Samstag, 14. Februar 2015

Kinder- und Jugendtheater: "Frau Müller muss weg" greift Probleme in der Schule auf

Szene aus "Frau Müller muss weg".
Foto: Birgit Hupfeld
Das neue Stück des Kinder- und Jugendtheaters, „Frau Müller muss weg“, richtet sich nicht in erster Linie an junge Leute, sondern an diejenigen, die am meisten mit ihnen zu tun haben: Eltern und Lehrer. Freitag war Premiere an der Sckellstraße.

Für diese Produktion, in der KJT-Chef Andreas Gruhn Regie führt, verwandelt sich die Bühne in ein Klassenzimmer mit Tafel, Grundschul-Tischen und -Stühlen. Die Zuschauer sitzen in Hufeisenform um das Geschehen herum. Das schafft Unmittelbarkeit.

Einige wenige Eltern sind mit der Lehrerin ihrer Kinder, Frau Müller (Bettina Zobel), nicht mehr einverstanden. Die Noten der Klasse 4b seien nach unten gegangen, die Lehrerin sei nicht mehr in der Lage, für Ordnung zu sorgen. Auf einem Elternabend wollen sie erreichen, dass sie die Klasse abgibt.

Doch mehr und mehr wird klar, dass es weder Elternvertreterin Jessica Höfel (Johanna Weißert) noch den anderen Eltern (Bianka Lammert, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk und Désirée van Delft) um das Wohl der Klasse geht. Es geht ihnen ausschließlich um ihr eigenes Kind. Es muss die Qualifikation fürs Gymnasium schaffen. Koste es, was es wolle. Auch brechen schnell die nur mühsam verschütteten Konflikte zwischen den Eltern auf.

Gerade Lehrer dürften in diesem Stück vieles wiederfinden, was ihnen tagtäglich im Schul-Alltag begegnet: Eltern, die eigenes Versagen und die Probleme zu Hause auf die Schule abwälzen und die Lehrer für das Versagen ihrer Kinder verantwortlich machen. Eltern, die mit aggressivem Verhalten den Lehrern drohen, Eltern, die ihrem Kind zu Hause keine Minute Freizeit gönnen, sondern sie stattdessen mit dem Chemie-Baukasten traktieren, hysterische Eltern, weinende Eltern, schleimende Eltern, Eltern, die die Leistungsfähigkeit und Intelligenz ihrer Kinder viel zu hoch einschätzen ...

Das alles bietet „Frau Müller muss weg“ aus der Feder von Lutz Hübner unter der Mitarbeit von Sarah Nemitz. Der Stoff läuft derzeit auch mit Anke Engelke in der Titelrolle im Kino.

Die KJT-Schauspieler bringen das Stück glaubhaft über die Bühne. Andreas Gruhn verzichtet dabei – fast – auf jeglichen Schnickschnack. In einigen Schlüsselszenen lässt er seine Akteure in Slow Motion spielen, was die Bedeutung dieser Szenen hervorhebt. Am Ende gibt’s einen rekordverdächtig langen Applaus. Zumindest Lehrer und Eltern von Schulkindern sollten sich dieses Stück ansehen. Es könnte zur Entspannung im traditionell schwierigen Verhältnis zwischen diesen beiden Gruppen beitragen.

Andreas Schröter

Tickets und Termine: www.theaterdo.de

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