Mittwoch, 13. Mai 2015

9. Philharmonisches Konzert mit kleiner Bühnenchoreographie

Die Konzertmeister Alexander Prushinskiy
und Shinkyung Kim
Von allen Philharmonischen Konzerten in dieser Spielzeit hatte wohl das neunte am wenigsten mit dem Spielzeitmotto „Helden“ zu tun. Allenfalls Johannes Brahms, dessen Sinfonie Nr. 4 im zweiten Teil des Konzertes erklang, könne man vielleicht noch als „Helden“ bezeichnen, sagte auch Gastdirigentin Kamen Kamensek im Vorgespräch mit dem WDR 3-Musikjournalisten Michael Struck-Schoen. Sie wurde in Chicago geboren und ist seit 2011 als GMD am Staatstheater Hannover tätig.

Neben dem Brahms-Werk waren die Sinfonie Nr 48 „Maria Theresia“ von Joseph Haydn zu hören, die Kamensek sehr präzise ohne Taktstock dirigierte, sowie ein moderneres Werk aus den Jahren 1976/77 von Alfred Schnittke: „Moz-Art à la Haydn“. Letztes ist aus älteren Versatzstücken von Werken der beiden im Titel genannten Komponisten zusammengesetzt. Zweierlei ist hier interessant: Zum einen durfte sich Violinistin Shinkyung Kim, die seit 1998 als 1. Konzertmeisterin bei den Dortmunder Philharmonikern tätig ist, als Solistin zeigen, zum anderen präsentierten die Musiker eine kleine Choreographie: Zunächst standen sie dicht bei der Dirigentin, dann wechselten sie ihre Plätze. Am Ende verließen sie einer nach dem anderen die Bühne, worauf die Musik immer leiser wurde und schließlich ganz verstummte. Hinzu kam eine kleine Licht-Choreographie.

Mir hat die Brahms-Sinfonie am besten gefallen. Das Orchester spielte sie wie aus einem Guss, und man kann in der Musik schwelgen und sich darin baden. Das Haydn-Werk ist mit seiner an das höfische Leben des 18. Jahrhundert angelehnten Musik, in der zum Beispiel auch Fanfarenstöße vorkommen, doch mittlerweile arg weit weg vom heute gängigen Musikgeschmack, so mein Empfinden. Außerdem gab‘s hier ein paar kleinere Unsauberkeiten im Vortrag der Philharmoniker.


Man könne die Musik von Haydn gut dazu gebrauchen, so Kamensek im Vorgespräch, ein Orchester einzuspielen und zusammenzuschweißen, weil die Musiker sehr aufeinander eingehen müssen. Kamensek ließ den Haydn in kleiner Besetzung spielen.

Das Schnittke-Stück ist eher etwas für Musik-Fachleute, die Interesse daran haben zu hören,wie ältere Versatzstücke miteinander kombiniert werden können - aber weniger etwas zum Genießen. „Crossover“-Musik nannte Kamen Kamensek das.

Übrigens: Zwischenapplaus gab‘s diesmal sogar für die Bühnenhelfer, zu denen auch der frühere Dortmunder Balletttänzer Philip Woodman gehört. Sie hatten zwischen den Werken von Haydn und Schnittke eine Menge Arbeit.


Andreas Schröter

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