Donnerstag, 15. Januar 2015

5. Philharmonisches Konzert bot interessantes Wechselspiel von Literatur und Musik

Gabriel Feltz, Sebastian Koch und
Robin Johannsen (v.l.) und die Philharmoniker
beim Schlussapplaus. Foto: Schröter

Ein interessantes Wechselspiel zwischen Literatur und Musik bot das 5. Philharmonische Konzert unter dem Motto "spiel_zeiten". Die Philharmoniker hatten den bekannten Schauspieler Sebastian Koch verpflichtet, die musikalischen Sätze in Beethovens „Egmont“ (ab 1809) mit dem gesprochenen Wort aus dem Original-Goethe-Text (1775-1778) zu verbinden, auf den sich die Musik bezieht. Koch hat schon an der Seite von Bruce Willis in "Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben" vor der Kamera gestanden.

Das ungewöhnliche Arrangement machte das Konzert nicht nur abwechslungsreich, sondern ließ es für die Zuschauer zum gut nachvollziehbaren Historien-Krimi werden. Selten für ein Konzert. Aber es wird dem Werk gerecht, schließlich handelt es sich bei Beethovens Komposition um etwas, das man heute wohl getrost als „Filmmusik“ bezeichnen könnte. Das sagte GMD Gabriel Feltz im Vorgespräch „Wir stimmen ein.“ Der Musikwissenschaftler Prof. Martin Geck habe ihn darauf gebracht. Mit dem hatte Feltz sich vorigen Montag in der Mayerschen Buchhandlung in seiner Reihe „Musikcafé“ getroffen.

Und die heroische Musik wird dem Heldenepos um den Freiheitskämpfer gerecht, der im 16. Jahrhundert für die Loslösung Flanders von Spanien gekämpft hat und diesen Kampf mit der eigenen Hinrichtung bezahlt hat – wobei Goethe mit den tatsächlichen historischen Fakten um Vorbild Lamoral von Egmond (hier tatsächlich mit d geschrieben) sehr frei umgegangen ist. Vieles von der Kriegsverherrlichung von damals mutet heute seltsam an – zum Beispiel, wenn Sopranistin Robin Johannsen das Glück besingt „ein Mannsbild zu sein“. Auch die Liebe kommt bei Goethe vor. Und so darf Robin Johannsen auch einen weithin bekannten Ausspruch Clärchens zum Besten geben, der aus dieser literarischen Vorlage stammt: „Himmelhoch jauchzend, zu(m) Tode betrübt“. Das m ist über die Jahrhunderte verloren gegangen. Clärchen versucht in dieser Szene, ihren Geliebten Egmont vor dem Tod zu bewahren. Vergeblich.

Sebastian Koch ergänzt die Goethe-Textpassagen zu Anfang übrigens mit dem Dostojewski-Gedicht „Heroischer Augenblick“. Das passt in den Gesamtkontext, obwohl dort der Gefangene kurz vor der Hinrichtung begnadigt wird.

Vor der Größe dieses Werkes verblasst die 2. Sinfonie von Robert Schumann (1845), die die Philharmoniker im ersten Teil vor der Pause spielen – ein Schicksal, das dieses Werk bereits bei der Uraufführung erleiden musste, als es nach Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre zu hören war und dagegen keine Chance hatte. Auch Herbert von Karajan war kein Fan dieses Werkes. Er soll es nur ein einziges Mal im Laufe seiner langen Karriere dirigiert haben und noch beim Schlussapplaus gesagt haben: „Nie wieder“. Das allerdings scheint stark übertrieben. Schumanns romantisches Werk hat wunderschöne Passagen, die die Dortmunder Philharmoniker unter dem Dirigat von Gabriel Feltz genauso gekonnt zu Gehör bringen wie später den „Egmont“.


Das 6. Philharmonische Konzert findet am 10. und 11. Februar, jeweils 20 Uhr, im Konzerthaus statt - mit Musik von Mendelssohn-Bartholdy und Schostakowitsch. Alan Buribayev dirigiert.

Andreas Schröter

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