist-Hauptdarstellerin Linda Blair) schreit, tobt und wälzt sich auf dem Bett, und es ist beeindruckend zu sehen, wieviel körperlichen Einsatz Sarah Sandeh in diese Szenen legt. Die beiden Jungs beschließen, einen Exorzismus durchzuführen …

Sympathisch an dieser Produktion ist, dass sie sich selbst nicht bierernst nimmt. Vor allem im ersten Teil haben die Zuschauer viel zu lachen – und das ist schließlich etwas, das man bei diesem Genre nicht unbedingt erwartet. Für Lacher sorgte Björn Gabriel auch, als er einem Zuschauer, der offenbar von einem dringenden Bedürfnis geplagt zum Ausgang eilte, mitten in seinem Monolog von der Bühne aus nachrief: „Man kann doch auch vorher auf Toilette gehen.“ Mit wachsender Dauer wird’s dann blutig und durchaus manchmal ein bisschen ekelig, besonders als ein Horrorbaby geboren wird, womit die Handlung übrigens auch Motive aus dem Film „Die Wiege des Bösen“ aufnimmt. Nicht umsonst lässt das Schauspiel nur Zuschauer ab 18 Jahren hinein. Doch selbst in dieser Phase verliert es nicht seinen augenzwinkernden Charakter.

Uwe Rohbeck kommt als sinister schauendes „Das Böse“ ebenfalls noch zu seinem Auftritt. Sein Outfit erinnert an den Teufel in einem weiteren Genre-Klassiker: „Angel Heart“ von 1987.

„Besessen“ ist ein Stück, an dem all jene ihre Freude haben dürften, die sich erstens für Horror-Klassiker a la „Der Exorzist“ interessieren und zweitens nicht allzu zart besaitet sind.

Andreas Schröter

www.theaterdo.de




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