Samstag, 6. Dezember 2014

4. Philharmonisches Konzert widmet sich russischen Komponisten

9. und 10. Dezember 2014, 20 Uhr,
Konzerhaus Dortmund,
Konzerteinführung WirStimmenEin: 19.15 Uhr


Ein richtiger Schmachtfetzen ist dieses dritte Klavierkonzert von Rachmaninow, aber auch ein echter Fingerbrecher für Pianisten. Beim Konzert in Dortmund stellt sich Alexander Romanowsky dieser Herausforderung. Mit einer derart schlichten, gesanglichen Melodie eröffnet das Klavierkonzert Nr. 3 (1909), dass man sich zunächst gar nicht vorstellen kann, warum Rachmaninow es selbst „Konzert für Elefanten“ nannte. Aber das ändert sich bald. Die virtuosen Anforderungen, die es an den Solisten stellt, sind horrend. Komplizierte mathematische Berechnungen, in denen alle großen Klavierkonzerte miteinander verglichen wurden, sollen ergeben haben, dass der Solist dieses Konzerts die meisten Töne pro Sekunde zu spielen hat. Und trotzdem entbehrt dieses wunderbare Werk auch nicht jenem Schmelz, jenen dramatisch lyrischen Passagen, die von den Musikern große Hingabe fordern. 

Bei der Uraufführung in der New Yorker Carnegie Hall unter Walter Damrosch, in der Rachmaninow selbst den Solopart spielte, wurde das dritte Klavierkonzert nur verhalten aufgenommen. Sogar der Widmungsträger Józef Hofmann, rührten es zeitlebens nicht an. Andere Künstler, allen voran der große Vladimir Horowitz, maßen sich daran, zelebrierten es und machten es so zu dem populären und beliebten Klavierwerk, das es heute ist.

Sicherlich noch um einiges populärer als Rachmaninow ist dessen Vorbild Tschaikowsky. Rachmaninow ist deutlich dessen musikalischer Erbe, gerade was emotionale Weite und Tiefe betrifft. Ein Erbe, ja ein Vermächtnis ist Tschaikowskys letzte Komposition, seine 6. Sinfonie (1893). „Das ist doch ein Requiem“ soll der Großfürst Konstantin darüber gesagt haben. Dieser Eindruck rührt besonders vom Finalsatz her – kein großes Gepränge, kein glänzendes Ende, sondern ein ausgedehnter langsamer Satz: melancholisch, verzweifelt, hoffnungslos. Nur neun Tage nach der Uraufführung stirbt der Komponist. Ein Zufall? Hatte er den Tod während der Komposition schon vor Augen? Es bleibt ein Rätsel. Wenige Tage nach Tschaikowskys Tod fand ein Gedenkkonzert statt – auf dem Programm die „Pathétique“. Waren die Kritiker bei der Uraufführung noch nicht durchweg begeistert, so änderte sich das nun schlagartig. Das Meer an Mutmaßungen war enorm.

Tschaikowsky selbst hatte seiner letzten Sinfonie im Vorfeld schon ein mysteriöses Flair verliehen, wenn er „von einem geheimen Programm“ sprach, davon dass er während der Entstehung „nicht selten geweint“ habe. Und den „Pathétique“-Kenner wundert das nicht. Seine Musik ist hier – trotz großem Klang und beeindruckender Instrumentation – weniger romantisch als schmerzlich berührend. Der konstant verzweifelte Unterton weicht erst im letzten Satz, wenn nach dem Tamtam-Schlag der religiöse Bläserchoral beginnt, es sich nach Abschied anfühlt und eine innere, eine letzte Ruhe einkehrt. „In diese Symphonie habe ich, ohne Übertreibung, meine ganze Seele gelegt“, schreibt Tschaikowsky 1893 an den Großfürsten. Dies werden auch die Dortmunder Philharmoniker beim 4. PHILHARMONISCHEN KONZERT tun.

Karten: Tel: 0231 / 50 27 222 oder unter www.theaterdo.de

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