Sonntag, 14. Juni 2015

Schauspiel: Dortmunder Sprechchor feierte seine dritte Premiere

Szene aus "Kaspar Hauser und die Sprachlosen
von Devil County": Foto: Szekely
Der Dortmunder Sprechchor am Schauspiel ist eine Erfolgsstory. Haben andere Chöre der Stadt mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, erlebt dieses Projekt immer mehr Zuwachs. Mittlerweile besteht es aus über 100 Menschen – zumeist Frauen. Doch in der schieren Größe liegt eine Gefahr, die sich bei der neuesten Premiere „Kaspar Hauser und die Sprachlosen von Devil County“ am Samstag bereits andeutete: Irgendwann könnte das Ganze zu groß und damit nicht mehr handlebar werden. Schon jetzt war die Bühne im Studio beim (langen) Schlussapplaus beinahe zu klein, um alle Akteure aufzunehmen. Schon jetzt waren mehr Chormitglieder auf der Bühne als Zuschauer davor. Masse statt Klasse?

Nein – das zu behaupten, wäre ungerecht. „Kaspar Hauser“, eine Collage um Themen wie Sprache und Sprachlosigkeit und Fragen wie „Wie zwängt man ein Individuum in die Wertmaßstäbe unserer Gesellschaft, und ist es überhaupt sinnvoll, das zu tun?“, ist ein unterhaltsamer Abend, der an keiner Stelle langweilig wird. Wie schon bei den beiden Vorgängerproduktionen des Sprechchors, „Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“ und „Die Hamletmaschine“ wundert man sich, welch überraschende Geräusche in welcher Lautstärke eine (große) Gruppe von Menschen erzeugen kann. Da kommt schiere Wucht von der Bühne. Und doch: Das, was „Margot Maria Rakete“ (Premiere im Juni 2013) ausmachte – die kleinen lustigen Szenen zwischendurch, die Kostümwechsel, die Abwechslung – all das fehlt ein wenig in der neuen nur rund 65 Minuten kurzen Produktion. Alles bleibt ein wenig im gedeckten beige-gelben Einerlei. Gut, es gibt zwischendurch auch Männer mit rot lackierten Fußnägeln im roten Frauenkleid. Aber so richtig neu ist das schließlich auch nicht.

Erstmals dabei war der in dieser Spielzeit neu gegründete Kindersprechchor, wobei die (wenigen) Jungs so gekleidet waren, wie man die Darstellung des Kaspar Hausers aus dem 19. Jahrhundert kennt. Die Mädchen erstrahlten im engelhaften Weiß. Auch wenn man von diesem Kinderchor in Anbetracht der Kürze seiner Existenz sicherlich noch keine Wunderwerke erwarten darf, waren die Kleinen eine Bereicherung für die Produktion – und ernteten am Ende einen extradicken Applaus.


Bleibt noch die Frage, wer eigentlich "Die Sprachlosen von Devil County" sind. Die Antwort liegt auf der Hand: das schweigende Publikum.

Die Musik – zumeist in Singer/Songwriter-Manier - kam live von Tommy Finke, der auch schon an anderen Produktionen des Schauspiels mitgewirkt hatte. Regie führten Thorsten Bihegue und Alexander Kerlin, für die Bühne war Jan P. Brandt zuständig, für die Kostüme Clara Hedwig.

Zum Sprechchor gehören: Gerlinde Albers, Regine Anacker, Barbara vor den Bäumen, Bettina Bartsch, Sabine Bathe-Kruse, Ramona Beissert-Dworschak, Birgit Bergstermann, Dorothea Borghoff, Barbara Born-Wildt, Gabriele Brozio, Heidemarie Brüne, Heide Buhren, Jo Bullmann, Bärbel Capelle, Margret Corcilius, Krimhild Dahlheimer, Constanze Emmerich, Solveig Erdmann, Lilli Fehr-Rutter, Claudia Flenner-Nordhaus, Bernhild Flenner-Wechselberg, Jürgen Frins, Ursula Gelzinnus, Birgit Gesing, Reza Ghazi, Brigitte Giese, Bärbel Göbel, Elke Grevel, Waltraud Grohmann, Bozena Anna Gronert, Anne Grundmann-Sanz Pamies, Jürgen Hecker, Sylvia Heger, Sabine Hensel, Udo Höderath, Henri Hoffmann, Lia Imbach, Peter Jacob, Angelika Jankowski, Christine Jung-Bardy, Rika Kaestner, Tassilo Kaestner, Elke Kalwa-Feige, Jörg Karweick, Sabine Kaspzyck, Ingrid Kemming, Margret Kloda, Sarah Klung, Karin Knoll, Ingrid Kremin, Silke Kuhnlein, Ellamarie Kuke, Elke Kuran, Heike Lorenz, Jürgen Luga, Anne Malkowski, Ingeborg May, Beate Morgenthal, Marina Müller, Ulrike Müller, Inge Nieswand, Katrin Osbelt, Günter Ott, Heidi Ott, Irene Pähler, Elke Recks, Sylvia Reusse, Traudel Gundula Richard, Beate Ritgen, Petra Maria Roth, Maria Rühling, Edgar Rupp, Anette Schäfer, Monika Schlöter, Bärbel Schreckenberg, Maria Schriewer, Roland Schröter-Liederwald, Christoph Schubert, Regina Schulz, Nora Sladek, Ulrike Späth, Rita Spieker-Thiele, Angelika Spieler, Ursula Stadermann-Hellweg, Elisabeth Stamm, Verena Stanislawski, Nina Steinert, Sigrid Täubert, Gisela Tripp, Marlis Troche, Leonie Uliczka, Isabel Uliczka, Andreas Vollmer, Reinhilde Walkenhorst, Saskia Warmers, Viola Wehn, Sabine Weiland, Lea Sofie Wesner, Ulli Wildt, Angelika Willers, Hedda Zeitler.

Zum Kindersprechchor gehören: Chantal Bode, Alexei Fihmann, , Anastasia Fihmann, Carla Fischer, Rieke Grohmann, Nelly Jung, Shamayim Katz, Amelie Krämer, Ella Kruse, Felicia Licht, Alice Simon, Amelie Uliczka, Leonhardt Walkenhorst, Michal Zamir.

Andreas Schröter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen