Donnerstag, 20. August 2015

Schauspiel: "Die Show" hat Sonntag Uraufführung

Sebastian Kuschmann
"DIE SHOW – Ein Millionenspiel um Leben und Tod" von Kay Voges, Anne-Kathrin Schulz und Alexander Kerlin, hat Sonntag (23.8.), 19.30 Uhr, Uraufführung im Schauspielhaus - ein Stück frei nach Wolfgang Menge und Tom Toelle.

„Wetten dass..? war gestern - jetzt geht es um alles! Das deutsche Volk hat schon viel zu lange die schönste Saalwette gekürt, den Dschungelmonarchen gekrönt, das Topmodel gecastet, den Superstar gesucht oder den Raab geschlagen. Jetzt flüchtet ein Mensch um sein Leben und muss über alle Grenzen. Für eine Million Euro. Und Sie sind live dabei! Die spektakulärste Show der Gegenwart! Mit zahlreichen internationalen Showacts wie Baby Bengg aus Japan – moderiert wie immer von Ihrem geliebten Bodo Aschenbach und seiner reizenden Assistentin Ulla!“

So wirbt der Fernsehsender DIE-TV für die heftig umstrittene DIE SHOW. Wer riskiert für 1.000.000,- Euro sein Leben und tritt an gegen das gerissene Killer-Kommando? In der zehnten Staffel heißt dieser Mann Bernhard Lotz: Ein freundlicher Bäckergeselle aus Dortmund, durchtrainiert bis in die letzte Muskelfaser, wagemutig und vielseitig ausgebildet wie ein antiker Zehnkämpfer. Aber wird Lotz es schaffen, die fünf überharten Spiele zu durchstehen, die sich Bruno Hübner, Natascha Linovskaja und Howie Bozinsky vom Kommando für ihn ausgedacht haben? Und wird er den sechsten Tag überleben und es bis ans Ziel seiner Träume schaffen, wenn das Kommando ihn quer durch Dortmund treibt und nichts im Sinn hat als ihn zu töten? Wer bekommt am Ende den Geldkoffer, der im Schauspielhaus Dortmund deponiert ist – Flüchtling oder Jäger?

Die Regeln des Spiels (entwickelt in enger Abstimmung mit §22 des Gesetzes zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung vom 1. März 2014) sind wie folgt: Spielarena ist das gesamte Dortmunder Stadtgebiet. Der Kandidat ist unbewaffnet. Seine Jäger haben am sechsten Tag die Lizenz zum Töten. Je später sie ihn töten, desto höher ihr Preisgeld. Der Kandidat gewinnt das Spiel nur, wenn er während der Live-Show auf der Bühne eigenständig den roten Buzzer drückt.

Noch einmal aus dem Werbetext von DIE-TV: „Lassen Sie sich also prächtig unterhalten, wenn eine Kreatur um ihr Leben ringt. Das ist Ihr gutes Recht als Fernsehzuschauer. Und urteilen Sie selbst: Hat Bernhard Lotz ein besseres Leben verdient – oder den Tod?“

DIE SHOW ist ein Stück von Kay Voges, Alexander Kerlin und Anne-Kathrin Schulz, für das die drei Theatermacher u.a. die Mediensatire „Das Millionenspiel“ von Wolfgang Menge (1970) weiterentwickelt und um zahlreiche Gegenwartsbezüge erweitert haben: Flucht, Grenzen, die Zukunft Europas und des Nationalstaats Deutschlands sowie die medialen Diskurse und Vorurteile um diese Themen herum – eingefasst in ein Show-Format, dass so scheinbar harmlos und sexy daherkommt wie „Wetten Dass..?“ oder „Tutti Frutti“. Ist die DIE SHOW also Fernsehen at its best? Unterhaltung, Politik, Nationalgefühl, ungebremste Schaulust, populistische Vorurteile und Meinungsmache bauen sich in der DIE SHOW aneinander auf – und zwar wie so oft in der Betrachtung und Bewertung des Elends eines Einzelnen.

Bernhard Lotz steht exemplarisch für das menschliche Drängen hin zu einem besseren Leben – was vom Publikum bekanntlich so lange goutiert wird, bis es sich selbst davon bedroht fühlt. Denn der Spaß hört immer genau dort auf, wo sich das Gefühl ausbreitet, die eigenen Honigtöpfe seien in Gefahr. Wer um seinen Besitz bangt, wer in Sorge um die Sippe ist, macht bekanntlich die Schotten dicht, lässt die Rollläden herab, zieht kilometerlange Stacheldraht-Zäune und Mauern hoch und schaut dann nachdenklich dabei zu, wie sich die Elenden die Stirn an den selbst gezogenen Grenzen blutig schlagen. Ein Spiel? Auch für die DIE SHOW gilt die alte Weisheit: Nichts ist ohne Ambivalenz.

www.theaterdo.de




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