Montag, 26. Januar 2015

Oper: Starkes Bühnenbild im "Rosenkavalier"

Emily Newton (Feldmarschallin), 
Karl-Heinz Lehner (Ochs von Lerchenau),
 Ileana Mateescu (Octavian) 
©Thomas Jauk / Stage Picture GmbH

Wenn ein Opernintendant kurz vor der Aufführung vor den Vorhang tritt, bedeutet das nichts Gutes: kranke Sänger, nicht funktionierende Technik … So auch am Sonntag bei der Premiere seines Rosenkavaliers in der Oper (Musikalische Leitung: GMD Gabriel Feltz). Jens-Daniel Herzog musste verkünden, dass Feldmarschallin-Erstbesetzung Christiane Kohl erkrankt war, so dass Zweitbesetzung Emily Newton die Premiere sang – und, um es vorweg zu sagen: Sie machte es mit ihrer bekanntlich enormen Bühnenpräsenz gut. Emily Newton sollte eigentlich die Jungfer Marianne Leitmetzerin singen. Diese Rolle übernahm Stephanie Weiss. Zu allem Überfluss waren beide Besetzungen für den Ochs leicht kränklich. Karl-Heinz Lehner versuchte es trotzdem und hielt ohne Probleme bis zum Ende durch. Herzog überbrachte diese schlechten Nachrichten mit viel Charme: „Wir sind ein glückliches Opernhaus, nicht nur weil wir den Rosenkavalier spielen dürfen, sondern auch, weil wir Zweitbesetzungen haben“. Sympathisch!

Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass Stoffe wie der Rosenkavalier in den vergangenen 100 Jahren gelitten haben. Es geht über vier Stunden lang um ein bisschen adeliges Liebesgeplänkel, einen Schurken, der am Ende vom Hof gejagt wird, und Witzchen, die ihre Pointe aus der Verwechslung von Männern mit Frauen und – dank der traditionellen Hosenrolle des Octavian (gut: Ileana Mateescu) – auch umgekehrt beziehen. Das wirkt heute leicht angestaubt und reißt niemanden mehr vom Hocken. Da muss die Inszenierung selbst ein starkes Gegengewicht setzen, um das Publikum über die volle Distanz bei der Stange zu halten. In Dortmund geschieht das unter anderem durch das starke Bühnenbild (Mathis Neidhardt). Ist es im ersten Akt noch das ganz in Gold gehaltene, prunkvoll mit vielen Ornamenten ausgestattete Schlafzimmer der Feldmarschallin, wird es im dritten Akt zur düsteren, heruntergekommenen und stark schief stehenden Spelunke, in der sich Ochs mit Mariandl alias Octavian trifft. Beide Varianten könnten in der Zeit angesiedelt sein, in der die 1911 in Dresden uraufgeführte Richard-Strauss-Oper (Libretto: Hugo von Hofmannthal) ursprünglich spielt: 1740. Im Zweiten Akt dagegen erlaubt sich Herzog einen wohltuenden Bruch: Die Wohnung der Familie Faninal ist mit Stehlampe und Kühlschrank in der heutigen Zeit angesiedelt. Zu Beginn des Aktes wuselt Dienstpersonal um die Hauptakteure herum, versucht, eine Lampe anzuschließen oder ein Klavier auf einer schrägen Ebene aufzustellen. Das schafft eine willkommene Ablenkung fürs Auge von der sich etwas hinziehenden eigentlichen Handlung.

Höhepunkt der gesamten Inszenierung ist – natürlich – der Moment, aus dem die Oper ihren Namen bezieht: Wenn sich Sophie (Ashley Thouret) und Octavian in seiner Rolle als Überbringer der silbernen Rose, eben des Rosenkavaliers, zum ersten Mal begegnen. Herzog lässt das auf einem Steg über der Bühne geschehen. Das hat den Effekt, dass für einen Moment das grandiose Bühnenbild in den Hintergrund tritt und nur die beiden Akteure zu sehen sind, auf die es ankommt. Stark! Ein ähnlicher Effekt kommt später noch einmal vor, als sich Octavian endgültig von seiner ehemaligen Geliebten, der Feldmarschallin abwendet, um sich mit Sophie zusammenzutun. Die Szene spielt sich vor einem grauen Vorhang ab, um dann – ganz am Ende – den Blick auf das Bühnenbild aus dem ersten Akt freizugeben: das goldene Bett, in dem nun Octavian und Sophie versinken - ein gelungener Bezug zum Anfang, der sie Inszenierung gut abrundet.

Dennoch: Sieht man die enorme Länge des Stückes (die von gleich zwei Pausen unterbrochen wird), hätte man sich noch ein paar mehr inszenatorische Kniffe gewünscht, um das Ganze noch kurzweiliger zu gestalten. Ein Polizist, der den Raum nicht durch die Tür betritt, sondern von der Bühnendecke herabgeschwebt kommt, reicht da nicht ganz.

Am Ende gibt’s Standing Ovations und viele Bravo-Rufe.

Andreas Schröter

Tickets und weitere Termine: www.theaterdo.de

1 Kommentar:

  1. Wenn man über eine Opernpremiere schreibt, dann sollte man den Komponisten und den Librettisten nicht unerwähnt lassen. Sicher sind Regie, Kostüme und Bühnenbild einer Inszenierung von Bedeutung, doch das Wichtigste bei der Oper ist immer noch die Musik und darauf sind Sie mit keinem Wort eingegangen. Diese Rosenkavalier-Premiere war ein Glanzlicht in der Dortmunder Operngeschichte. Alle Beteiligten, GMD Gabriel Feltz, die Dortmunder Philharmoniker, das hochkarätige Sängerensemble und der Opernchor, haben zu diesem wunderbaren musikalischen Ereignis beigetragen und wurden von Ihnen mit keinem Wort erwähnt. Auch die besondere Beziehung dieses Stückszum Dortmunder Theater blieb unerwähnt. Dann haben Sie Herrn Herzog noch falsch zitiert. Er sagte, dass es für Dortmund ein Glücksfall sei, für zwei der Hauptrollen (Marschallin und Ochs) eine Doppelbesetzung zu haben. Frau Newton und Herrn Lechner als Zweitbesetzung zu bezeichnen ist schlichtweg unverschämt und zeugt von Unkenntnis.

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