Donnerstag, 4. Juni 2015

Philharmoniker: Ein rauschhafter Wagner zum Spielzeitabschluss


Na klar, eine Spielzeit, die die Dortmunder Philharmoniker unter das Motto „held_innen_leben“ gestellt hatten, muss heldenhaft enden. Und was wäre da besser geeignet, als Musik von Richard Wagner, jenes Komponisten, der in seinen Werken wie kein zweiter das Heldenhafte herausgestellt hat? Um es gleich vorweg zu sagen: GMD Gabriel Feltz und seinem Orchester gelangen mit dem dritten Akt aus „Siegfried“ vor allem im zweiten Teil des 10. Philharmonischen Konzertes im Konzerthaus gleich eine ganze Reihe von rauschhaften Momenten mit Gänsehautfaktor. Für die Zuhörer war das Musikgenuss pur, den sie am Ende mit Standing Ovations und vielen Bravos honorierten. Großen Anteil am Erfolg dieser zwei Abende hatten auch die Sänger Andreas Schager (Siegfried), Petra Lang (Brünnhilde), Ewa Wolak (Erda) und Olafur Sigurdarson (Wotan), wobei natürlich Erstere die dankbareren – heldenhafteren – Parts haben.

Beeindruckend an der Leistung des Orchesters sind nicht nur die lauten, spektakulären Stellen, sondern vor allem auch die leisen, fast sphärisch anmutenden Sequenzen, wie sie immer mal wieder im Werk Wagners vorkommen. Die Philharmoniker spielen sie mit äußerster Genauigkeit und tragen ihr Publikum damit auf die berühmte Wolke 7.

Vor der Pause gab’s in kleiner Orchester-Besetzung ein ruhiges 20-minütiges Vorspiel, „Siegfrieds Idyll“, ein Geburtstagsständchen, das Wagner seiner Gattin Cosima im Jahr 1870 geschenkt hatte. Der gemeinsame Sohn Siegfried war damals erst wenige Monate alt. Man hört, dass Wagner in diese Musik Naturerlebnisse in Form von Vogelstimmen eingearbeitet hat.

Richard Wagner könne man nur lieben oder hassen, sagte Gabriel Feltz im Vorgespräch „Wir stimmen ein“. Genauso wenig, wie man ein bisschen schwanger sein könne, sei es möglich, Wagner nur ein bisschen mögen. Und der GMD outete sich als jemand, der Richard Wagner glühend verehrt. Seine Musik sei „eine positive Form des musikalischen Alchimismus“. Unmöglich sei es allerdings, Wagners Werk getreu den Anweisungen des Komponisten aufzuführen. Täte man das, käme dabei ein 50 Millionen Euro teurer Hollywoodfilm heraus. Das den Philharmonikern so viel Geld dann doch nicht zur Verfügung steht, machte rein gar nichts: Auch in konzertanter Form lässt sich Wagner genießen, wie sie eindrucksvoll bewiesen.

Andreas Schröter

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