Samstag, 1. November 2014

Theater im Depot: "The Great Democracy Show" ist bunt und abwechslungsreich, aber etwas zu lang

Laut, bunt, schrill, abwechslungsreich, aber am Ende auch vielleicht einen kleinen Tick zu lang – das ist „The Great Democracy Show“, die Freitag Premiere im Theater im Depot hatte.

Das Stück beginnt schon im engen Vorraum an der Bar des Theaters. Schauspieler Martin Hohner erzählt die Geschichte von einem kleinen Jungen, der bei einem Badeausflug an einem See verschwindet. Und weil es vorher Medienberichte über einen Killerwels gegeben hat, sind die Eltern schon nach wenigen Augenblicken in heller Aufregung. Doch dann stellt sich heraus, dass der Kleine „nur mal kacken“ musste. Und weil es kein dreilagriges Toilettenpapier gab, wusste der Junge partout nicht, was er machen sollte und blieb einfach in gehockter Stellung sitzen. „Sind wir nicht alle ein bisschen wie dieser Junge?“, fragt Hohner am Ende dieser Einführungsszene.

„The Great Democracy Show“ ist politisches Theater und kreist um Themen wie den Überwachungsstaat, Snowden, die Sensationslust der Medien, unsere Abhängigkeit von mobilen Endgeräten und die Unterhaltungs-Industrie, die uns selbst dann noch einlullt, wenn das World-Trade-Center fällt.

Wem solche Botschaften zu penetrant sind – kein Problem: Man kann den Abend auch genießen, indem man sich einfach an den spielfreudigen Schauspielern sowie den wechselnden Optiken und Schauplätzen erfreut. Denn „The Great Democracy Show“ findet auch nach der Einführung an der Bar nicht allein im großen Saal statt. Die Zuschauer begeben sich mit den Akteuren auf Wanderschaft durch die Katakomben des Depot. Immer wieder kommen kleine vorgefertigte Filme zum Einsatz. Auch bedient sich Regisseur Björn Gabriel, der zum Ensemble des Schauspielhauses gehört, der Videokamera, die das Spiel der Akteure hinter den Kulissen per Großleinwand in den Zuschauerraum überträgt. Damit erinnert das Stück in seiner Gesamtästhetik an einige Produktionen des Schauspielhaues wie „Das Fest“ oder „Republik der Wölfe“, auch wenn die technische Umsetzung im Theater im Depot nicht ganz so professionell wirkt wie im Schauspielhaus.

Einmal an der Bar gibt’s eine Szene, in der die Zuschauer nicht wissen, ob das Stück schon vorbei ist oder nicht. Die Schauspieler schenken Schnaps aus und plaudern mit den Zuschauern. Doch dann ruft eine Stimme aus dem Off Schauspieler und Zuschauer doch wieder an die Arbeit. Auch wenn das ganz witzig sein mag, hätte Gabriel sein Stück vielleicht um diese und auch um ein paar andere Szenen kürzen können, um einen noch dichteren und kompakteren Gesamteindruck zu erzeugen.

„The Great Democracy Show“ ist eine Gemeinschaftsproduktion von Sir Gabriel Dellmann, Theater im Depot Dortmund, Rottstr 5 Theater Bochum und studiobühneköln. Hinter Sir Gabriel Dellmann, die auch schon „Dantons Dilemma“ im Theater im Depot realisiert haben, stecken Regisseur Björn Gabriel und die Bühnenbildnerin Stephanie Dellmann. (Überzeugende) Akteure auf der Bühne sind Christoph Jöde (ebenfalls Ensemblemitglied am Schauspielhaus), Jennifer Frank, Fiona Metscher und Martin Hohner. 

Andreas Schröter

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Weitere Termine:

SA 01.11.2014 um 20 Uhr
SO 02.11.2014 um 18 Uhr
SA 22.11.2014 um 20 Uhr
SO 23.11.2014 um 18 Uhr
Eintritt: VVK 13 € / 8 € erm.
AK 15 € / 10 € erm.

www.depotdortmund.de

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