Mittwoch, 21. Januar 2015

Evangelischer Kirchenkreis Dortmund befasst sich mit dem Verhältnis von Kirche und Bild

Foto: Institut Royal du Patrimoine
Artistique Parc du Cinquantenaire, Brüssel
Bilder sind überall – sie umgeben, inspirieren, überfordern uns. Es ist also ein hochemotionales Jahresthema, dem sich der Evangelische Kirchenkreis Dortmund 2015 verschrieben hat: „Kirche und Bild“.

„Bilder beherrschen die Welt – spätestens im 21. Jahrhundert ist diese Einsicht kaum mehr zu bezweifeln. Eine Flut von Bildern umspült und manipuliert uns täglich, die digitale Verbreitung hat alle Grenzen gesprengt. Warum die Bibel ein Bilderverbot kennt, warum es vor 500 Jahren zu reformatorischen Bilderstürmen kam, welche Bilder aber doch unser Leben tragen, unseren Glauben prägen, und welche uns hingegen in die Irre führen – über all das nachzudenken, dazu bietet das Thema „Kirche und Bild“ nun ein Jahr Gelegenheit. Weil Bilder die Welt beherrschen, lohnt sich das Betrachten“, macht Superintendent Ulf Schlüter die weitreichende Bedeutung des Themas deutlich.

„Das Christentum kann man nicht verstehen ohne Bilder“, ergänzt Pfarrer Michael Küstermann, Fachbereichsleiter Kirche und Stadt, der das Projekt zusammen mit dem reinoldiforum organisiert. Inspiriert wird der Kirchenkreis dabei durch das Jahresthema „Reformation – Bild und Bibel“ der Evangelischen Kirche Deutschland, mit dem sie sich auf das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

In Dortmund, Lünen und Selm steht vor allem eines im Vordergrund: Neugier auf und Freude an Bildern wecken – in zahlreichen Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen und Überraschungsabenden mit Akteuren aus Stadt, Kunst und Wissenschaft über das ganze Jahr hinweg.

„Wir werden uns sowohl mit der Kunstgeschichte als auch mit zeitgenössischen Bildern, Filmen, Texten und Architektur beschäftigen und fragen nach unseren Bildern von Kirche heute, nach Bildern, die uns geprägt haben und prägen. Das Projekt „Kirche und Bild“ ist eine Plattform für die unterschiedlichen Veranstaltungen, eine Einladung zum Gespräch“, so Michael Küstermann.

Dieses Gespräch wird zum Beispiel auf der Website www.kircheundbild.de geführt: Dort werden die Veranstaltungen redaktionell begleitet und in Gesprächen mit den Akteuren vertieft sowie Hintergrundtexte, Gastbeiträge und Interviews zu den verschiedensten Facetten des Jahresthemas veröffentlicht. Die Seite wird im Laufe des Jahres immer weiter wachsen und so zu einem lebendigen Archiv, das zu Auseinandersetzung und Dialog einlädt.

Auswahl der Veranstaltungen:

Wie Kirche mit Social Media umgehen kann, ist zum Beispiel Thema bei einem Abend in der Stadtkirche St. Reinoldi in Dortmund: Emotional, berührend und beeindruckend sind die Imagefilme des Fachbereichs Seelsorge, die am Donnerstag, 12. Februar, 19 Uhr, Premiere feiern und anschließend in den sozialen Netzwerken verbreitet werden sollen. Filmschaffende, Seelsorger und Fachleute diskutieren, welche neuen Bilder Kirche heute finden kann – und welche Vorbehalte es gegen Social Media gibt.

Die Stadtkirche St. Petri in Dortmund beschäftigt sich in dem Projekt „Wer bin ich?“ im Frühjahr mit Selbstbild und Identitätssuche – und lässt sich dabei nicht nur von den Traditionen des Christentums, sondern auch dem Islam und dem Judentum inspirieren: So gibt es ein Ritual mit tanzenden Derwischen, eine Einführung in das Herzensgebet und sogar einen Ausflug in die Astrologie. Auftakt des Projekts ist ein feministischer Gottesdienst am Sonntag, 25. Januar, 11.30 Uhr mit biblischen und literarischen Stimmen, rezitiert von Veronika Nickl vom Schauspielhaus Bochum.

Eine Besonderheit des Altars in St. Reinoldi hat die Reihe „Marienbilder“ in der Stadtkirche inspiriert: Im Gegensatz zu den meisten reformierten Altären erzählt dieses ca. 1420 gefertigte Werk die Geschichte Jesu aus der Perspektive von Maria, seiner Mutter. Dies nimmt die Reihe zum Anlass, um sich im Februar und März in Musik, Vorträgen und Predigten mit Marienbildern und Marienleben auseinanderzusetzen. Zum Auftakt am Sonntag, 22. Februar, 19 Uhr: interpretiert der Kammerchor der TU Dortmund zusammen mit der Vielharmonie Düsseldorf Claudio Monteverdis „Marienvesper“.

Mit der Frage, welche Bilder der Glaube heute findet, haben sich zehn Künstlerinnen und Künstler in Lünen befasst: Die Ergebnisse sind ab dem 22. März in der Stadtkirche St. Georg in Lünen zu sehen.

Kinderbibeln beschäftigen das Evangelische Erwachsenenbildungswerk im Herbst: Am 25. Oktober startet eine Ausstellung im Reinoldinum, die eine Zeitreise durch die unterschiedlichsten Kinderbibeln bietet - begleitet von einem Comic-Workshop, Weiterbildungen und Vorträgen.

Hintergrund:

Die Evangelische Kirche Deutschland setzt sich vor dem Reformationsjubiläum 2017 jährlich mit einem Thema auseinander, das eng mit der Kirche und der Reformation verbunden ist.

2015 rückt sie „Reformation – Bild und Bibel“ in den Mittelpunkt.

Inspiriert durch dieses Jahresthema beschäftigt sich der Kirchenkreis Dortmund mit dem Verhältnis von Kirche und Bild.

Weitere Informationen: www.kircheundbild.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen