Donnerstag, 12. Februar 2015

6. Philharmonisches Konzert: ein seltenes Instrument und ein junger Geigen-Virtuose

Carolina Eyck mit ihrem Themerin
Die Besucher des 6. Philharmonischen Konzerts am Dienstag und Mittwoch lernten ein seltenes Instrument kennen: das Theremin. Es wurde 1920 erfunden, erzeugt Klänge durch elektromagnetische Felder, ohne dass der Musiker das Instrument berühren muss. Es gilt als erstes elektronisches Instrument überhaupt. Eine der wenigen Musiker, die dieses Instrument professionell spielen, ist die Deutsche Carolina Eyck. Sie hat sogar ein Lehrbuch dazu verfasst. Zu ihrem Leidwesen gibt es noch nicht allzuviele Kompositionen, in denen das Theremin eingesetzt wird. Fazil Say hat ihrem Repertoire kürzlich zwei Werke hinzugefügt.

Das Theremin erzeugt sphärische Klänge, die oft in Science-Fiction- oder Gruselfilmen eingesetzt werden, um die Weite des Alls darzustellen oder eine gruselige Szene zu unterstreichen. Im 6. Philharmonischen Konzert, das unter dem temperamentvollen Dirigat des Kasachen Alan Buribayev stand, kam es gleich zu Anfang in Lera Auerbachs „Ikarus“ zum Einsatz, ein Werk, das 2011 beim Verbier-Festival in der Schweiz erstmals präsentiert wurde. Das Theremin verwandelt anschaulich den Flug des Ikarus in Musik. Ein interessanter Ausflug in die Welt der modernen Klassik.


Im zweiten Werk des Abends, Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert, steht logischerweise ein Solo-Geiger im Mittelpunkt. Die Philharmoniker haben zu diesem Zweck den Amerikaner mit deutsch-koreanischen Wurzeln, Stefan Jackiw, verpflichtet. Der hat mit vier Jahren begonnen, Geige zu lernen. Mit 14 spielte er das Violinkonzert erstmals beim London Philharmonic Orchestra in der Royal Festival Hall. Er sagte, sein Spiel dieses Stückes habe sich gegenüber früheren Zeiten vereinfacht. So komme man dem Kern dieses Werkes am nächsten. Den „Inbegriff höchster geigerischer Schönheit“ hat der Musikwissenschaftler Arnold Schering das Violinkonzert genannt. Wohl wahr.

Nach der Pause stand die wuchtige Sinfonie Nr. 10 von Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm – jenes Werk, das nach der Stalin-Ära entstand und in dem Schostakowitsch mit dem russischen Diktator abrechnet, unter dem er jahrzentelang gelitten hat. Der Komponist hat in das Werk sein Monogram eingearbeitet. Die Noten D-Es-C-H.

Ein interessanter und mitreißender Konzertabend.


Andreas Schröter

Website der Philharmoniker


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen