Freitag, 22. Mai 2015

Borsigplatz: Projekt "Public Residence" endet nach einem Jahr

„Chancen“ heißt die kulturelle Währung, die seit einem Jahr am Borsigplatz kursiert. Wer hier wohnt, hat Anspruch auf 100 davon, um den eigenen Stadtteil mit zu gestalten. In „Public Residence: Die Chance“, einem künstlerischen Experiment in der Dortmunder Nordstadt, ging es um kulturelle Teilhabe und soziale Kreativität. Das Projekt geht im Mai zu Ende. Die Chancen sollen erhalten bleiben.

"Chancen" sind eine Währung für den öffentlichen Raum. Mit ihnen kann man nichts „kaufen“, aber man kann etwas mit ihnen „machen“ – nämlich Kunst. Auf Betreiben des Vereins Machbarschaft Borsig11 und der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft wurden im Juni 2014 vier Künstlerwohnungen im Quartier als „Public Residence“ bereitgestellt. Insgesamt sieben Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten haben im Laufe des Jahres am Borsigplatz residiert und Chancen in künstlerische Aktionen umgesetzt, an denen sich über 500 Bewohner des Viertels beteiligt haben.

Mit ihrer Hilfe wurden Straßen umbenannt, Gärten angelegt, ein Geschmacksarchiv eingerichtet, eine Givebox und eine mobile Werkstatt installiert, ein Chancen-Café wurde eröffnet, Wünsche aus Papier gefaltet, Kindergeburtstage gefeiert, es wurde öffentlich gekocht, getanzt und Bier gebraut, Theater gespielt und diskutiert, es gab Stadtführungen zu unbekannten Berühmten und lokalen Mythen, eine freie Republik wurde gegründet, das goldene Zeitalter wurde ausgerufen und vieles mehr.

Die Beteiligung der Bewohner war Voraussetzung und Ziel der Arbeit. Viele haben ihre Chancen genutzt, Kunst ermöglicht und zur Kultivierung lokaler Öffentlichkeiten beigetragen. Wer sich aktiv beteiligt hat, konnte weitere Chancen erhalten und seine Handlungsspielräume erweitern. Manche der künstlerischen Aktivitäten sind fortsetzbar, andere sind anschlussfähig, und einige Nachbarn beginnen, selbst Workshops anzubieten und eigenständig kulturelle Projekte für ihren Stadtteil zu realisieren. Die Möglichkeit dazu soll weiter bestehen.

Die Künstler haben Impulse gesetzt, neue Wirkungsfelder und Perspektiven eröffnet und Kreativität im Stadtteil geweckt. Das Ende von „Public Residence“ mit der Finissage am 30. Mai 2015 bedeutet einen Abschied von Künstlern, deren Arbeit Spuren im Quartier hinterlässt. Viele der Mitstreiter und Komplizen, die sich im Laufe des Jahres zusammengefunden haben, wollen ihre Chancen weiter nutzen. Ab Juni können die Bewohner in Eigeninitiative mit der Kreativ-Währung am Borsigplatz weiterarbeiten.

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