Donnerstag, 16. April 2015

Ausstellung "Weisse Wölfe" im Schauspiel: Schroff, kratzig und beunruhigend

Blick in die Ausstellung "Weisse Wölfe".
Foto: Schröter
Das Schauspiel Dortmund reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen in dieser Stadt und zeigt damit, dass die Kunst nicht in einer Parallelwelt existieren muss, die mit der Realität nur wenig zu tun hat. Sie ist im Gegenteil Teil dieser Realität, und das ist gut so. Gemeint sind zum einen die Veranstaltung „Blackbox“ neulich, als zwei Flüchtlinge aus ihrem Leben berichtet haben, und zum anderen die Ausstellung „Weisse Wölfe“ rund um das Thema Neonaziterror, die bis zum Spielzeitende in den Räumen des Schauspiels am Hiltropwall zu sehen sein wird.

Dabei handelt es sich um eine „grafische Reportage“ zum Buch „Weisse Wölfe“ von David Schraven (dem Texter) und Jan Feindt (dem Zeichner) – einem Comic also. Diese Vorgehensweise habe den Vorteil, so David Schraven bei der Vernissage am Mittwoch, dass man Bilder zeigen könne, die es logischerweise als Foto nicht gebe. Ausgehend vom NSU-Mord in Dortmund zeigen sie im harten Schwarz-Weiß-Kontrast, wie jemand zum Neonazi wird und welche Werte für ihn eine Rolle spielen. Rechtsrock zum Beispiel nimmt eine wichtige Funktion ein.


Schraven ist Leiter des Recherchebüros „Correctiv“ mit Sitz in Essen, das von Stiftungsgeldern und Spenden lebt und somit unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg arbeiten kann. Seine Reportagen
Festredner war Friedrich Küppersbusch.
Foto: Schröter
bietet es Zeitungen, Magazinen sowie Radio- und Fernsehsendern an. Man habe sich überlegt, so Schraven weiter, wie man in Zeiten von abnehmender Relevanz und Reichweite der Tageszeitungen die Menschen noch erreichen könne. Eine Möglichkeit sei die Zusammenarbeit mit Theaterbühnen. Er hoffe auf den Beginn einer langen Freundschaft mit dem Schauspiel Dortmund. Für einen kurzen Moment der Irritation sorgte Schraven während seines Vortrags vor geschätzt 150 Besuchern, als sein Handy klingelte und er das Gespräch keinesfalls wegdrückte, sondern annahm. Da wird der Grad zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz dann sehr schmal.

Festredner war der Journalist Friedrich Küppersbusch, der sich dem Thema in alter „Zack“-Manier rhetorisch gewohnt versiert näherte. Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus sei durch Fernsehfilme erstens vor allem in die Vergangenheit gerichtet und zweitens auf ein verträgliches Maß zusammengeschrumpft. Die Ausstellung „Weisse Wölfe“ dagegen beziehe sich auf die Gegenwart. Sie sei schroff, kratzig und beunruhigend.


Die Idee zu dieser Ausstellung stammt von Stefan Laurin von den Ruhrbaronen, Dramaturg Alexander Kerlin war auf Theaterseite für die Umsetzung zuständig.

Andreas Schröter

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