Samstag, 3. Januar 2015

Geierabend 2015: einige gute Nummern - aber auch Leerlauf

"Die Zwei vonne Südtribüne" - Franziska Mense-Moritz
und Hans Martin Eickmann. Foto: StandOut
Sagen wir’s gleich: Der Geierabend 2015 gehört nicht zu den allerstärksten in der langen und ruhmreichen Geschichte der alljährlichen Veranstaltung auf Zeche Zollern. Sicher, einige Nummern sind richtig gut, aber leider gibt’s in dem Dreieinhalbstunden-Programm unter dem Motto „Nach uns die Currywurst“ auch viel Leerlauf.

Zu den Höhepunkten gehört eine Szene, in der Osman (Hans-Peter Krüger) seinem Bekannten Yüksel (Murat Kayi) erklären muss, warum er dessen Sohn Deniz mit einem Haufen gestohlener TÜV-Plaketten im Puff abgeben musste. Eigentlich sollte er den Kleinen ja nur vom Kindergarten abholen. Da stimmt das Timing. Überhaupt Hans-Peter Krüger: Zum Schreien komisch ist sein Auftritt als militanter Kleingärtner, der sich für den Einhalt der Schrebergarten-Satzung einsetzt. Dabei kommt auch eine Videokamera zum Einsatz, sodass Krügers wutverzerrtes Gesicht auf Großleinwand zu sehen ist – ein kleiner Seitenhieb auf das videoverliebte Schauspielhaus. Toll auch wieder „Die Zwei vonne Südtribüne“ (Franziska Mense-Moritz und Hans Martin Eickmann) ganz am Schluss. „Der Fußballgott ist ein Arschloch“, finden sie und spielen damit natürlich auf Borussias Talfahrt an. Tenor: „Statt gegen Real Madrid spielen wir bald gegen Vereine, die es gar nicht gibt – aber immerhin können wir dann nicht verlieren.“ Auch die Band, aus der einmal mehr Saxofonistin Gilda Razani hervorsticht, gehört zu den Glanzlichtern.

Anderes dagegen zündet weitaus weniger, auch wenn sich das Ensemble unter der Regie von Günter Rückert alle Mühe gibt, auf aktuelle Geschehnisse einzugehen. Pegida („Peinliche Ekelfressen gegen die Intelligenz des Abendlandes“) kommt dabei genauso vor wie Conchita Wurst (eine peinlich missratene Nummer), das DFB-Fußballmuseum oder die Rechten. Nicht fehlen dürfen die bekannten Geierabend-Figuren: der manchmal etwas selbstverliebt wirkende Steiger (Martin Kaysch), der gesangsstarke Präsident (Roman Henri Marczewski), die AWO-Oppas (Martin Kaysch und Hans Martin Eickmann) mit einer weniger gelungenen Nummer über Gewalt in Flüchtlingsheimen, Miss Annen und Joachim Schlendersack aus Schnöttentropp. Das alles hat man als Dortmunder und treuer Geierabend-Besucher über die Jahre hinweg auch irgendwie liebgewonnen, aber man fragt sich gelegentlich doch, ob es tatsächlich noch die Wirklichkeit im Ruhrgebiet abbildet. Ist der vielbeschworene Ruhrpottcharme nicht mittlerweile ein wenig zum Klischee verkommen? Ist das Dortmund aus dem Jahre 2015 tatsächlich noch so wie die Figuren im Geierabend? Wird da nicht etwas beschrieben, was mindestens 20 oder 30 Jahre her ist? Andererseits: Wäre es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn es denn so wäre? Fragen über Fragen.

Der Pannekopp des Jahres (28 Kilo Stahlschrott an der Kette) geht in diesem Jahr übrigens an Polizeipräsident Gregor Lange für das umstrittene Verhalten der Polizei am Wahlabend am Dortmunder Rathaus.


Andreas Schröter

www.geierabend.de



   

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