Montag, 12. Januar 2015

Schauspiel: "Minority Report" ist eine rasante Science-Fiction-Achterbahnfahrt

Szene aus "Minority Report" mit
Björn Gabriel. Foto: Theater Dortmund
„Minority Report“ dürfte vielen als ziemlich genialer Spielberg-Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle bekannt sein. 2002 ist der Film nach einer Kurzgeschichte des amerikanischen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick von 1956 herausgekommen.

In dieser Spielzeit hat sich auch das Dortmunder Schauspiel des Stoffs für eine Studioproduktion angenommen. Herausgekommen ist ein rasanter Technik-Spaß, bei dem Barbie-Puppen vor laufender Kamera agieren und kleine Spielzeugautos überraschend eindrucksvoll wilde Fahrten im Tunnel simulieren.

Die Bühne sieht mit einem ganzen Haufen Kameras und verschiedenen undefinierbaren Gerätschaften aus wie die unaufgeräumte Bude eines Technik-Nerds.

Die vier Schauspieler Ekkehard Freye, Björn Gabriel, Julia Schubert und Merle Wasmuth sind diesmal nicht nur Schauspieler, die verschiedene Rollen verkörpern müssen, sondern zugleich Kameramänner und -frauen, Puppenspieler und Geräuschimitatoren. Das erfordert – ähnlich wie in der Produktion „Das Fest“ – ein Höchstmaß an Konzentration. Etwas, das die vier Akteure mit Bravour meistern.

Kurz zur Handlung: Im Jahr 2041 gibt es ein Verfahren, das es ermöglicht, Verbrechen vorherzusehen, bevor sie geschehen. Die Gesetzeshüter können somit Mörder festnehmen, bevor sie ihre Tat begangen haben. Alles läuft gut, bevor das Programm den Namen von dem Leiter des Programms, dem FBI-Agenten John Anderton, als zukünftigem Mörder ausspuckt ...

Was für die Darsteller anstrengend sein muss, ist für die Zuschauer ein Heidenspaß. Auf der Bühne selbst sowie auf gleich drei großen Leinwänden gibt‘s so viel zu gucken, dass man oft gar nicht weiß, wo man zuerst hinsehen soll. Da verfliegen die 100 Minuten, die das Stück dauert, im Flug.

Einer der Höhepunkt ist eine (an einer Maske) sehr detailliert dargestellte Augen-Operation, die sehr echt und gruselig wirkt.

Das Schauspiel hat eigens für dieses Stück eine kleine App entwickelt, mit der die Zuschauer während des Stücks an ihrem Handy abstimmen können, ob sie glauben, dass John Anderton seinen Widersacher ermordet oder nicht. Sehr einfallsreich und spaßig.

Am Ende irrt sich das Vorhersageprogramm übrigens. Es sagt voraus, dass der Applaus 1.18 Minuten dauert. Er dauert länger. Und das zu Recht.


Regie führt Klaus Gehre.

Andreas Schröter

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