Donnerstag, 19. März 2015

7. Philharmonisches Konzert beginnt und endet furios

Dirigent Marcus Bosch.
Von lauten und wuchtigen Klängen war das 7. Philharmonische Konzert eingerahmt, denn Rolf Liebermanns „Furioso für Orchester“ zu Beginn korrespondiert ganz hervorragend mit dem Finale von Beethovens Eroica ganz am Ende.

Star des Abends war aber die aus Israel stammende Klarinettistin Sharon Kam. Aus einer Musikerfamilie stammend, habe sie bereits mit vier Jahren angefangen, verschiedene Instrumente auszuprobieren, jedoch lange gebraucht um das eine zu finden, für das sie heute bekannt ist: die Klarinette. Als es dann soweit war, merkten sowohl sie selbst als auch ihr Umfeld, dass sie sich ganz vorne am Bühnenrand am wohlsten fühlt. Sie war für etwas geboren, das es damals in Israel noch gar nicht gab: eine Soloklarinettistin.


Dieses gute Gefühl ganz vorne auf der Bühne hat sie sich bis heute bewahrt. Bei ihrem Auftritt in Carl Maria von Webers erstem Klarinettenkonzert merkte man ihr die Freunde und die Begeisterung für die Musik an. Mit dem ganzen Körper ging sie mit, fast erinnerte ihr Auftritt an Tanzen. Sie versuche, weder dieses noch das Klarinettenkonzert von Mozart mehr als zehn Mal pro Jahr zu spielen, um sich diese Begeisterung zu bewahren, sagte sie im Vorgespräch, in dem sie sympathisch und erfrischend rüberkam. Ihre Lieblingsstelle in Webers Konzert sei eine Stelle im zweiten Satz, in dem die Musik nach dem Erklingen von drei Hörnern zum Thema zurückkehrt, verriet sie. Sharon Kam gönnte den Zuhörern noch eine schöne Zugabe von Béla Kovács.

Dirigent - und das erstmals in Dortmund - war Marcus Bosch, der im Gegensatz zu seinen Musikern auf den üblichen Frack verzichtete und im normalen Anzug kam. Bosch ist seit 2011 Generalmusikdirektor des Bayrischen Staatstheaters in Nürnberg. Zuvor war er lange GMD in Aachen gewesen.

Er möge sowohl die Arbeit mit einem festen Orchester, als auch das Schlafen in fremden Betten, sagte er im Vorgespräch mit Orchestermanager Michael Dühn. Dieses Bild nutzte er ganz nebenbei zu einem kleinen Seitenhieb auf die Dortmunder Hotelszene, die wohl nicht seinen Ansprüchen genügte. Allerdings erklärte er nicht, was er genau damit meinte.

Manchmal sei es bei der Arbeit auswärts schön zu wissen, dass man ein eigenes Orchester zu Hause habe, sagte er auch. Ob das auch in Dortmund galt, behielt er für sich.


Bosch versprach den Zuschauern, dass sie an diesem Abend schnell wieder zu Hause sein würden. Dafür fege aber ein Tsunami durch die Reihen. Er hielt in beiderlei Hinsicht Wort. Bosch spielte den Beethoven furios und schnell, ohne es an Feinheit und Detailreichtum missen zu lassen.

Andreas Schröter

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