Donnerstag, 11. Juni 2015

Museum Ostwall: Prof. Kurt Wettengl geht Mitte Juni in den Ruhestand

Prof. Dr. Kurt Wettengl geht in die
 von ihm geplante Altersteilzeitphase.

Bild: Stadt Dortmund


Nach über zehn Jahren als Direktor des Museums Ostwall wird Prof. Dr. Kurt Wettengl Mitte Juni 2015 seine Tätigkeit am Museum Ostwall im Dortmunder U beenden. Kurt Wettengl hat das Dortmunder Museum am neuen Standort im Dortmunder U geplant und erfolgreich eröffnet und geleitet.

"Herr Prof. Dr. Kurt Wettengl hat mit seinem unermüdlichen Einsatz die Mammutaufgabe geschultert, unser Museum für zeitgenössische Kunst und klassische Moderne vom alten Standort am Ostwall in das neue Quartier Dortmunder U zu führen. Dabei wurde das MO neu konzipiert. Seit dem Einzug in das Dortmunder U präsentiert sich das Museum als "Kraftwerk", mit dem Anspruch, die bildende Kunst als Medium wie als Katalysator gesellschaftlicher Veränderungen zu inszenieren. Weiter wurde die Dramaturgie der Dauerausstellung mit der Konzentration auf die städtischen Sammlungsschwerprunke konsequent neu gefasst!", würdigt Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann die Leistung Wettengls.


BILANZ

In den fast 50 großen und kleinen Ausstellungen und sechs Sammlungspräsentation am alten Standort von Januar 2005 bis Juni 2009 und im Museum Ostwall im Dortmunder U seit Oktober 2010 bot das Museum den Kunstinteressierten in der Stadt, der Region und darüber hinaus die Auseinandersetzung mit einem breiten Spektrum der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und ihren Themen – zum Teil in bedeutenden Kooperationen wie der mit dem Centre Pompidou oder der Albertina in Wien – an. Mit der Ausstellung "Arche Noah" fand Wettengls kuratorische Tätigkeit, einen herausragenden Abschluss. Dazu Kurt Eichler, Geschäftsführer der Kulturbetriebe: "Es freut mich, dass die zuletzt von ihm kuratierte Ausstellung "Arche Noah" mit vielen begleitenden Kooperationen und Aktionen ein sichtbarer Beleg dieses Ansatzes war und zugleich die bisher bestbesuchte Ausstellung im Dortmunder U ist."


MUSEUMSKONZEPT

Im Hinblick auf die Rolle, die das Museum Ostwall in dem ehemaligen Brauereigebäude einnehmen würde, entwickelte Wettengl bereits in seinem ersten Jahr das Leitbild des "Museums als Kraftwerk" und damit das Museum als einen Ort, in dem die Kunst der Vergangenheit immer wieder neu kontextualisiert und gemeinsam mit jüngerer und zeitgenössischer Kunst für die Gegenwart fruchtbar gemacht wird. "Neben der Kunst im engeren Sinne wurden deswegen auch Aspekte der architektonischen Gestaltung, der Stadtplanung und -entwicklung sowie Fragen der Gestaltung der Gesellschaft in den Ausstellungen und Angeboten des Museums Ostwall thematisiert", so Kurt Wettengl.

Im Zentrum der vom Museum ausgehenden Aktivitäten stand die Sammlung des Museums Ostwall, die seit 1949 entstanden ist. So initiierte Wettengl in seinem ersten Jahr bereits die Reihe "Sammlung in Bewegung". Dass er und sein Team sich dabei besonders auf die Kunst des Expressionismus, des Informel oder der Zero-Bewegung stützten, basierte auf der Analyse der Stärken der Sammlung, die an sich heterogen ist und hier Inseln der Verdichtung bildet.

Die neue Gewichtung des Bereichs Fluxus ging gleichermaßen auf den bereits vorhandenen und dann erweiterten Bestand zurück und resultierte aus Wettengls gewonnener Einsicht und Überzeugung, dass sich aus diesem künstlerischen Ansatz – und mit Bezug auf die in Dortmund vorhandene Sammlung – eine produktive Idee für ein Museum der Gegenwart und der Zukunft entwickeln lässt.

