Montag, 19. Oktober 2015

Ballett: "Nussknacker" als bunte Comic-Welt

Auch eine verkappte Conchita (Dann Wilkinson)
hat im Zweiten Akt ihren Auftritt.
Foto: Bettina Stoess
Das Ballett geht in diesem Herbst auf Nummer Sicher und bringt den Genre-Klassiker schlechthin auf die Bühne – zumal in der Zeit vor und nach Weihnachten: Tschaikowskys „Nussknacker“. Und zwar in einer Version, die Weltstar Benjamin Millepied bereits 2005 entwickelt hat. Dortmund-Premiere war am Sonntag.

Bühnenbild und Kostüme stammen von dem Kinderbuch-Illustrator Paul Cox – und so kommt dieser „Nussknacker“ folgerichtig sehr bunt und comichaft daher. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch kompatibel für die ganze Familie, auch wenn diese Version nicht mehr viel mit der typischen geheimnisvollen und leicht gruseligen Grundatmosphäre in der literarischen Originalvorlage von E.T.A Hoffmann aus den Serapionsbrüdern gemeinsam hat („Nussknacker und Mäusekönig“). Macht nichts – als Zuschauer hat man an diesem Ballettabend auch abseits des Tanzes viel zu gucken, egal ob es ein auf dem Kopf stehendes Haus oder der Nussknacker mit Froschgesicht ist (das passt, schließlich verwandelt sich der Nussknacker wie der Froschkönig in einen Prinzen).

Abwechslungsreicher und ansprechender ist der erste Akt mit dem Weihnachtsfest in Claras Familie. Hier glänzt nicht nur die Compagnie mit gut einstudierten Bewegungsabläufen, die das ganze Gewusel nicht – wie bei der Uraufführung im 19. Jahrhundert – zum Chaos werden lassen, auch streuen Millepied und Cox hier in tänzerischer und bühnenbildnerischer Hinsicht viele kleine lustige und überraschende Ideen ein, wie das Alphorn, das Drosselmeier aus einem kleinen Hut zaubert. Der zweite Akt dagegen im Traumreich der Zuckerfee ist etwas statisch geraten, was auch an der Vorlage liegt. Clara (Sarah Falk) und ihr verwandelter Nussknacker-Froschkönig-Prinz (Alysson da Rocha Alves) sitzen fast die ganze Zeit auf einer mit allerlei Kuchen und Süßigkeiten vollgestellten Bühne und verfolgen die (Volks-)Tänze, die ihnen geboten werden.

Millepieds „Nussknacker“, der in großer Besetzung plus Kinderchor der Chorakademie daherkommt, bietet ein hervorragendes Ziel, um sich mit der ganzen Familie vor Weihnachten ein wenig in Stimmung zu bringen und eine zweistündige Auszeit vom üblichen Stress in dieser Jahreszeit zu nehmen. Echte Tanzfreaks dagegen dürften mehr Spaß an Abenden wie zuletzt zum Beispiel „Drei Streifen: Tanz“ haben.

Andreas Schröter


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