Samstag, 14. März 2015

Don Giovanni: Ein Steg schafft Nähe und Intensität

Don Giovanni verstreut die Asche
des Komturs. Foto: Stage-Picture
Für den Dortmunder „Don Giovanni“ haben die Macher um Opernintendant Jens-Daniel Herzog eine richtig gute Idee. Sie haben einen Steg von der Bühne quer durchs ganze Parkett bauen lassen, auf dem sich die Sänger bewegen. Das kostet zwar ein paar Sitzplätze, verschafft dem Publikum aber eine Nähe zu den Sängern, die es sonst im Dortmunder Opernhaus schon wegen des Orchestergrabens nicht gibt. Folge ist ein viel intensiveres Eintauchen in die Mozart-Oper, als das sonst möglich ist. Das Publikum fühlt sich fast als Teil der Inszenierung. Dafür sorgt auch die Beleuchtung, die nicht wie sonst nur die Bühne hervorhebt und die Zuschauer im Dunkeln lässt – über große Teile der Spieldauer hinweg brennt das volle Saallicht und auch die Zuschauer sitzen im Hellen. Sehr gelungen! (Bühne: Mathis Neidhardt)

Das von GMD Gabriel Feltz souverän dirigierte Orchester sitzt im Bühnenhintergrund, meist durch einen Gaze-Vorhang vom Geschehen getrennt. Für mich hätte es dieses halbdurchsichtigen Stoffes nicht bedurft. Warum holt man nicht mal das Orchester konsequent und durchgängig genauso sichtbar auf die Bühne wie die Sänger? Schließlich ist die Musik doch mindestens genauso wichtig an einer Oper wie Gesang und Handlung. Aber besser als der anonyme Orchestergraben ist diese Lösung allemal.

Rundum positiv ist, dass die Inszenierung mit viel Witz daherkommt. Das fängt schon bei der Ouvertüre an. Die Sänger nehmen eine ähnliche Haltung ein wie das Publikum. Sie kommen mit Tickets auf die Bühne, suchen umständlich einen Platz, schieben sich mühsam an ihren Sitznachbarn vorbei und warten auf den Beginn der Vorstellung. Der Komtur (Karl-Heinz Lehner) nickt ein, Don Ottavio (Lucian Krasznec) muss noch schnell mit dem Handy telefonieren, und Don Giovanni (Gerardo Garciacano) tut das, was er immer tut: Frauen aufreißen. Das sorgt für viel Heiterkeit im Publikum, auch wenn das ein bisschen von der Ouvertüren-Musik ablenkt. Aber es passt zum Stoff – schließlich ist „Don Giovanni“ trotz des düsteren, aber Spießer beruhigenden Endes auch von viel Heiterkeit, Erotik und Lebensfreude geprägt.

Schön ist, dass die Sänger am Dortmunder Musiktheater wie Emily Newton, Julia Amos, Sangmin Lee oder Eleonore Marguerre nicht nur hervorragend singen, sondern auch schauspielern können. Man nimmt Leporello (Morgan Moody) – und nicht nur ihm – die diversen Emotionen ab, die diese Oper zu bieten hat.

Insgesamt ein gelungener Opernabend, der sich bei dreieinhalb Stunden Spieldauer (inklusive Pause) lediglich zum Ende hin etwas dehnt. Aber das liegt nicht an der Dortmunder Inszenierung, sondern am Originalstoff von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Librettisten Lorenzo Da Ponte. Einige Damen im Publikum bemängelten zwar, dass ihnen Don-Giovanni-Darsteller Gerardo Garciacano nicht erotisch genug sei, aber das kann ich als Mann nicht beurteilen.

Andreas Schröter

Tickets und Termine: www.theaterdo.de

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