Auch Kurt Eichler, Geschäftsführer der Kulturbetriebe, lobt Arbeit und Engagement Wettengls in diesem Zusammenhang und betont: "Prof. Dr. Wettengls neue Museumskonzeption verbindet aktuelle Kunstströmungen, insbesondere den umfangreichen Fluxus-Bestand des Museums, mit der heutigen Stadtgesellschaft".

SAMMLUNG

Die Sammlung des Museums Ostwall konnte in den Jahren Wettengls durch städtische Ankaufsmittel, Zuwendungen des Landes Nordrhein-Westfalens und der Freunde des Museums Ostwall erweitert werden. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Freunde des Museums Ostwall und dessen Umzugs in das Dortmunder erwarben die Freunde des Museums gemeinsam mit der Stadt Dortmund einen bedeutenden Bestand der Fluxus-Bewegung aus der Sammlung Wolfgang Feelischs. Zu den besonderen Erwerbungen in der Zeit Wettengls gehört aber auch eine Vorzeichnung August Mackes zum "Großen Zoologischen Garten" (1913), die nur in gemeinsamer Anstrengung des Landes, der Stadt und der Freunde des Museums Ostwall möglich wurde. Ebenso gelang es Wettengl neue private Leihgeber für das Museum Ostwall zu gewinnen bzw. vorhandene Verbindungen zu verstetigen.

NEUE FORMATE

Der Bezug auf die Vergangenheit und der Blick auf die Gegenwart prägte seit 2005 auch Wettengls Veranstaltungsprogramm mit neu eingeführten Reihen. Die Einbeziehung von Architektur war dabei für ein deutscher Kunstmuseum ebenso ungewöhnlich wie die Begründung der einmaligen Reihe "MO Klangkunst".

BILDUNG UND KUNSTVERMITTLUNG

Für Kurt Wettengl ist die Institution Museum der zentrale Ort der Kunstvermittlung. So entwickelte sich unter seiner Leitung seit 2005 der Bereich Bildung und Kommunikation konzeptuell weiter. Am neuen Standtort im Dortmunder U hat sich die Kunstvermittlung methodisch stärker zu handlungsorientierten und partizipativen Konzepten entwickelt. "Dies schlug sich auch in Projekten nieder, in die Bewohner Dortmunds, Familien, Kinder und Jugendliche eingebunden wurden", gibt Kurt Wettengl Beispiele.

EINBINDUNG IN DIE REGION

Um die Wahrnehmung des Museums Ostwall und der Kunstmuseen des Ruhrgebiets zu stärken, gründete Kurt Wettengl gemeinsam mit den Direktorinnen und Direktoren der Kunstmuseen der Region 2006 im Rahmen der Initiativen zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 das Netzwerk der RuhrKunstMuseen.

Prof. Dr. Kurt Wettengl geht in die von ihm geplante Altersteilzeitphase. Als Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der TU Dortmund wird Kurt Wettengl weiterhin der Stadt und ihren Kunstinstitutionen verbunden bleiben.

"Im Ausstellungsprofil führte Prof. Wettengl das Museum furchtlos zur Gesamtphilosophie des Dortmunder U: Die Fragen unseren städtischen Zusammenlebens, der Ästhetik und der Organisation des städtischen Raums oder die Rolle der Kunst als Triebmittel gesellschaftlicher Transformationen rückten in den Fokus, die Fluxussammlung wurde wissenschaftlich aufgearbeitet in Präsentationen und internationale Verbindungen ausgebaut. Die Stadt dankt Herrn Prof. Wettengl für den Mut des Neubeginns, die Konsequenz seines Handelns und für den Respekt, den er den Dortmunder Sammlungstraditionen entgegengebracht hat. Wir wünschen ihm weiterhin viele aktive Jahre", resümiert Kulturdezernent Jörg Stüdemann.




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