Donnerstag, 16. April 2015

Mal wuchtig, mal ganz leise: Philharmoniker stemmten Mahlers Sechste

Die Philharmoniker in Riesenbesetzung auf der Konzerthausbühne
- mit Holzhammer hinten links. Foto: Michael Baker
Für ihr 8. Philharmonisches Konzert unter dem Motto „schicksals_schläge“ hatten sich die Dortmunder Philharmoniker etwas ganz Schwieriges vorgenommen: Mahlers 6. Sinfonie. Das komplexe Werk, das 1906 in Essen unter dem Dirigat von Gustav Mahler selbst uraufgeführt wurde, gilt als eines der anspruchsvollsten Stücke für Orchester überhaupt. 115 Musiker braucht es, um die instrumentale Vielfalt adäquat wiederzugeben. Aufgestockt mit einigen Studenten aus dem Orchesterzentrum saßen die Philharmoniker am Dienstag und Mittwoch unter dem Dirigat von GMD Gabriel Feltz dicht gedrängt auf der Konzerthausbühne. Das Kuhglockengeläut, das ebenfalls dazu gehört, kam in einigen Passagen gar aus dem Off – aus den Räumen hinter den (geöffneten) Türen, durch die die Musiker sonst die Bühne betreten.

Die Musikkritiker zu Mahlers Lebzeiten hielten das für „überinstrumentiert“ – ich habe es eher genossen, in der Klangflut und -fülle dieses Konzertes zu baden, das in einigen Passagen eine geradezu mitreißende Wucht entfaltet, aber auch mit einfühlsam-ruhigen Passagen aufwartet. Im vierten Satz wartet man natürlich auf die berühmt-berüchtigten (Schicksals-)Schläge mit dem riesigen Holzhammer. Es ist auch optisch ein Genuss, den Musiker, der dafür zuständig ist, dabei zu beobachten, wie er den augenscheinlich schweren Hammer hochwuchtet, einige Sekunden mühsam in der Balance hält, um ihn dann passgenau niedersausen zu lassen.

Die Ablehnung der Kritiker von vor gut 100 Jahren mutet heute seltsam an: Wagners Ring oder Strauß‘ „Heldenleben“ war kaum weniger instrumentiert. Mahler selbst, den die Kritik sicher auch getroffen hat, ließ ich davon dennoch nicht beirren. Er, der schon als Achtjähriger als Berufswunsch „Märtyrer“ angab, prophezeite damals, dass seine Musik 50 Jahre nach seinem Tod Anerkennung finden werde – und ausgelöst von Leonard Bernstein gab es Anfang der 60er-Jahre tatsächlich eine große Mahler-Renaissance, die mehr oder weniger bis heute anhält.

Aus der Notwendigkeit, dieses Konzert mit Studenten aus dem Orchesterzentrum aufzufüllen, möchte Gabriel Feltz übrigens eine Tugend machen. Wie bereits berichtet, soll die Zusammenarbeit zwischen Philharmonikern und Orchesterzentrum intensiviert werden.

Das 8. Philharmonische Konzert bot jedenfalls einen vielseitigen und intensiven musikalischen Hochgenuss. Durch den Wegfall der sonst üblichen Pause wirkte der Abend kompakter und in sich geschlossener als andere Philharmonische Konzerte – ein Modell, über das man auch für die Zukunft nachdenken sollte.

Andreas Schröter

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