Sonntag, 15. Februar 2015

Ballett: "Drei Streifen: Tanz" zeigt Vielseitigkeit des Tanzes

Choreograph Demis Volpi mit seinen Tänzern
beim Schlussapplaus. Foto: Schröter
Dreigeteilte Ballettabende mit Choreographien von drei verschiedenen Choreographen haben in Dortmund Tradition: Auf „In The Mood“ (2009) und „Drei Farben: Tanz“ (2013) folgt nun „Drei Streifen: Tanz“. Premiere war am Samstag.

Für Part eins des Dreiteilers jedoch ist der Begriff „Premiere“ unangebracht. „Closer“, das Pas de Deux von Benjamin Millepied und den Tänzern Monica Fotescu-Uta und Mark Radjapov, eröffnete bereits den Abend „In the Mood“ vor sechs Jahren. Schön ist es trotzdem, den beiden langjährigen Mitgliedern der Dortmunder Compagnie noch einmal dabei zuzuschauen, wie sie sich wie im Liebesspiel immer näher kommen. Die dazugehörige Klaviermusik von Philip Glass wird auf der Bühne live von Tatiana Prushinskaya gespielt. Bei dieser Choreographie handelt es sich am ehesten um klassisches Ballett, das ähnlich wie die Pas de Deux etwa in „Schwanensee“ voller Anmut, Romantik und Emotion stecken. Für Tänzer ein dankbarer Part: Sie können ihre ganze Beweglichkeit und akrobatische Virtuosität zeigen. Für die Zuschauer ein Stück zum Träumen und Dahinschmelzen. Benjamin Millepied übrigens ist der Ehemann der Hollywood-Schauspielerin Nathalie Portman. Er hat sie bei den Dreharbeiten zum Kinofilm „Black Swan“ kennengelernt.

Ganz anders ist die Stimmung in den drei folgenden kurzen Pas de Deux von Demis Volpi, dem aus Argentinien stammenden Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts. Hier ist das Liebesspiel mehr neckend und mit fantasie- und humorvollen Einfällen durchsetzt. Alles wirkt modern, jugendlich frisch, voller Elan und Dynamik. Erstaunlich, was gute Tänzerinnen auf der Spitze alles anstellen können! Verbindendes Element dieser drei Volpi-Pas-de-Deux sind darüber hinaus die Kostüme. Die sechs Tänzer Stephanine Ricciardi, Francesco Nigro, Clara C. Sorzano Hernandez, Andrei Morariu, Denise Chiarioni und Guiseppe Ragona treten in Jeans-Shorts auf. Die Musik dagegen könnte kaum unterschiedlicher sein: In Teil eins, „Little Monsters“ sind es die herrlich schmalzigen Elvis-Songs „Love me tender“, „I want you, I need you, I love you“ und „Are you lonesome tonight“, zu denen sich die Tänzer bewegen, in Teil zwei, „Private Light“ südländische Gitarrenmusik und im dritten Teil, „Ebony Concerto“ Musik von Igor Strawinski. Letzteres ist eine Uraufführung und eigens für Dortmund choreographiert. Für mich sind diese drei Pas de Deux von Demis Volpi der Höhepunkt von „Drei Streifen: Tanz“.

Nach der Pause folgt aufwendiges Handlungsballett des polnischen Choreographen Jiří Bubeníček: „The Piano“ nach dem gleichnamigen Oscar prämierten Film von Jane Campion (1993). Atmosphärisch dicht geht es darin um die Zwangsheirat der stummen Ada (getanzt von Emilie Nguyen) mit dem ihr vorher unbekannten Alistair Stewart (Dmitry Semionov), der in Neuseeland in einem steifen viktorianischen Haushalt in Nachbarschaft mit den wilden Maori lebt. Doch Ada verliebt sich stattdessen in George Baines (Arsen Mehrabyan), dem sie Klavierunterricht erteilt. Alistair rächt sich auf grausame Weise. Die eigentümliche und eindringliche Stimmung des wunderschönen Films wird auf der Dortmunder Bühne bereits zu Anfang mit dem Rauschen des Meers und einem filmischen Blick in die Brandung erzeugt. Filmische Hintergrund-Elemente sorgen auch im weiteren Verlauf der Handlung für die richtigen Stimmungen in diesem auch mit Kostümen und weiteren Accessoires reichhaltig ausgestatteten Tanzstück, das in Dortmund ebenfalls Uraufführung hatte.

Das Konzept, drei vollkommen unterschiedliche Choreographien an einem Abend zu vereinen, ist erneut aufgegangen. Die Zuschauer erhalten auf diese Weise einen umfassenden und vielseitigen Blick in die verschiedenen Ausdrucksformen des Tanzes.

Andreas Schröter

Tickets und Termine: www.theaterdo.de

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